wenn du „the get down“ magst, wirst du diese hiphop-dokus lieben

Seit letztem Wochenende läuft endlich die neue Serie von Baz Luhrmann auf Netflix. Darin geht es um die New Yorker HipHop-Szene der 70er. Wir stellen dir sieben Dokumentationen vor, die zeigen, wie es damals wirklich war.

von Emily Manning
|
16 August 2016, 8:31am

Style Wars (1983)
Vor dem Start der neuen Netflix-Serie The Get Down haben Jaden Smith und Raury in der Radiosendung von Ebro auf Beats 1 ihren gemeinsamen Track „Losing Your Mind" präsentiert. In der Sendung verriet Jaden ein bisschen mehr über seinen The Get Down-Charakter Dizzy, ein Graffiti-Künstler. Ebro stieg mit ein und erklärte: „Was viele Leute nicht wissen, ist, dass B-Boying, Graffiti und DJing die Fundamente waren, bevor sie mit Beat-Loops und Breaks anfingen." Style Wars, eine PBS-Dokumentation aus dem Jahr 1983, zeigt die Anfangsjahre der HipHop-Bewegung und stellt die Kids vor, für die U-Bahn-Waggons leere Leinwände waren. Zu Wort kommen junge Künstler wie Kase2 und Iz the Wiz, aber auch New Yorker Polizisten und der umstrittene Bürgermeister Ed Koch. „Das ist Kunst?", fragt Detective Bernie Jacobs und zeigt auf die Buchstaben an einem U-Bahn-Zug. „Ich weiß es nicht, ich bin kein Kunstkritiker. Aber ich kann ihnen versichern, dass es eine Straftat ist." Auf die Waggons wurden nicht nur Hieroglyphen gesprayt, sondern auch großflächige Gemälde, die sich wie eine Schlange durch die Stadt winden.

Breakin 'N' Enterin' (1983)
Zwar wurde HipHop in der South Bronx geboren, aber der Sound und der Style haben sich schnell verbreitet. In Breakin 'N' Enterin' aus dem Jahr 1983 geht es um die B-Boy-Szene in Los Angeles. In der zweistündigen Dokumentation ist sogar der junge Ice-T zu sehen. Im Fokus stehen unter anderem die unterschiedlichen Tanzstile der Ost- und Westküste. Die New Yorker B-Boys haben sich hauptsächlich auf Floor Work konzentriert, während die SoCals mehr aufs Popping und Locking gesetzt haben.

Beat This: A Hip-Hop History (1984)
Diese BBC-Dokumentation aus dem Jahr 1984 gehörte zu den ersten HipHop-Dokumentationen kommt deswegen etwas altbacken daher. Die Geschichte wird die ganze Zeit über in Reimen erzählt: „From Uptown to Fifth Avenue, the journey took a heck of a crew". Dennoch ist Beat This immer noch eine sehenswerte Doku, die einige der entscheidenen Momente der HipHop-Bewegung für die Nachwelt festgehalten hat. So wird Originalmaterial von DJ Kool Hercs Bronx Block Partys und Afrika Bambaataas futuristischen Ausflügen auf den „Planet Rock" gezeigt. Außerdem gibt es ein Interview mit Punk-Pionier Malcolm McLaren zu sehen—seines Zeichens ehemaliger Manager der Sex Pistols, der sich damals im Scratching versucht hat. Er war in der South Bronx unterwegs, um für Bow Wow Wow einen Opening-Act zu finden. Zwar ist McLaren nicht ganz unumstritten gewesen, aber von Blood Orange bis Drake haben viele seine HipHop-Tunes gesampelt.  

Big Fun in the Big Town (1986)
Das niederländische Fernsehen hat sich zwei Jahre nach den Briten in der New Yorker HipHop-Szene umgesehen. Zu der Zeit waren Run-DMC mit ihren Adidas-Superstars nicht nur feste Größen der New Yorker Subkultur, sondern auch Ikonen einer immer stärker werdenden internationalen Bewegung. Big Fun wartet mit intimen Interviews mit Grandmaster Flash, LL Cool J und Biz Markie genauso wie Interviews mit Schülern aus der North Bronx auf. Die Jugendlichen im Film sprechen darüber, was es ihnen bedeutet, dass sie mit HipHop ihre eigene Musikbewegung gegründet haben, angesichts institutioneller Benachteiligung.

