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Das Leben nach Supreme: Im Gespräch mit OAMC-Gründer Luke Meier

Der ehemalige Chefdesigner einer der größten Streetwear-Marken will dir mit seinem eigenen Luxus-Label zeigen, dass Mode mehr kann, als nur schön aussehen.

von Juule Kay
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19 Februar 2018, 2:13pm

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Labels kommen und gehen, doch nur wenige hinterlassen Spuren. OAMC ist eines davon. Das liegt vor allem an seiner Herangehensweise: statt das Produkt in den Vordergrund zu stellen, ist es das Visuelle, was OAMC-Gründer Luke Meier so fasziniert. "Versuch nicht zu viel, sondern mach nur die Dinge, an die du wirklich glaubst", gibt uns der Kanadier mit auf den Weg, nachdem er selbst acht Jahre als Chefdesigner für Supreme gearbeitet hat, bevor er als Co-Creative Director zu Jil Sander gewechselt ist. Seit 2014 arbeitet Luke für sein eigenes Luxus-Label, mit dem er ein größeres Bewusstsein für die Gegenwart schaffen möchte. Schließlich ist es genau das, was in einer so schnelllebigen und zukunftsorientierten Branche leicht in den Hintergrund gerät.


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"Es fühlt sich so an, als würden wir unser Verständnis für Fakten verlieren und vergessen, dass es wichtig ist, die Wahrheit zu sagen", so Luke weiter. Mit seiner Spring/Summer 18 Kollektion möchte der kanadische Designer dem entgegenwirken, indem er auf Authentizität setzt. So treffen klare Schnitte auf eine reduzierte Farbpalette, die Schriftzüge wie "Veritas" und "People for Peace" in den Mittelpunkt stellen. "One always more conscious" lautet der Titel der Kollektion, der sich aus den Buchstaben des Label-Namens zusammensetzt und jede Saison wechselt. Und genau das ist es, was uns Luke sagen möchte: Wir müssen uns mehr darüber bewusst sein, was um uns herum geschieht. Was der Kanadier damit genau meint, hat er uns im Interview erklärt.

Du hast dich für den Namen OAMC entschieden, weil er dich grafisch angesprochen hat. Wie würdest du deine Bildsprache beschreiben?
Ich fühle mich von ungewöhnlichen Dingen angezogen, mag auf der anderen Seite aber auch gerne das Cleane. Es ist der Mix aus Beidem. Was ich anfangs an Design so spannend fand, war das Visuelle und nicht das fertige Produkt. Es wird zwar interessanter, wenn du mehr darüber lernst und tiefer in die Materie gehst, aber das Visuelle ist und bleibt so wichtig für mich, weil es die Welt drumherum zum Leben erwecken kann.

Du hast von deiner Zeit als Head of Design bei Supreme gelernt, detailorientiert zu arbeiten. Was braucht es deiner Meinung nach noch, um mit seiner Marke erfolgreich zu sein?Heutzutage sind das viele verschiedene Elemente. Das Wichtigste ist aber immer noch, authentisch zu bleiben. In dem, was du tust und an was du glaubst. Du musst aber auch viel harte Arbeit reinstecken, damit es gut wird. Schon fast obsessiv sein, um wirklich etwas auf höchstem Niveau zu kreieren, um dann etwas zu kommunizieren, das sich für den Moment richtig anfühlt.

Wenn du dir die Modebranche anschaust, würdest du sagen, dass sich gerade etwas hinsichtlich der Authentizität verändert?
Ich finde, dass es schon immer recht gleich war. Modedesign basiert oft auf Trends und Labels passen sich oft dem an, was im Moment kommerziell funktioniert. So ist die Modeindustrie von Natur aus. Ein wirklich gutes Label macht dagegen auf seine eigene Art mit dem weiter, was es eben macht – egal ob es gerade dem Trend entspricht oder nicht. Auf der anderen Seite kann ich auch verstehen, dass manche Marken riesige Maschinen sind. Es ist ein Tier, das gefüttert werden muss.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der sein eigenes Label gründen möchte?
Du musst immer daran glauben, dass alles möglich sein kann – auch wenn es verdammt schwer ist. Versuch nicht zu viel, sondern mach nur die Dinge, an die du wirklich glaubst. Ich würde mich nicht so sehr darum kümmern, was die anderen sagen. Wenn es sich für dich gut anfühlt, mach weiter damit. Es ist nun mal ein hartes Business, aber sobald du an einem gewissen Punkt angelangt bist, öffnen sich auch bestimmte Türen. Es gibt genug Menschen, die dir auf dem Weg dorthin helfen werden, so schwer er auch ist. Hör einfach nicht auf, daran zu glauben.

Du hast dich schon immer für Design von einem soziologischen Standpunkt aus interessiert. Wie hast du das in die Spring/Summer 18 Kollektion übersetzt?
Ich habe damit angefangen, nachdem Trump gewählt wurde und all dieser verrückte Scheiß auf der Welt passiert ist. Es gibt da draußen keine echten Nachrichten mehr. Es fühlt sich so an, als würden wir unser Verständnis für Fakten verlieren und vergessen, dass es wichtig ist, die Wahrheit zu sagen. Diese Kollektion ist gewissermaßen schon immer da gewesen, weil die Dinge, die wir machen, aus diesem Gedanken heraus entstanden sind.

In der Kollektion sind Schriftzüge wie "Lumière", "Veritas" und "People for Peace" zu sehen. Würdest du sagen, dass die Kollektion auch eine politische Message hat?
Mode kann nicht wirklich politisch sein, im Gegensatz zu Menschen. Ich fühle mich ein bisschen so, als würde ich nicht wissen, was ich den Medien noch glauben soll. Ich weiß, dass viele sie nicht ernst nehmen, aber wo soll man sich sonst informieren? Die Leute haben aufgehört, Dinge zu hinterfragen. Dabei brauchen wir gerade jetzt mehr Wahrheit und müssen aktiver sein.

Wenn du in der Zeit zurückreisen könntest, was würdest du deinem Jüngeren Ich sagen?Verdränge nicht die Dinge, die sich wichtig für dich anfühlen. Das alles ist intensiv und mit einer Menge Arbeit verbunden, aber es macht auch Spaß. Ich weiß, dass es ein Luxus-Label und damit nicht für die breite Masse gedacht ist, aber ich glaube daran, dass es mein Ventil ist, um all die Dinge zu sagen, die mich beschäftigen. Ich schätze mich sehr glücklich, in einer Position zu sein, in der ich meine Gedanken auf eine bestimmte Weise in die Welt hinaustragen kann. Es geht nicht darum, cool zu sein, sondern echt.

@oamc_official

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