Das bedeutet bedingungslose Liebe für junge Pärchen in Mexiko

Wir waren auf dem CSD in Mexiko-Stadt und haben queere Menschen vor Ort gefragt.

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Juni 27 2018, 10:43am

Die LGBTQ-Community in Mexiko feierte letztes Wochenende 40 Jahre Pride. Mit den Präsidentschaftswahlen am 1. Juli und Trumps besorgniserregenden Maßnahmen gegen lateinamerikanische Zuwanderer, stimmen wir alle überein, dass wir uns gerade in schweren Zeiten befinden. Weil wir alle eine Portion Liebe vertragen können, hat Andrés Navarro vier Pärchen für uns fotografiert, die uns mit ihren Antworten ein wenig Hoffnung geben. Und weil es auch nicht schadet, dabei unheimlich gut auszusehen, wurden sie von uns gestylt.

Havi, 23 und Ano, 24

Was macht ihr? Havi: Wir sind DJs, Models, Veranstalter und Künstler. Ano hat auch eine eigene Modelinie. Erzählt uns von dem ersten Eindruck voneinander. Ano: Ihre dunkle Energie und die Tatsache, dass sie laut über ihre eigenen Witze lacht, haben mir begeistert. In ihrer Gegenwart habe ich mich wie ich selbst gefühlt und war sehr ruhig. Havi: Ich mag Anos breites Grinsen. Wir haben uns von dem ersten Moment an verstanden – und das meine ich wirklich wörtlich. Zusammen machen wir alles, was wir lieben (tanzen, uns über Gender-Themen unterhalten, ins Kino gehen und einander zuhören) und hassen es, wenn Leute uns dem falschen Geschlecht zuordnen, weil wir beide trans* sind.

Wir leben in schweren Zeiten. Wie unterstützt ihr euch gegenseitig? Ano: Bedingungslos, bis wir beide sterben. Wir sind immer füreinander da und helfen uns. Havi: Unsere Perioden haben sich angeglichen, deswegen weinen wir gleichzeitig. Aber ich bin ein bisschen mürrischer, deswegen sage ich ihr öfter mal, dass sie sich verpissen soll. Sie heult dann wie ein kleines Mädchen [Lacht].

@h.4vi
@_d1e_

Daniela, 26 und Santiago, 23

Was macht ihr? Daniela: Ich bin Stylistin. Santiago: Ich tätowiere. Erzählt uns von dem ersten Eindruck voneinander. Santiago: Vor ungefähr fünf Jahren kam Dani zu mir nach Hause, um sich tätowieren zu lassen. Da haben wir uns zum ersten Mal gesehen. Daniela: An diesem Tag kam er mir sehr ernst und professionell vor, aber auch ziemlich attraktiv. Ich dachte damals aber noch, dass er mir zu jung wäre.


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Santiago: Vor zwei Jahren bin ich dann zu dieser Party mit meinem Bruder gegangen. Der Alkohol hat ihm zu schaffen gemacht, aber Dani hat mir geholfen, auf ihn aufzupassen. Und irgendwann haben wir uns beide geküsst. Daniela: Und auf der gleichen Party habe ich ihn danach mit einem anderen Freund rumknutschen sehen, aber ich hab nicht wirklich viel darüber nachgedacht [Lacht].

Wir leben in schweren Zeiten. Wie unterstützt ihr euch gegenseitig? Santiago: Wir sind zur gleichen Zeit nach Mexiko-Stadt gekommen und haben die Angleichung zusammen durchgemacht. Wir motivieren uns jeden Tag gegenseitig, um besser zu werden und helfen einander, wenn das Geld mal etwas knapp ist. Wie verbringt ihr den CSD in Mexiko-Stadt? Daniela: Ich möchte mehr darüber lesen und mich besser über die LGBTQ-Community informieren, damit ich besser helfen kann.

@boy_george_michael
@santiagolzro

Karla aka Roho, 26 und Alina, 28

Was macht ihr? Roho: Ich bin Make-up-Artist und Nageldesignerin. Alina: Ich bin Leiterin der MATERIA Lab, Stylistin und DJ. Erzählt uns von eurem ersten Eindruck voneinander. Roho: Alina war ein bisschen merkwürdig, aber cool – anders eben, sowohl von ihrem Look als auch von ihrem Wesen. Alina: Ich habe zu ihr gesagt, dass sie eine Göttin sei. Wie würdet ihr eure Liebe beschreiben? Roho: Wir sind wie Schwestern, die immer füreinander da sind. Wir sagen uns die Wahrheit, auch dann, wenn sie wehtut. Das ist es, was ich so an ihr mag: Sie ist schonungslos offen. Alina: Bedingungslos und für immer.

Stimmen eure politischen Ansichten überein? Roho: Ja, wir sind beide sehr spirituell und der gleichen Meinung, dass sie Welt wegen all der falschen Vorstellungen krank ist. Alina: Im Grunde ja, auch wenn wir bei manchen Dingen unterschiedlicher Meinung sind. Wir leben in schweren Zeiten. Wie unterstützt ihr euch gegenseitig? Roho: Wir kochen gemeinsam, reden, sind optimistisch und ehrlich zueinander, ohne dabei verurteilend zu werden. Alina: Wir können immer aufeinander zählen und arbeiten auch zusammen. Das tut uns beiden sehr gut.

@roho7
@salin4s

Mario, 28 und Gordon, 32

Was macht ihr? Mario: Ich bin Übersetzer und arbeite nebenbei als Editorial Assistant. Gordon: Ich bin Illustrator. Wie habt ihr euch kennengelernt? Mario: Über Instagram. Erzählt uns von dem ersten Eindruck voneinander. Gordon: Ich fand die Art, wie er mit seinem Fahrrad auf mich gewartet hat, ziemlich süß. Mario: Ich fand ihn körperlich sehr anziehend. Was macht ihr besonders gerne zusammen, was weniger gerne? Gordon: Ins Kino zu gehen und Pärchen-Sachen, wie spazieren gehen. Dafür hasse ich es, wenn wir Entscheidungen treffen müssen. Mario: Ich mag es, wenn wir zusammen einschlafen und kann es nicht leiden, wenn sich unsere Pläne voneinander unterscheiden. Es fühlt sich dann immer so an, als würden wir Zeit verschwenden.

Wir leben in schweren Zeiten. Wie unterstützt ihr euch gegenseitig? Gordon: Ich finde, dass wir durch die sozialen Netzwerke ein bisschen unsensibel geworden sind. Bilder stehen über unseren Gefühlen. Mir war es deswegen von Anfang an wichtig, dass wir uns nicht für unsere Verletzlichkeit schämen. Wir hören uns zu, ohne einander zu verurteilen. Wir verstehen uns einfach.

@lord_dexy
@slorlor

Credits


Fotos: Andrés Navarro
Styling: Zaid Díaz Osuna
Haare und Make-up: Adrián Glez

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der mexikanischen Redaktion.