dieser fotograf mixt louis vuitton mit traditionellen afrikanischen gewändern

Für seine Ausstellung im Pariser Kult-Store Colette hat Fotograf Hassan Hajjaj Modefotografie und afrikanische Kultur miteinander vermischt.

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26 Juli 2016, 8:30am

In seinen Fotos vereint Fotograf Hassan Hajjaj  Modefotografie mit Porträtfotografie und afrikanischer Symbolik. Hajjaj ist in Marokko geboren, lebt aber mittlerweile in London und Marrakesch. Diese Einflüsse—Okzident und Orient—fließen in seiner Ästhetik zusammen. Seine Models sind seine kreativen Freunde und Familie. Für seine neueste Fotoreihe hat er sie alle an einem Tag versammelt und mit Essen und Musik animiert, an dem Projekt mitzuarbeiten. „Es hatte etwas von einer Party", erzählt er uns. Für die Looks bediente er sich in seinem Kleiderschrank, kombinierte die Designerkleidung mit eigenen Entwürfen und ergänzte sie um knallige Socken, Hüte, Sonnenbrillen und weitere Accessoires vom Flohmarkt. Mindestens genauso viel Augenmerk wie auf das eigentliche Foto legt Hassan auf den Bildrahmen. Dieser sorgt für eine Dreidimensionalität und tiefere Struktur der Fotos. Die Rahmen bestehen aus gewebten Plastikmatten, leeren Dosen und alten Reifen.

Für seine erste Ausstellung im Pariser Kult-Store Colette hat Hajjaj außerdem Keramikbecher, knallige Reebok-Sneaker (erhältlich ab September) und Wendejacken aus Seide mit Bildern von afrikanischen Musikern hergestellt. Hajjaj fühlt sich heute in Frankreich willkommener als in der Vergangenheit: „Die Beziehung zwischen Marokkanern und Franzosen ist wie die von Tom und Jerry", erklärt er uns die Beziehung zwischen dem ehemaligen französischen Einflussgebiet und dem Mutterland. Wir haben mit dem Fotografen über den Mix aus aktueller Mode und traditionellen Gewändern, das Leben in zwei Kulturen und die Philosophie hinter seiner Fotografie gesprochen.

Du fotografierst, du entwirfst Mode und du stellst Keramik her. Was kam zuerst?
Wie das Huhn oder das Ei? Was zuerst da war? Ich habe keinen künstlerischen Hintergrund. Zum Glück hatte ich Fotografen und Musiker als Freunde. Fotografie war nur ein Hobby. In den 80ern fing ich aus Spaß mit dem Fotografieren an und hatte in Convent Garden meine eigene kleine Boutique. Ich habe DJs und Bands eingeladen und den Laden entsprechend dekoriert. Damals habe ich als Stylist für Musikvideos gearbeitet. Das hat alles meine Fotografie beeinflusst.

Meine Boutique und das Modelabel R.A.P. hatte ich seit 1984. Ich bin kein technischer Designer. Ich sehe einen Stoff, mache einen Entwurf und lasse es nähen. So habe ich das für meinen Shop gemacht. Zusammen mit meinem Freund Amine Bendriouich—ein Modedesigner und ein wahrer Geheimtipp—habe ich eine Edition aus zwölf Bomberjacken aus afrikanischen Stoffen für Colette entworfen. Wir waren auch auf der Modewoche in Tunesien zu sehen. Ein Freund von mir hat dann den Kontakt zu Reebok hergestellt, die Kollektion wird es ab Herbst zu kaufen geben. 

Du lebst in London und Marrakesch. Wie schaffst du das? Welchen Einfluss hat der Style der jeweiligen Stadt auf dich?
Ich wurde in Marokko geboren und habe das Land mit 13 verlassen. Seit meine Tochter 1993 geboren wurde, verbringe ich sechs Monate dort und sechs Monate in London. Ich sitze zwischen den Stühlen: In London gelte ich als nicht englisch und in Marrakesch gelte ich als Marokkaner, der im Ausland lebt. Ich musste meinen Platz erst finden.

