Dieser Fotograf porträtierte seine Tinder-Dates im Schlafzimmer

Der Australier George Downing hat Jungs, die er über die Dating-App kennengelernt hat, mit der Kamera festgehalten.

von Ellen Rule; Fotos von George Downing Courtesy of AEVOE
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23 Februar 2016, 11:35am

George Downing hat letztes Jahr viel getindert und seine Tinder-Matches im Schlafzimmer fotografiert. Die Fotoreihe hält die wandelnde Bedeutung der App fest. Früher war sie ausschließlich dafür gedacht, Sexdates zu finden. Heute entstehen aus den Matches Freundschaften, Liebe und intime Momente, die der australische Fotograf festgehalten hat. In seinem ersten Buch Hosting hat George Downing nun die schönsten Porträts versammelt. Sie gewähren einen einzigartigen, intimen Einblick in die digitale Cruising-Kultur der Schwulenszene. Wir haben den jungen Fotografen vor der Buchveröffentlichung getroffen und mit ihm über Intimität und die wandelnde Bedeutung von Dating-Apps gesprochen.


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Wie bist du auf Idee zu Hosting gekommen?
Einfach weil ich als Teil der Generation Y über das Daten nachgedacht habe. Das Konzept hinter Tinder stammt von Dating-Apps wie Grindr, die ausschließlich dafür gedacht sind, jemanden fürs Bett zu finden. Irgendwie hat sich Tinder aber zu mehr entwickelt. Aus etwas, was als ziemlich oberflächlich betrachtet wurde, ist mittlerweile etwas Alltägliches geworden—jedenfalls unter den Leuten, die ich kenne.

Du konntest die Hey-wie-geht-es-dir-und-wie-geht-es-dir-Phase überspringen und deine Matches sofort auf eine intimere Weise kennenlernen, weil du sie vor deiner Linse hattest. Wie war das für dich?
Das war wahrscheinlich der interessanteste Aspekt des Projekts für mich. Mit den meisten habe ich vorher einen Kaffee getrunken. Ich hatte das Gefühl, dass ich das Konzept am besten von Angesicht zu Angesicht erklären kann. Außerdem habe ich sie gefragt, ob ich sie bei Ihnen zu Hause halbnackt oder nackt fotografieren darf. Da war persönlicher Kontakt von Anfang an sehr wichtig. Dennoch war es ein ziemlich großer Schritt von "sich auf einen Kaffee zu treffen" hin zu „Ich fotografiere dich nackt in deinem Bett."

Wie haben die Leute darauf reagiert?
Überraschenderweise gut! Als ich das Konzept entwickelt habe, habe ich viel darüber nachgedacht. Das beweist eigentlich nur noch mehr, dass diese Apps für alles genutzt werden können. Es gibt so viele interessante Leute und durch Tinder ist es so einfach, sie zu finden. Durch diese Apps können wir uns auf ganz neue Weise vernetzen.

Bist du nach dem Shoot mit den Jungs in Kontakt geblieben?
Ich bin noch mit allen in Kontakt. Ich wollte sichergehen, dass sich jeder der Jungs mit den Endergebnissen wohlfühlt, also habe ich eng mit ihnen zusammengearbeitet und sie immer auf dem Laufenden gehalten, welche Fotos letztendlich veröffentlicht werden. Alles sind interessante Individuen und ich finde es toll, dass ich mit allen befreundet sein darf.

Was denken die Jungs über das Buch?
Jeder der Jungs war mit den Fotos sehr zufrieden, denn sie zeigen einfach, wie wohl sie sich in ihrem Umfeld fühlen. Das ist vielleicht auch einfach das Entscheidende: Auf Apps wie Tinder präsentierst du ein anderes Bild von dir selbst als wie du in Wirklichkeit bist, ohne Schwächen. Es ist eine andere Welt. Die Leute in ihren Betten zu fotografieren und diese Fotos dann zu veröffentlichen, folgt derselben Logik wie Tinder, außer dass ich derjenige bin, der die Fotos macht.

@georgedowning