diiv: zachary cole smith über sky ferreira, saint laurent und das neue album „is the is are“

Vor drei Jahren haben DIIV mit „Oshin“ einen neuen Sound kreiert. Jetzt melden sich die Amerikaner mit einem neuen Album zurück.

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Okt. 21 2015, 7:52am

Ich kann nicht unvoreingenommen über DIIV schreiben. Seit der Veröffentlichung von Oshin 2012 habe ich jeden Tag nichts anderes gehört. Mehr als einmal bin ich dem Frontmann Zachary Cole Smith auf der Straße über den Weg gelaufen, wir wohnen im selben Viertel in Brooklyn. Hier hat Smith den DIIV-Sound verfeinert, oft gab er an einem Abend zwei Konzerte in den mittlerweile dichtgemachten Lagerhallen, die in Williamsburg am Ufer standen.

Obwohl dieselben 15 Songs der Soundtrack meiner letzten drei Jahre waren, schrieb Smith stetig mehr - hunderte sogar. 18 davon werden auf dem Nachfolgealbum Is the Is Are erscheinen, nach gestrichenen Aufnahmesessions und Drogenproblemen wird es nun endlich in den nächsten Wochen veröffentlicht. „Der Entstehungsprozess dieses Albums war ein langer Prozess, weil ich ständig am Schreiben war, nonstop", erzählt mir Zachary Cole Smith im Gespräch.

Von diesen 18 Songs wurde bisher erst einer veröffentlicht, „Dopamine". Nach dem ersten Anhören könnte er auch gut auf Oshin passen: ein Tanz zwischen aufgedrehten Dream-Pop-Basslinien, die in wahrlich wunderbare Gitarrensounds übergehen. Zachary weiß, dass die Melodien die Stärke von DIIV sind: „Ich weiß nicht wirklich, wie man Songs mit Akkorden schreibt. Für mich ging es immer um Experimente, um ein Spiel zwischen zwei Gitarren - verschiedene Melodien, die übereinander gelegt werden, um herauszufinden, wie sie miteinander harmonieren", sagt er. „Das ist der Erfolg von jedem DIIV-Song."

Weil Oshin von starken Sounds geprägt war, gingen die Texte oft unter. Beim neuen Album soll das anders sein. „Viele der Reaktionen auf „Dopamine" schlugen in die gleiche Kerbe ‚Das ist ein so sonniger, nachhallender Beach-Song'. Meine Antwort war ‚Nein, nicht wirklich. Er ist überhaupt nicht fröhlich oder sonnig'", erklärt er. „Der Song soll einen manischen Zustand beschreiben." All die Fröhlichkeit löst sich mit Songzeilen wie I'm fixing now to mix the white with the brown, and heartbreakingly I got so high I finally felt like myself auf.

„Die Medien haben viel über meinen Hintergrund- der Mythos oder die Geschichten, die sich um die Band drehen - berichtet", sagt Smith - und das stimmt. Mit einer mutiger Offenheit hat er über seine Heroinabhängigkeit gesprochen, die zu seiner Festnahme zusammen mit seiner Freundin Sky Ferreira führte, nachdem die Polizei seinen nicht registrierten Pickup-Truck auf dem Weg zum Auftritt der Band beim Basilica Soundscape 2013 durchsuchte. Mittlerweile ist er clean. Letztes Jahr wurde DIIV wieder durch den Dreck gezogen, als sexistische Kommentare des Bassisten Devin Ruben Perez auf 4Chan auftauchten.

„Die Platte handelt von diesen Ereignissen, aber ich bin kein Geschichtenerzähler. Ich kann nur für mich und über meine eigenen Erfahrungen schreiben", sagt Smith. „Ich wollte nichts beschönigen, es ist eher ein abschreckendes Beispiel. Ich möchte den Leuten erklären, woher ich komme und was passiert ist. Es geht darum, gehört zu werden. Die Texte auf diesem Album sind mir sehr wichtig."

Nicht nur ihm sind die Texte wichtig, sondern auch seiner Freundin. „Sky hört Musik ganz anders als ich", sagt er. „Sie achtet auf die Texte, das hat den Lyrics auf dem Album nochmal eine zusätzliche Bedeutung verliehen." Zachary verrät mir auch, dass es Sky Ferreira war, die ihm eine derjenigen Personen vorstellte, die er am meisten für ihre Kreativität respektiert: Hedi Slimane.

„Ich hatte Sky gerade erst kennengelernt und ich wollte mehr darüber erfahren, was sie tat; wie ihr Leben als Model ist", sagt Smith und spricht über die Zeit, als Hedi Slimane Sky Ferreira zu einem der ersten „Saint Laurent"-Gesichter machte. Der Designer hat seitdem mehrere Porträts vom Paar für das Modehaus fotografiert, einschließlich der Bilder für die Herbst-/Winter-13-Kampagne zusammen mit Cara Delevingne. „Hedi hat mich schon immer inspiriert. Er war der Erste, der wieder eine direkte Verbindung zwischen Mode und Rock 'n' Roll schuf. Er hat aus etwas so altem etwas neues gemacht", schwärmt der Sänger. „Er arbeitet mit Leuten, die er schon eine Weile kennt und das zeugt von seiner Loyalität - eine Hingabe zur Kunst. Ich habe großen Respekt vor dem, was er macht, wie hart er arbeitet und wie inspirierend er ist."

So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein weiterer, treuer Saint-Laurent-Anhänger - das aktuelle Kampagnengesicht Julia Cumming - als Teil des Pysch-Rock-Trios Sunflower Bean als Opening-Act bei der DIIV-Tour auftritt. „Die Band ist offensichtlich in vielen Aspekten anders als wir, aber genauso wie DIIV vor ein paar Jahren New York im Sturm erobert hat, tun sie dasselbe", sagt er über den vollen Konzertkalender. Letztes Jahr spielten DIIV im Rahmen des CMJ-Festivals drei Gigs am selben Tag. „Das ist eine bewährte Strategie, um die Leute für deine Musik zu begeistern und als Band verbessert man sich durch Live-Auftritt ungemein. Je mehr man spielt, desto besser wird man."

Letzten Sommer experimentierte DIIV schon im Zuge einer kleineren Club-Tour mit neuem Material und diesen August starteten sie ihre Konzertreihe in Nordamerika, die Anfang November in New Yorks Webster Hall zu Ende geht. Bereits im März präsentierte Zachary Smith seinem New Yorker Heimatpublikum Is The Is Are - bei einem Konzert, das trotz seines Beginns um 2 Uhr nachts an einem winterlichen Tag ausverkauft war. „Für mich ist ‚Dopamine' das Persönlichste, was wir jemals veröffentlicht haben, aber das Album ist abwechslungsreich. Ich bin wirklich gespannt darauf, wie die Leute auf die düsteren Untertöne reagieren werden, einige sind schwerer verdaulich und einiges ist eingängiger. Ich wollte mit diesem Album die Band frisch halten und die Sounds mischen", sagt er mir abschließend. „Ich könnte nicht zufriedener mit dem Ergebnis sein".

@diiv

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Credits


Text: Emily Manning
Fotos: Zachary Chick