In Marokko ist die Kleidung traditionell. In London ist sie international. Wenn ich in Marokko fotografiere, arbeite ich mit traditionellen Sachen, lasse es aber hip aussehen. Das geschieht durch die Person, die sich vor meiner Linse bewegt. Wenn man einen Mann in einem Gewand sieht, ist es für jemanden aus dem Westen ein Kleid. Aber wir sehen das nicht als Kleid. Wie geht man damit um? Ich gehe mit einem westlichen Auge an die afrikanische Tradition heran. Ich bewege mich zwischen den Kulturen und versuche, anderen einen Eindruck meiner Kultur zu vermitteln. Deshalb kombiniere ich Louis Vuitton und traditionelle Gewänder. Weil ich es so einfacher finde, mit den Leuten aus dem Westen zu kommunizieren. Eine Marke bietet Sicherheit, sie ist keine Bedrohung. Sie ist weder muslimisch noch arabisch: Es ist einfach Mode. 

Hast du das Gefühl, dass du mit einer bekannten Marke arbeiten musstest, damit die Leute den traditionellen Gegenpart annehmen?
Nein, überhaupt nicht. Das ist einfach so passiert. Ich bin aber froh, dass es so gekommen ist, weil wir nun mal einer Markenwelt leben. Marken sind allgegenwärtig und das spiegelt das einfach nur wider. Jede Kultur hat ihren Stil und ihre Tradition. Die Leute sehen das nicht. Sie sehen nur afrikanischen Stoff. Wenn man genauer hinschaut, entdeckt man aber viel mehr. Das ist alles sehr Couture. Die Leute kaufen den Stoff, gehen mit dem Stoff zu einem Kleidermacher und lassen sich die Gewänder schneidern. Mehr Couture geht kaum. Meine Freunde in London kommen aus der ganzen Welt. Ich habe sie gefragt: Habt ihr etwas Traditionelles in euren Schränken? Jeder hat ja gesagt. Ob es nun für eine Hochzeit war oder ihre Mutter es ihnen geschenkt hat. Also habe ich meine Freunde gefragt, ob sie damit vor der Kamera für mich posieren würden. Beim Sari geht es um die Art und Weise, wie er getragen wird, wie viel Haut man also zeigen möchte. Ich möchte, dass die junge Generation ihre Wurzeln nicht vergisst. Das möchte ich gerne als Trend sehen.

Welche Fotografen haben dich beeinflusst?
Ich habe Fotografie nicht studiert, aber ich habe mich immer durch Zeitschriften und Bücher informiert. Malick Sidibé und David LaChapelle haben Mode immer auf andere Art und Weise dargestellt. Daneben gibt es Nick Knight, Richard Gordon und William Klein. Ich liebe seinen Broadway-Film.

Fotografierst du immer Porträts?
Meistens, ja. Ich nutze Fotografie, um mich selbst auszudrücken. Wenn du mir sagen würdest, dass ich Schmuck fotografieren soll, dann fragst du die falsche Person. Ich verspreche mit meiner Fotografie nichts. Bei einem Auftrag darf man keine Fehler machen. Ich kann mir aber Fehler erlauben. Wenn es meins ist, dann muss ich nicht zehn Seiten Material abliefern. Ich kann vielleicht auch nur vier Seiten machen, weil ich dann schon mit den Ergebnissen zufrieden bin. So einfach ist das. Für mich geht es beim Fotografieren um die Verbindung zwischen mir und den Menschen, die ich porträtiere. Das macht für mich den Unterschied. Ich versuche, statt der Schönheit das Wesen einer Person einzufangen.

Noch bis zum 27. August kannst du dir die Ausstellung Stylin' by Hassan Hajjaj  im Pariser Kult-Store Colette anschauen. Hier gibt's mehr Informationen.

Credits


Text: Sarah Moroz
Fotos: Hassan Hajjaj