Die wunderschönen Stickereien des Björk-Mitarbeiters James Merry

Von einer Motten-Goth-Maske für die isländische Pop Queen bis zu Gletscherblumen auf dem Nike-Swoosh, Transformation ist das zentrale Thema von James Merry.

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Juli 6 2015, 2:10pm

Foto: Thomas Whiteside

Letzten Monat als Björk beim Governors Ball Music Festival in New York auftrat, trug sie ein funkelndes Flügelkleid, ergänzt um ein feines Spitzen-Headpiece von Künstler James Merry. James, der in New York und Island (wo er in einer Berghütte umgeben von Lavendel-Lupinen) lebt, bestickte die schwarz-weiße Maske mit Neon und Perlen. „Björk hatte bestimmte Vorstellungen und zeigte mir Fotos, darunter Fotos von wunderschönen Motten", sagt James, der seit sechs Jahren mit der Künstlerin zusammenarbeitet. „Ich habe die farnartigen, weißen Antennen am meisten gemocht, also habe ich angefangen, diese zu besticken und es hat sich langsam in einer Art viktorianische Techno-Maske verwandelt." Die Natur ist ein überspannendes Thema in James' persönlichen Arbeiten. 2012 veröffentlichte er Anatomies, ein Buch mit Illustrationen, die die Pflanzenformen mit Strukturen im menschlichen Körper miteinander verbindet. Seit Kurzem stickt er Blumen und Pilze auf klassische Sportswear, so wachsen zum Beispiel eine Blume und Moss auf dem Nike-Swoosh.


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Was findest du am Sticken so toll?
Ich mag die Geschwindigkeit, die Konzentration und die Kontrolle bei Handstickereien. Es beruhigt einen. Man muss ich wirklich konzentrieren und kann abschalten, was wie eine Therapie wirkt, wenn man ansonsten ein sehr hektisches Leben hat. Und natürlich die Handlichkeit. Ich kann die Sachen in meinen Rucksack packen und sticken während ich im Flieger bin oder fernsehe. Dann mag ich es, die Resultate tragen zu können. Die Resultate hängen nicht in einem Rahmen an der Wand, sondern man kann sie tragen, sie knautschen und sie in die Waschmaschine stecken, wenn sie dreckig werden. Ich mag diesen Aspekt.

Hast du ein Lieblingsstück?
Ich glaube, das letzte Stück freut mich immer am meisten, was das Spitzen-Headpiece ist, was Björk beim Konzert getragen hat. Ich war anfangs ein bisschen unsicher, ob es funktioniert, aber als sie es dann zusammen mit dem Kleid von Nikoline Liv Andersen trug, hat alles zueinander gefunden und ich war glücklich.


Foto: Andrew Thomas Huang

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Björk?
Durch einen gemeinsamen Freund wurde ich ihr vor sechs Jahren vorgestellt, als sie gerade mit den Arbeiten zu Biophilia anfing und nach einem Assistenten suchte. Das war ein Abenteuer. Wir haben uns per E-Mail ein paar YouTube-Videos hin und hergeschickt und dann traf ich sie in New York. Ich ging zurück nach London und kurze Zeit später habe ich alles stehen und liegen lassen und bin nach New York gezogen, um mit ihr Vollzeit zusammenzuarbeiten, was ich seitdem tue. Ich habe mich immer ein bisschen davor gescheut, darüber zu reden, weil es immer an einem so magischen und fruchtbaren Ort existiert, das ich es nicht durch Zerreden zerstören möchte. Aber sie zu treffen und mit ihre zusammenzuarbeiten war definitiv das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist, auf so unterschiedlichen Ebenen.

Davor hast du für Damien Hirst gearbeitet. Was hast du dort getan und wie war es?
Anfangs war ich in seinem Studio und war für die die Kaleidoscope Butterfly-Gemälde zuständig, dann habe ich aber mehr administrative Aufgaben übernommen, was zum Teil daran lag, dass ich mir die die ganzen Schmetterlingsnamen merken konnte.

Wie kamst du auf die Idee zu Anatomies?
Ich glaube, es war der Versuch, tatsächliche physische Empfindungen, die ich fühle, wenn ich mir Pflanzen oder Blumen anschaue, zu erklären - eine Art schräge, greifbare Pflanzensynthese. Meine Finger kribbelten, wenn ich kleine, pelzige Knospen an Zweigen gesehen habe oder ich hatte das Gefühl, dass mir Bäume aus den Augen wachsen, wenn ich sie zu lange angeschaut habe. Mich hat die Schnittmenge zwischen Botanischem und Anatomischen interessiert. Wenn zwei verschiedene Welten aufeinander treffen, dann ist das immer sehr ergiebig.

Wie kamst du auf die Idee zu deiner neuen Sportswear-Serie?
Anfang dieses Jahres steckte ich in New York länger fest, als mir normalerweise lieb ist. Ich habe Island und die Landschaft wirklich vermisst. Ich glaube, dass es eine Art stiller Protest von mir war. Etwas super Urbanes, maschinell Hergestelltes und Getragenes (mein alter Nike-Pullover) zu düngen; es zum Blühen zu zwingen, indem ich eine Gletscherblume und Moss darauf gestickt habe. Diese Stickereien sind den Zeichnungen in Anatomies ähnlich, da beide einen sehr bestimmten Zeitpunkt der Transformation in den Fokus rücken, der Moment, an dem eine Sache zu einer anderen wird. Ich bin davon besessen.

Was hörst du, wenn du arbeitest?
Wenn ich arbeite, läuft immer Musik. Ich gerade viel Tinashe, Arca und Tink. Ich habe neulich die Playliste „Fairlights, Mallets und Bamboo" mit japanischer Elektromusik auf Soundcloud gehört.

Wo findest du Inspiration?
Der Großteil meiner besseren Ideen entstand im Schwimmbad in Island. Aber auch das Spazieren, Camping und die Gartenarbeit hier inspirieren mich. Alles ist extrem, besonders der Sinn für Größe. Du kannst im Schatten eines riesigen Gletschers sein, aber deine Knie sind auf Moss, während man sich eine winzige, dickköpfige arktische Blume, die sich ihren Weg aus dem Lavagestein kämpft anschaut und sich über ihre Hartnäckigkeit wundert.

http://www.jtmerry.com/