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ein exklusiver vorabauszug aus dem neuen bildband von grace coddington

„Grace: The American Vogue Years“ ist der zweite Bildband über die Arbeiten der legendären Modeikone und „Vogue“-Redakteurin Grace Coddington. Wir präsentieren einen exklusiven Vorabauszug daraus: Der Essay von Michael Roberts, enger Freund und...

von i-D Staff
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30 August 2016, 1:48pm

Photograph: Fabien Baron. Courtesy The Condé Nast Publications. 

The American Years ist der zweite Teil des umfassenden Bildbands über Grace Coddingtons Arbeiten und zeigt ihre Editorials, die in der amerikanischen Vogue zu sehen waren. Und ein paar Fotos, die im Laufe der Jahre nebenbei entstanden sind.

Das Buch ist auf vielfältige Art und Weise beeindruckend, nicht zuletzt, weil es überhaupt existiert. Die heutige Zeit macht es Romantikern nicht leicht, wenn Fashion-Spread nicht mehr länger das Privileg der Verträumten sind. Der erste Band war ein sonniger und süßer Wälzer, eine Ode an die Erzählkunst der Mode, in dessen Zentrum immer wunderschöne Kleidung, die von viel Luft und Natur umgeben war, stand. 

Der zweite Band ist mindestens genauso inspirierend, konzentriert sich dabei aber mehr auf den technologischen Fortschritt. Wundersam, ja. Aber genauso düster, urban und entfremdend. „Die Mode in die Narrative des Lebens einbetten", so beschreibt es Grace Coddington selbst. Sie überlässt fast nichts dem Zufall und kontrolliert jeden Aspekt eines Shootings mit einer quälenden Pingeligkeit, denn: „Ich kann nichts schnell machen. Ich kann spontan sein, muss immer über alles nachdenken", sagt sie selbst. Sie ist wie eh und je mit großer Aufmerksamkeit bei der Sache. Sie lässt die Aufnahmen nicht aus den Augen, geht mit ihnen ins Art Department bei der Vogue und bewacht sie solange, bis die Fotos in den Druck gehen.

Foto: Jamie Hawkesworth. Caroline Trentini in Louis Vuitton; Haare: Didier Malige; Make-up: Hannah Murray; Setdesign: Piers Hanmer; New York, Dezember 2015. Courtesy of The Condé Nast Publications (Seiten 346-7) 

Alle gefragten Stylisten haben ihren eigenen Look, von Hart und Sexy bis Minimalistisch und Dürr. Kenner der Modefotografie erkennen ein Grace-Coddington-Shoot anhand seiner poetischen Qualität, oft gepaart mit einer gewissen Unschuld und natürlich mit mit rothaarigen Models, die sich oft in Umgebungen wiedergefunden haben, die wie nicht von dieser Welt zu stammen scheinen. Die Outfits sind dabei überraschend, aber nie unangebrachte. Andere wiederum scheinen von der Außenwelt abgeschnitten, ohne Make-up oder Hairstyling auf einer Insel gelandet zu sein, die an Anglesey erinnert. Die feuchte und neblige Insel, auf der Grace aufgewachsen ist. Auch das Thema Familie spielt eine überraschend große Rolle in ihren Editorials. Kinder toben in den Fotos herum. Vielleicht als Kompensation für Graces eigenes Privatleben. Und schließlich ist ihre Bilderwelt von europäischen Märchen geprägt und durchdrungen von gewissen englischen Spleen, den sie als Teil ihres Modelexikons immer beibehalten hat, auch wenn sie vor mehr als drei Jahrzehnten in die USA umgesiedelt ist.

Heute ist das vornehme Americana, so wie Grace es sieht, unabänderlicher Teil der Ästhetik des Magazins, für das sie arbeitet, ob es sich dabei um ein Paar aus der Vorstadt mit Eheproblemen handelt, die atemberaubende Mode aus den 50ern tragen, oder einen Cowboy und sein Girl, die in einer Scheune posieren. Eines ist bei all den Szenarien und Narrativen immer klar: im Vordergrund steht die Mode. „Wenn du die Kleidung nicht zeigst, dann ist es nicht Modefotografie", sagt sie überzeugt. Wie mir ein Designer mal gesagt hat: „Grace sucht sich immer das Schlüsseloutfit einer Kollektion aus. Es ist nie das offensichtliche oder das beliebteste. Es ist das Outfit, das zusammenfasst, was wir denken, und es ist das Outfit, an das wir uns erinnern werden. Das ist es, was sie zu so einer großartigen Moderedakteurin macht."

Foto: Mert Alas & Marcus Piggott. Kendall Jenner in Louis Vuitton und der Cast von wonder.land (Kostümdesign: Katrina Lindsay); Haare: Shay Ashual; Make-up: Lisa Eldridge; Setdesign: Andrew Tomlinson; London, Dezember 2015. Courtesy of The Condé Nast Publications (Seiten 246-7) 

FotO: Arthur Elgort. Karen Elson in Dolce & Gabbana and männliches Model in Marc Jacobs und Louis Vuitton; Haare: Didier Malige; Make-up: Gucci Westman; Setdesign: Mary Howard; New York, November 2003. Courtesy of The Condé Nast Publications (Seiten 194-5) 

Foto: Peter Lindbergh. Edie Campbell in Saint Laurent; Haare: Jimmy Paul; Make-up: Stéphane Marais; Marokko, Juni 2013. Courtesy of The Condé Nast Publications (Seiten 112-3) 

Credits


Text: Michael Roberts 

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