diese vintage-anzeigen werfen dich zurück in die 90er

Wir haben die Sammlerin hinter @adarchives getroffen. Auf ihrem Instagram-Account lebt die Magazinwelt der 90er wieder auf.

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25 Mai 2016, 2:55pm

from the face, august 1992

Unter dem Account @adarchives postet die in Nigeria geborene und in London lebende Grafikdesigner Halima Olalemi alte Anzeigen und das Internet ist hin und weg. Die Anzeigen sind in den 90ern in i-D, Sleazenation und The Face erschienen. Sie selbst bezeichnet sich als Messie. Wir finden aber, dass sie der Welt wunderschöne Relikte aus der Vergangenheit zugänglich macht. Begonnen hat es als persönliches Projekt, wurde aber schon wenig später ein gemeinschaftliches Kunstprojekt in Zusammenarbeit mit dem Superimpose Studio aus London, die ihr bei der Kuratierung unter die Arme gegriffen haben. Mittlerweile verfügt die Kollektion von Halima über eine ansehnliche Größe und sie sucht Mittel und Wege, um das Projekt weiterzuführen. Ob es sich dabei um Buchform oder eine Onlinegalerie handelt, ist dabei noch völlig offen. Wir haben die Grafikdesignerin getroffen und mit ihr über Zeitschriften, Anzeigen und die Bedeutung der Vergangenheit gesprochen.

Aus The Face, Januar 1990

Erzähle uns mehr über Ad Archives.
Es fing an damit, dass ich Anzeigen aus meiner privaten Zeitschriftensammlung, die ich auf einer externen Festplatte hatte, gepostet habe. Anfänglich habe ich das gemacht , damit meine Freunde sie sehen konnten. Dann habe ich aber begriffen, was für einen visuellen Wert sie besitzen und habe mehr aus anderen Zeitschriften gesammelt. Seit ich mit dem Superimpose Studio zusammenarbeit, hat sich der Fokus verschoben. Toby und Ollie wollten mit ihrer Kollektion aus The Face-Ausgaben zeigen, was sie als Studio interessiert.

Woher kommt dein Interesse an alten Anzeigen?
Ich habe noch am London College of Communication studiert. Wir hatten ein Modul, in dem es um Typologie und Werbung ging. Ich habe die Typografie und das Layout alter Werbetafeln geliebt. Und so habe ich damit angefangen, diese Art von Werbung zu sammeln. 

Aus  The Face, Juli 1993

Was findest du so spannend daran, alte Anzeigen wieder auszugraben?
Das ist wie ein Zeitreise. Ich möchte dann mehr darüber erfahren: Wer hat das Foto gemacht, wie kam die Anzeige an, als sie erschien, war sie Teil einer Serie? Ich mag die Anzeigen, die eine Geschichte haben, sie bringen eine Kampagne auf den Punkt.

Wo findest du diese Anzeigen?
Anfangs in meiner privaten Zeitschriftensammlung (Sleazenation, The Face, i-D). Ich bin ein kleiner Messie und habe sie über Jahre hinweg aufgehoben. Der Archivaspekt kam dann mit dem Superimpose Studio ins Spiel. Ich wollte durch die Auswahl der Anzeigen ihre Interessen und Inspirationen als Studio auf Instagram präsentieren. Ad Archives soll nostalgisch sein, aber auch als visuelle Bibliothek dienen können.

Wie ist deine Meinung zu der heutigen Werbeindustrie?
Das hängt davon ab, welche Art Konsument du bist. Werbung funktioniert heute doch so: Entweder du glaubst daran oder du siehst sie als Marketinginstrument. Als Grafikdesignerin finde ich Werbung spannend, wenn sie kreative Grenzen austestet. Das hat mich damals wahrscheinlich ursprünglich interessiert. Ich hätte nie erwartet, so starke visuelle Konzepte zu finden. Sie haben mich so viel mehr angesprochen als die Werbung heutzutage.. 

Aus The Face, Februar 1993

Hat Social Media für ein regelrechtes Nostalgiebedürfnis gesorgt?
Es gab schon immer ein Bedürfnis nach Nostalgie, ob nun durch Bebo, Piczo oder Myspace. Instagram hat es dann einfacher gemacht, ein Moodboard mit Bilder aus einer bestimmten Zeit zusammenzustellen und trotzdem zeitgemäß zu sein. Ich glaube nicht, dass dieses Bedürfnis durch Social Media entstanden ist, sondern eher eine Plattform dafür bietet.

Wenn du nicht alte Anzeigen sammeln würdest, was würdest du sonst sammeln?
Ich bin leidenschaftliche Sammlerin, ich sammle viel. Meine Sammlung umfasst Zugtickets, Poster, Setlisten und meine Lieblinge: alte Ausgabe von Exotique Magazine (ein altes Fetischmagazin).

Was kommt als Nächstes?
Ich hoffe, dass ich Geld vom Arts Council bekomme, um mir einen hochauflösenden Scanner kaufen zu können (momentan scanne ich in der Peckham Bibliothek). Außerdem will ich mich mehr mit dem Urheberrecht auseinandersetzen, damit ich weiß, wie weit ich mit diesem Projekt gehen kann. Ich würde daraus gerne ein Buch oder eine Onlinegalerie machen. Ich spreche auch mit Leuten, die die Anzeigen gestaltet haben. Das Projekt verfügt über großes Wachstumspotenzial. 

Aus The Face, Juni 1992

Aus The Face, August 1993

The Face - August 1992

Aus The Face, August 1993

Aus The Face, Juli 1990

Aus Sleazenation, 1997

Credits


Text: Tish Weinstock