Das passiert, wenn man drei Pärchen für 24 Stunden in einen Raum sperrt

Bonobos neues Musikvideo verrät es uns.

|
26 Oktober 2017, 8:56am

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Das Video gehört zum neuen Track Break Apart des Produzenten, wobei uns der Titel etwas ironische gewählt erscheint, da alle drei Pärchen sehr liebevoll und zärtlich miteinander sind. Der Regisseur Spencer Creigh aus LA hat für das Video drei Liebespaare für 24 Stunden in denselben Raum gesperrt (nicht gleichzeitig) – ohne Telefon, Fernseher oder Nagelknipser. Und wendet sich darin vielmehr den kleinen Dingen zu, denen wir uns im Alltag unterbewusst oft zuwenden, wenn unser Partner anfängt, sich über den mit Spaghetti verstopften Abfluss zu beschweren.


Auch auf i-D: Unsere Summer-of-Love-Reihe in Paris


"Ich wollte das Gefühl entstehen lassen, dass du als Zuschauer gewissermaßen Teil des Voyeurismus bist, indem du das Video schaust", erklärt Spencer. Und das ist ihm auch gelungen – irgendwie fühlt es sich faszinierend und falsch zur gleichen Zeit an. Wir haben uns vielleicht mittlerweile daran gewöhnt, Kim Kardashian dabei zuzuschauen, wie sie im öffentlichen Fernsehen beteuert, dass sie es überhaupt nicht mag, in der Öffentlichkeit über andere zu lästern, aber in diesem Fall performen die Personen ihr echtes Leben. In Bonobos Video wirkt es wunderschön langweilig, viel vertrauter und authentischer, dem Reality-TV irgendwie viel näher als das echte Reality-TV.

Spencer bringt es selbst auf den Punkt: "Da gibt es diese große Dichotomie die man erlebt, wenn man das Video schaut. Man ist total gerührt von den authentischen Momenten echter Gefühle, die man da sieht, und gleichzeitig hat man dieses unangenehme Gefühl, dass man in ihre Privatsphäre eindringt."

Der Song ist der perfekte Soundtrack zu diesem paradoxen Gefühl. Rhye liefert melancholischen und doch beruhigenden Gesang, es ist eine minimalistische Produktion voller unterschiedlicher Layer, die mit den Vocals verschmilzt und ein Gleichgewicht aus aufmunternder Melancholie à la Bon Iver entstehen lässt. Den ganzen Track über ist übrigens auch das leicht nervige Ticken einer Uhr zu hören, um zu unterstreichen, wie intensiv es ist, 24 Stunden mit nur einer Person eingesperrt zu sein – und das ohne die Möglichkeit über witzige Katzenvideos auf Instagram zu lachen.

Du musst nicht 24 Stunden opfern, aber das Video ist drei Minuten deiner Zeit auf jeden Fall wert.