Ex-L’Oréal-Model Munroe Bergdorf kritisiert neue Nivea-Werbung für "hellere Haut"

Die Aktivistin ist alles andere als happy mit einem Werbespot des deutschen Kosmetikonzerns, der in Afrika für hautaufhellende Bodylotion wirbt.

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Okt. 19 2017, 10:05am

Screenshot via Twitter

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

Die globale Beauty-Industrie lag mit ihrer Werbung für People of Color zuletzt mehrfach daneben. Nun kritisiert das schwarze Model Munroe Bergdorf eine neue Kampagne von Nivea, die derzeit in Afrika ausgestrahlt wird. Darin bewirbt die in Hamburg ansässige Marke ihre "Natural Fairness"-Bodylotion damit, dass sie die Haut "sichtbar aufhellt". "Das ist nicht OK", schreibt die junge Amerikanerin auf Instagram und teilt den Werbeclip mit ihren über 40.000 Followern. "Die Vorstellung zu verbreiten, dass hellere Haut schöner und jünger wirkt, ist gefährlich. Und es spielt in das rassistische Narrative, das in der Schönheitsindustrie so weit verbreitet ist: Weiß-Sein oder helle Haut ist der Standard, an dem wir uns alle orientieren sollen."


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Bekannt wurde Munroe Bergdorf diesen Sommer, als sie als Gesicht für die Kampagne zu L'Oréal TrueMatch abgesetzt wurde. Der französische Kosmetikkonzern stieß sich an einem Facebook-Post, den sie als Reaktion auf die Anschläge in Charlottesville veröffentlicht hatte: "Wenn weiße Menschen zugeben, dass ihre Rasse die gewalttätigste und unterdrückendste Macht auf Erden ist, dann können wir reden", schrieb sie in dem Post. Anschließend machte das Model öffentlich, wie sehr sie die Entscheidung von L'Oréal verletzt habe. Ihr Fall führte endlich zu einer Debatte darüber, wie Marken auf vermeintliche Trends in sozialen Netzwerken aufspringen und den Aktivismus ausnutzen.

Mittlerweile nutzt das Model ihre Plattform, um darauf aufmerksam zu machen, wie Werbung und die Produkte People of Color psychisch beeinflussen. "Die Werbeindustrie hat die Macht, dieses Narrative zu verändern, aber es wird doch nur mit jeder neuen Kampagne weltweit wiederholt", schrieb Munroe letzte Nacht und erklärte darin, warum die Nivea-Werbung so schädlich ist. "Geld damit zu verdienen, dass sich Leute selbst hassen, ist niemals OK. Bleichcremes schädigen nicht nur den Körper, sondern sind auch moralisch verwerflich."

Bleichcremes sind für die Schönheitsindustrie ein Milliardenmarkt, besonders in Afrika und Asien. 2011 schätzte die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass 70 Prozent der Frauen in Nigeria Hautbleichmittel benutzen. Die New York Times hat letztes Jahr in einem Artikel Ghanaer porträtiert, die nach dem Gebrauch der Produkte unter permanenten Hautverfärbungen leiden. Die in den USA beheimatete Publikation OkayAfrica, auf der es Nachrichten und Kultur aus Afrika gibt, hat auf die Doppelmoral hingewiesen, mit der Beauty-Brands Hautaufheller verkaufen: "Wir wissen alle, dass die Debatte nicht neu ist. Dieselben Firmen, die Hautaufheller in Afrika und Asien verkaufen, vermarkten Selbstakzeptanz-Botschaften an Frauen in Nordamerika, in beiden Fällen wollen die Unternehmen aus den Verbrauchertrends nur Kapital schlagen."

Munroe Bergdorf verabschiedete sich in dem Post mit der Bitte an Brands, dass sich People of Color durch Werbung besser fühlen sollen – ­nicht schlechter. "Empowerment ist nicht zu viel verlangt. JEDE schwarze Haut ist schön, ohne Ausnahme. Also zelebriert uns und verlangt nicht von uns, dass wir unerreichbare und rassistische Standards erreichen sollen."