verspielte nacktheit und mode mit der zine-macherin claire milbrath

Nonnen und Hari Nef: Wir feiern die 13. Ausgabe des einzigartigen Fanzine „Editorial Magazine“.

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21 Mai 2015, 8:15am

Danny Fox

Die kanadische Künstlerin Claire Milbrath war von den großen Mainstream-Publikationen und vom fehlenden mediale Raum, um die blühende Kunstszene von Montreal vorzustellen, frustriert. Also entschied sie sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. So wurde Editorial Magazine geboren.

Selbst gemacht, ehrlich und authentisch, Editorial hat es geschafft, sich den Ruf als eines der interessantesten Zines weltweit erarbeitet. Angefangen mit seinen unverfälschten Fashion-Features oberkörperfreier Frauen und Stammes-Subkulturen bis hin zu seinen Fotos von stillenden Nonnen, das Magazin kennt keine Grenzen. Beeinflusst von einer naiven, künstlerischen Haltung, ist es Ausdruck der Kreativität von Claire und ihren Freunden. Erotik - oft in Form von Claires eigenen pornografischen Illustrationen - spielt für die Gesamtästhetik eine wichtige Rolle, gemischt mit einer Portion Rebellion, was bei Indie-Publikationen leicht vorkommen kann; etwas, das i-D nur zu gut kennt. Zur Veröffentlichung der 13. Ausgabe trafen wir Claire und sprachen mit ihr über unerlaubte Bilder, Modezensur und die lächerlichen Voraussetzungen, um es in der Kunstwelt zu schaffen.

Selbstporträt von Hari Nef

Erzähle uns mehr über dich und wo du aufgewachsen bist.
Ich bin in der Kleinstadt Victoria an der kanadischen Westküste aufgewachsen. Jetzt lebe ich in Montreal und leite das Editorial [Magazine] aus meiner Wohnung.

Wann hast du dich das erste Mal für Kunst interessiert?
Schon seit meiner Kindheit. Ich habe bei den meisten Teamaktivitäten nicht mitgemacht, also waren die Kunstkurse eine gute Alternative.

Was inspiriert dich?
Ich liebe es, andere Leute kennenzulernen, ihre Entwicklung, ihre Geschichten. Mich interessiert Naive Kunst, aber wahrscheinlich nur, weil ich ihre Grenzen durch meine eigene Arbeit teste.

Ben Mendelewicz

Was sind deine Grundanliegen als Künstlerin?
Produktiv sein.

Was ist die Geschichte hinter Editorial Magazine?
Ich habe mit dem Magazin im letzten Jahr auf der Uni angefangen. Ich war einfach so frustriert, weil so viel in der Kunstszene in Montreal passierte und es keinen Ort dafür gab. Vielleicht lag es auch zum Teil daran, dass ich Geschichte studiert habe und mich persönlich von der Kunstszene ausgeschlossen fühlte. Die einzigen Publikationen, denen ich meine Arbeiten schicken konnte, waren unerreichbare Einrichtungen. Ich habe Editorial hauptsächlich gründet, um meine eigenen Arbeiten und die meiner Freunde zu zeigen.

Hat es eine unterschwellige Botschaft?
Ich denke nicht, einfach unangestrengte Kunst und Mode ohne Tabus!

Raquel Nave

Was ist das Konzept hinter der aktuellen Ausgabe?
Es gab kein Konzept. Ich nehme an, dass die Ausgabe Spaß machen sollte, weil der Winter endlich vorbei ist.

Nacktheit und Bilder, die vielleicht etwas anstößig sind, sind ein großer Bestandteil des Magazines. Sollen diese einfach schockieren oder sind sie Teil der visuellen DNA der Publikation?
Ja, das stimmt. Obwohl ich denke, dass das eher unbewusst passiert. Meine eigenen Arbeiten grenzen oft an Pornografie und vielleicht interessiert mich das an Arbeiten anderer. Ich mag Crass-Art, besonders wenn sie von Frauen kuratiert wird. Mode sollte nicht zensiert werden, durch die Nacktheit wird sie verspielter. Mode ist meistens zu ernst.

Was unterscheidet das Magazin von anderen?
Ich glaube wirklich, dass unsere Naivität, was das Business angeht, und unser fehlender finanzieller Hintergrund uns erlauben, freier als andere Publikationen zu sein. Wir haben keine Verbindung zu einer Marke oder zu einem Unternehmen, der Inhalt und der Prozess ist so komplett natürlich. Ich glaube, dass unsere Cover das widerspiegeln. Mehr als die Hälfte unser Coverkünstler wurden zuvor noch nie veröffentlicht oder waren unbekannt. Es ist wichtig, die lächerlichen Voraussetzungen, um es in der Kunstwelt zu etwas zu bringen, zu ignorieren.

Claire Milbrath

Wie wichtig ist es dir persönlich, neue Ausdrucksformen zu fördern?
Ausdrucksformen sollten auf natürliche Weise entstehen, aber ich freue mich, ihnen einen Raum zu geben.

Woran arbeitest du im Moment?
Ich habe gerade den Vertrieb der neuen Ausgabe abgeschlossen, jetzt habe ich Zeit zum Malen. Ich möchte die Bilder dann in einem großen Bilderbuch veröffentlichen. Wir veröffentlichen auch bald unsere erste Editorial-Kassette mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen unserer musikalischen Freunde, die wir in der Vergangenheit im Magazin hatten. Ich freue mich auf die Zukunft :)

the-editorialmagazine.com

Hier findest du unsere Berichterstattung zur lebendigen Musikszene in Montreal. 

Credits


Text: Tish Weinstock
Fotos: Courtesy of the artists and Editorial Magazine