Sam Hiscox

Mit sinnlichen Fotografien raus aus der Einöde

"Nach etwas Negativem entwickelt sich immer etwas Gutes, also muss jetzt auch mal wieder etwas Positives passieren."

von i-D Staff; Fotos von Sam Hiscox
|
Jan. 5 2017, 9:30am

Sam Hiscox

Neues Jahr, frische Talente. Die neue Generation fängt die Welt um sich herum nicht einfach nur ein, sondern interpretiert sie durch ihre eigenen Erfahrungen ganz neu. Jeder Fotograf erzählt durch seine eigenen Bilder auf einzigartige Art und Weise seine eigene Geschichte. Heute: der 32-jährige Fotograf Sam Hiscox aus England.


Auch auf i-D: Beyond Beauty mit Uglyworldwide


Erzähle uns mehr über dich und wo du herkommst.
Ich bin in einem kleinen Dorf in Somerset aufgewachsen. Als meine Freunde Anfang 20 weggezogen sind, habe ich Panik bekommen und bin auch weggegangen. Wir haben unsere prägenden Jahre da mit viel Liebe, Tragödien und der Polizei vor der Haustür verbracht.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Meine Eltern haben mir mal gesagt, dass ich schon sehr früh fotografiert und Videos aufgenommen habe. Ich habe immer noch die Bilder, die ich mit sechs Jahren gemacht habe. Meine Eltern haben damals eine Videokamera gekauft, um unsere Familienurlaube festzuhalten. Die Kamera haben sie nie wiedergesehen.

Was findest du so toll am Fotografieren?
Ich dokumentiere einfach gerne die Menschen und die Orte, die um mich herum sind. Das mache ich instinktiv. Und dafür ist Fotografie das greifbarste und zugänglichste Medium, um so persönlich zu werden. Ich sehe meinen Fotografien als Tagebuch und ich fotografiere, um die Schönheit im Alltäglichen mit den Menschen festzuhalten, mit denen ich Zeit verbringen darf. Für mich ist das Leben eine surrealistische Erfahrung, die natürlich variieren kann, und je sichtbarer das ist, desto mehr möchte ich diesen Moment dokumentieren.

Wie und wo hast du dein Handwerk gelernt?
Mit 16 habe ich meine erste Chance genutzt und mehr über Fotografie gelernt. Ich wollte wissen, wie eine Kamera funktioniert, und Bestätigung dafür erhalten, dass ich alles, was mir gefällt, auch fotografieren kann. Meine praktische Ausbildung war nicht sehr intensiv. Seitdem war es immer eine sehr organische Entwicklung, um das Niveau von Fotografie zu erreichen, das ich heute habe.

Um sich eine Karriere als Fotograf aufzubauen: Braucht man dafür deiner Meinung nach einen Abschluss?
Nein, überhaupt nicht. Wenn du motiviert genug bist, dich selbst und deine Ziele kennst, dann sollte man es meiner Meinung nach einfach versuchen.

Wer oder was inspiriert dich?
Mich inspirieren die Menschen in meiner Umgebung, die Höhen, die Tiefen, die Liebe, die Beziehungen und natürlich auch meine Lebenserfahrung.

Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Ehrlich.

Was ist dein bisheriges Karriere-Highlight?
Dass ich Fotos von meinen Freunden und meiner Familie machen konnte und im Laufe der Zeit habe ich auch ein paar Weirdos getroffen.

Wo würdest du am liebsten auf der Welt fotografieren?
In meiner Heimatstadt.

Wo gehst du hin, um dich inspirieren zu lassen?
Meine besten Ideen hatte ich bisher unter der Dusche.

Mit wem würdest du am liebsten zusammenarbeiten?
Ich möchte Macaulay Culkin fotografieren, seitdem er diese Pizza-Band hat.

Wofür stehst du?
Gleichheit, Vielfalt, Solidarität, Rechte und Respekt.

Woran arbeitest du im Moment?
An Büchern! Ich habe ein paar Bilder, die ich gerade druckfertig mache. Ich habe auch das Grundgerüst des Drehbuchs für einen Spielfilm soweit fertig, der sich gerade in der Entwicklungsphase befindet.

Worauf freust du dich dieses Jahr am meisten?
Ich bin gespannt darauf, welchen Weg dieser Planet einschlagen wird. Es ist doch pure Ironie, dass wir heute, in einer Zeit, in der die Menschheit noch nie so sehr miteinander verbunden war, als Weltgemeinschaft gespaltener denn je sind. Nach dem Negativen entwickelt sich immer etwas Gutes, also muss jetzt auch mal wieder etwas Positives passieren.

Was sind deine Hoffnungen und Träume für die Zukunft?
Ich hoffe, dass ich noch erleben darf, dass wir in einem Zeitalter ankommen, in dem wir uns trotz all unserer Unterschiede als eins sehen.

@sam_hiscox