Stolen Moments: Red Hot + Cool (1994)
Diese Dokumentation ist der Ausreißer auf unserer Liste, denn es geht hier nicht ausschließlich um die Anfänge der HipHop-Bewegung in der South Bronx in den 70ern. Der Film aus dem Jahr 1994 thematisiert einen nicht weniger wichtigen Teil der HipHop-Geschichte: Stolen Moments ist damals während dem traurigen Höhepunkt der Aids-Epidemie in New York herausgekommen und zeigt die gravierenden Auswirkungen des Virus auf die afroamerikanische Community. Während es in vielen HipHop-Dokus darum geht, wie die Disco-Musik die ersten HipHop-Tunes inspiriert hat, widmet sich Stolen Moments den Überschneidungen zwischen HipHop, Jazz, Gospel und Funk. „HipHop ist eine musikalische Form, die alle Musikformen, die es davor gab, umfasst", erklärt Gangstarr Guru in der Doku. „Chuck D. nennt Rap das ‚urbane CNN'. Wir bedienen uns bei den unterschiedlichen Dingen, die ausdrücken, was die Jugend heute bewegt. Rap ist die Stimme dieser Leute."

Once Upon a Time in New York: the Birth of Hip-Hop, Disco, and Punk (2007)
Die BBC versuchte sich 2007 erneut—dieses Mal allerdings ohne Reime. Statt sich nur auf eine Bewegung zu beschränken, geht es in Once Upon a Time in New York um die spannendsten Sounds und Styles, die in den 70ern in der US-Metropole entstanden sind. Downtown war das perfekte Ziel für Punks, Midtown war das Eldorado für die Disco-Jünger und Uptown war fest in der HipHop-Hand. Wie Richard O'Brien sagt: „Im New Yorker der 70er konnte man alles sein, was man wollte."

Founding Fathers: The Untold Story of Hip-Hop (2009)
Die Dokumentation Founding Fathers hinterfragt die vorherrschende Legende, dass die South Bronx der Geburtsort von HipHop ist. Dazu werden frühe Wegbereiter der Szene befragt, die aus Brooklyn und Queens kommen. Die Macher haben DJs, MCs und Promoter interviewt und illustrieren den Film mit Archivmaterial, Fotos und Flyern, um ein lebendiges Bild der HipHop-Szene jenseits der Bronx zu zeichnen. Weil die Dokumentation große HipHop-Legenden wie Grandmaster Flash und Kool Hercs Rolle kritisch hinterfragt, ist die Doku in manchen Kreisen nicht ganz unumstritten. Trotzdem bietet Founding Fathers eine interessante Alternative und verfolgt die Einflüsse bis zu Louis Armstrong zurück.

Rubble Kings (2015)
New York Ende der 60er und in den 70ern: die Bronx war eine einzige Bruchbude, die Stadt New York stand am Rande des Bankrotts, die Kriminalitätsraten waren hoch und nach einigen Morden an wichtigen Schlüsselfiguren der Bürgerrechtsbewegung, war die Stimmung am Brodeln. Rivalisierende Gangs beherrschten die Straßen, woraus später der Kultklassiker Die Warriors entstanden ist. In der Dokumentation Rubble Kings geht es um die Prozesse, die diese Wut kanalisiert haben und wie der Friedensschluss unter den Gangs zu einer kreativen Explosion geführt hat—in der Musik, im Tanz und in der Kunst. Wenn du genug von Bucket Hats, eng geschnitten Jogginganzügen und Poloshirts hast, dann bietet Rubble Kings eine willkommen Stilalternative: Eine Zeit, in der echte Kerle und Biker-Lederjacken das Straßenbild bestimmt haben, wird kurzzeitig wieder zum Leben erweckt.

Credits


Text: Emily Manning 
Foto: via Netflix

Tagged:
New York
Musik
HipHip
The Get Down
Dokumentationen