die ungezügelte schönheit der bolschoi-ballett-tänzer in bildern

Der ehemalige Tänzer und Fotograf Kurtiss Lloyd hat eine der renommiertesten Ballettschulen der Welt besucht — und den Tänzern ein paar Fragen gestellt.

von Kurtiss Lloyd; Übersetzt von Michael Sader
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Aug. 21 2017, 9:49am

Dieser Artikel erschien zuerst auf i-D UK.

Anfang des Sommers war der britische Fotograf Kurtiss Lloyd zum allerersten Mal in Moskau. Konfrontiert mit der harten Realität des urbanisierten Russlands, fing Kurtiss an, sich auf die Suche nach Russlands dekadenter Vergangenheit zu begeben.

"Ich habe im Stadtzentrum übernachtet, da wurde nur gebaut. Im Vergleich zu den majestätischen Gebäuden aus der reichen Vergangenheit Russlands wirken die neuen Gebäude kalt und emotionslos.


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Die Wohnung, in der ich gewohnt habe, hatte ein Flachdach. Das hat meine Eindrücke vom aktuellen Moskau widergespiegelt: Baugruben, Gerüste und Schutt bestimmen das Straßenbild und die Skyline. Stattdessen habe ich über den Glanz des alten Russlands fantasiert.

Und was ist dazu besser geeignet als das Bolschoi-Theater. Indem ich den klassischen Balletttänzer aus dem Kontext der Bühne, dem Samtvorhang und aus den goldenen Gängen dieses Theaters löse, sind zeitgenössische Porträts der Tänzer entstanden, die den Unterschied zwischen Alt und Neu, zwischen natürlicher Schönheit und von Menschen kreierter Hässlichkeit zeigen.

Als ich sie getroffen habe, habe ich diese Art von Einsamkeit gespürt. Die meisten von ihnen sprechen kein Englisch, sie drücken sich mit Tanz aus. Auf diese Weise konnte ich ihren wahren Charakter einfangen, anstatt einfach nur eine Performance zu fotografieren. Es war völlig überraschend für mich, dass sie sich vor meiner Linse so frei gefühlt haben — und das sieht man den Bildern auch an.

Ich war selbst Tänzer und weiß, was es bedeutet, wenn man den wahren Charakter der Musik transportieren und seine eigenen Grenzen überschreiten soll. Mein Ansatz als Fotograf fängt immer mit dem Respekt vor dem Können an."

Alexej Putintsew, 20, Moskau

Was bedeutet Tanzen für dich?
Es dreht sich alles um das freie Bewegen, die Wiedergeburt und das Verspielte. Tanzen gibt dir die Möglichkeit, dich zu befreien.

Was ist die größte Herausforderung dabei?
Beim Tanzen brauchst du unglaublich viel Geduld, um die körperlichen Schmerzen und den emotionalen Stress verarbeiten zu können, wenn du den Part nicht bekommst. Die Karriere von Tänzern kann sehr kurz sein, deswegen muss man immer stark sein, weil es immer Tänzer geben wird, die dich ersetzen — harte Arbeit zahlt sich aber aus.

Wassili Danilschuk, 22, Omsk

Was ist deine erste Erinnerung ans Tanzen?
Meine Mutter hat mich als Kind mit ins Ballett genommen. Das war eine Aufführung von Ruslan und Ljudmilla im Theater von Omsk. Ich habe mich sofort in diese Märchenwelt verliebt.

Was bedeutet Tanzen für dich?
Tanzen ist Leben. Meine Gefühle auf der Bühne reflektieren die Gefühle der Figur, die ich darstelle, aber durchs Ballett verstehe ich mich selbst auch besser.

Nikita Kapustin, 21, Serpuchow

Was ist die größte Herausforderung dabei?
Dass ich jeden Morgen in die Ballettschule komme und bis zum Schluss bleibe.

Was würdest du machen, wenn du kein Ballettän zer wärst?
Als Kind habe ich gerne Fußball gespielt. Vielleicht wäre aus mir ein Sportler geworden.

Ilja Beresnew, 26, Deutschland

Was würdest du machen, wenn du kein Ballettänzer wärst?
Ich weiß es nicht, weil ich mir wirklich nichts anderes vorstellen kann.

Welchen Rat würdest du Tänzern mit auf den Weg geben?
Wenn du es nicht lebst, solltest du es auch nicht machen.

Artemij Beljakow, 25, Twer

Was bedeutet Tanzen für dich?
Ein Weg, um die Schönheit des menschlichen Körpers und der menschlichen Seele zu verstehen.

Was ist die größte Herausforderung dabei?
Ich muss mich daran erinnern, dass die Menschen in ihrem Leben Kunst brauchen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie das nämlich nicht so sehen.

Alessandro Caggegi, 21, Manchester

Warum tanzt du?
Wenn ich auf der Bühne stehe, dann durchflutet mein Körper etwas, das man nicht in Worte fassen kann. Es ist wie ein Adrenalinschub. Wir sind nicht nur Tänzer, sondern auch Schauspieler.

Was würdest du machen, wenn du kein Ballettänzer wärst?
Ich wäre vermutlich ein Musiker. Bevor ich nach Russland gegangen bin, habe ich in Brass-Bands mitgespielt und einen Abschluss als Pianist am Londoner Victoria College of Music gemacht. Ich versuche in meiner Freizeit so viel zu üben wie nur möglich.

Wladislaw Kozlow, 23, Saratow

Was bedeutet Tanzen für dich?
Durch das Tanzen kann ich meine Gefühle und Gedanken ausdrücken. Das ist manchmal schmerzhaft, aber Balletttänzer können ohne das Tanzen nicht leben.

Was ist die größte Herausforderung dabei?
Die größte Herausforderung als professioneller Balletttänzer ist es, über sich selbst hinauszuwachsen, aber auch die körperliche Arbeit jeden Tag. Dieser Beruf ist mit Opfern verbunden und das bedeutet manchmal auch, dass man Opfer im Privatleben bringen muss.