diese fotografin hat ein akt-zine aus ihren tumblr-followern und tinder-matches gemacht

Die britische Fotografin Fia Yaqub, zu deren Fans Richard Kern und Nick Knight gehören, ist einen Sommer durch die USA gereist und hat dabei intime Porträts von Amerikanerinnen für ihr neues Zine „Peaches“ geschossen.

von Alice Newell-Hanson
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19 April 2016, 12:15pm

Schon weit bevor Fia Yaqub ihre Fotos offen mit der ganzen Welt teilte, machte sie sich auf Tumblr einen Namen. Ihre geschmackvollen Nacktaufnahmen haben ihr eine große Fangemeinde beschert, zu der auch der bekannte Modefotograf Nick Knight gehört. Er meldete er sich dann bei der jungen Fotografin und fragte sie, ob sie nicht für eine Weile den Tumblr von SHOWStudio kuratieren möchte. Auf der anderen Seite wissen wir alle, dass Instagram nicht zu den hilfreichsten Tools für Leute, die sich für Aktfotografie interessieren, gehört. 

„Meine Bilder werden oft entfernt", sagt uns Fia. „Letzte Nacht habe ich eins [auf Instagram] gepostet und ich wusste, dass es gelöscht wird. Das passiert dir auf Tumblr nicht." Mit ihren Bildern hinterfragt die Fotografin die Grenze zwischen Intimität und was die Social-Media-Plattform „drastische Inhalte" bezeichnet. In ihrem neuesten Zine Peaches hat Fia Yaqub junge Amerikanerinnen dokumentiert, wie sie auf ihren Betten, in ihren Wohnzimmern oder sonst wo abhängen. Meistens sind es Momente, in denen sie ihre Motive unbeobachtet fühlen, in denen sie auf den Auslöser drückt. 

Wie fing es mit Peaches an?
Das war kein Projekt in dem Sinne, ich habe es erst Peaches getauft, als das Zine wirklich in den Druck ging. Letzten Sommer war ich für zwei Monate in den Staaten, in Los Angeles, San Francisco, Chicago und New York und habe einfach so viel Bilder gemacht wie möglich und sie gesammelt. In Großbritannien stehen die Girls Aktaufnahmen nicht so aufgeschlossen gegenüber.

Wie hast du in den USA deine Models gefunden?
Als ich meinen Tumblr hatte, war ich ziemlich beliebt. Dann bin ich zu Instagram gewechselt und bin mit vielen in Kontakt geblieben. Bevor ich in die USA geflogen bin, habe ich mich gut vorbereitet und viele angefragt. Auf Instagram habe ich auch einen Aufruf gestartet. Zurückgekommen bin ich mit 64 Rollen Film. Das waren nur zwei Monate.

Wieso gibt es so einen Unterschied zwischen den Mädchen in Großbritannien und Amerika?
Das ist wirklich komisch für mich. An der Uni hat mir mein Lehrer immer gesagt: „Du musst die wilden Frauen finden", dabei gab es die doch kaum. Es war wirklich sehr selten, dass ich sie getroffen habe.

Du hast bei Richard Kern in New York ein Praktikum gemacht. Wie kam es dazu?
Ich habe Richard schon immer gemocht. Ich habe ihm immer wieder E-Mails geschrieben. Ich glaube, dass ich ihn wahnsinnig genervt habe, aber er sich vielleicht doch ein bisschen geschmeichelt gefühlt hat. Letztlich hatte ich ihn dann weichgeklopft, wir stehen immer noch in Kontakt. Im vergangenen Sommer, als ich in New York war, habe ich ihm bei einem Shooting geholfen.

Sein Stil unterscheidet sich sehr von meinem. Er fotografiert digital und benutzt Licht und Equipment. Ich habe nur meine Kamera. Es war aber toll zu sehen, wie er mit den Models umgegangen ist und wie er ein Shoot vorbereitet hat.

Wieso fotografierst du nur analog?
Ich mag es einfach, dass du nicht weiß, was am Ende herauskommen wird. Das kann komplett das Gegenteil sein von dem, was du erwartest. Kein Foto, was ich gemacht habe, könnte brauchbar sein und alles war umsonst. Es geht eher darum, wie die Fotos aussehen sollten. Ich habe all meine digital fotografierten Bilder immer so bearbeitet, dass sie sowieso wie analog aussehen.

Wie müssen wir uns deine Vorgehensweise beim Fotografieren vorstellen?
Ich versuche, so viel wie möglich mit den Leuten abzuhängen und sie zu einem gewissen Punkt der Sicherheit zu bringen. Wir sprechen die ganze Zeit oder die Leute telefonieren. Alles muss natürlich sein. Stell dir vor, du bist in einer Beziehung und hast gerade freizügige Fotos von deiner Freundin gemacht: Das versuche ich dann auch, weil es nicht gestellt aussehen soll.

Du hast erwähnt, dass eines der Mädchen dein Tinder-Match war. Wie hast du ihr das Projekt erklärt?
Ich war in San Francisco und ich habe Tinder benutzt, weil ich die Unterschiede zwischen Amerikanerinnen und Engländerinnen sehen wollte. Wir haben gematcht und einfach normal geredet. Dann habe ich mir ihr Instagram-Profil angesehen und entdeckt, dass sie selbst fotografiert und sogar Aktfotos macht. Ihr habe ich dann gesagt: „Ich fotografiere auch nackte Girls", woraufhin sie gesagt hat, dass sie nackt fotografiere und falls ich mal in New York sein sollte, weil sie eigentlich aus New York kam, soll ich sie fotografieren. Sie wohnte nur 15 Minuten weit weg, wo ich in Brooklyn übernachtet habe.

Toll ist, dass du die Namen der Models auf deiner Seite veröffentlichst. Das sorgt für eine Narrative.
Jedes Mädchen wird gefragt, ob sie ihren richtigen Namen verwenden möchte. Viele haben damit kein Problem. Es sind sowieso nur die Vornamen, man kann sie nicht suchen. Das sorgt für Intimität, das mag ich.

Wieso hast du das Zine Peaches genannt?
Ich habe ich ein Gedicht oder Song mit einer Textzeile entdeckt, die ich sehr gemocht habe. Außerdem erinnern mich Hintern an Pfirsiche, also dachte ich mir einfach, dass wir es Peaches nennen. Das Pfirsich-Emoji ist sogar auf der Rückseite des Buches.

fiayaqub.com

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Credits


Text: Alice Newell-Hanson
Alle Fotos: Fia Yaqub

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