Fotos: Davit Giorgadze

GmbH beamt dich in eine andere, bessere Welt

Utopie oder Untergang: Das Berliner Modekollektiv schickt uns mit 'Rare Earth' auf einen neuen Planeten.

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13 März 2019, 3:35pm

Fotos: Davit Giorgadze

"Da ist diese Melancholie, die daraus resultiert, dass uns immer gesagt wird, wir seien an einem Punkt angelangt, an dem es kein Zurück mehr gibt", sagt Benjamin Alexander Huseby, ein Teil des in Berlin ansässigen Modekollektivs GmbH, Backstage nach der Autumn/Winter Show 19. "Unser Ausgangspunkt war die Vorstellung einer neuen Welt, in die wir flüchten können. Eine neue Zivilisation mit GmbH als Gesellschaft", fügt Designpartner Serhat Isik hinzu. "Den Planeten zu verlassen, ist die ultimative Migration, richtig?"

Die Catwalk-Präsentation mit dem Titel Rare Earth wurde in einem der berüchtigsten Clubs in Paris, dem Peripat, gefeiert. Dabei konnte niemand der Endzeitstimmung entkommen.

Backstage at GmBH

Als wir mit dem Duo 2017 nach ihrer LVMH-Nominierung gesprochen haben, mussten sie zugeben, dass "sie keinen genauen Plan haben, wie sich das Projekt entfalten würde". Nur ein Jahr zuvor gründeten sie das Label, das Elemente der Underground Clubkultur mit interkulturellen Referenzen vermischt und mittlerweile zu einem Kollektiv gewachsen ist. "Wir sind wirklich bewegt, den Cast zu sehen, von dem viele Freunde und Familie geworden sind", erklären die beiden. "Nicht nur wegen seiner Schönheit, sondern auch, weil wir es geschafft habe, eine Art Community zu erschaffen." Heute haben die beiden einen Plan. Heute ist GmbH mehr als nur ein Modelabel. Es ist eine Familie. Ein Safe Space. Eine Plattform, die positive Veränderung hervorrufen will.

Backstage at GmBH

"Diese Saison begann mit einer Art Optimismus, der sich in Unglaube, Angst und Wut verwandelte", erklärten die Designer. "Mit Rare Earth existiert diese tiefgehende Melancholie und ein Gefühl von Verlust, aufgrund des Schadens, den wir unserem Planeten zugefügt haben und nicht mehr rückgängig machen können." Der Klimawandel scheint komplex, aber es gibt einen einfachen und verstörenden Fakt: Wir haben nur noch 12 Jahre, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu verringern. Alles darüber wird zu einer Gefahr für unsere Zivilisation und die gesamte Welt. Die Krise ist angekommen – und sie hat eine Deadline.

Backstage at GmBH

Als Reaktion auf das Nichtstun haben Huseby und Isik ihre Community auf einen anderen Planeten geschickt. "Uns wird gesagt, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem es kein Zurück mehr gibt. Bedeutet das im Umkehrschluss das Ende der Menschheit oder Erde? Der Klimawandel führt bereits zur Massenmigration – und es ist sehr wahrscheinlich, dass wir zu Lebzeiten noch ein ökologisches Desaster miterleben werden. Aber es bedeutet nicht, dass Veränderung nicht durch Aktivismus, Politik und wissenschaftliche Neuerungen stattfinden könne." Das beweist auch die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die den Rest der Welt dazu auffordert, zu handeln. Es gibt Hoffnung.

Backstage at GmBH

Uns allen läuft die Zukunft davon. "Wenn Leute nur eine Sache aus dieser Saison mitnehmen sollen, dann, dass es Wege gibt, wie wir unsere eigene Geschichte und Zukunft gestalten können. Wir sollten das Narrativ, das uns gegeben wird, nicht einfach so akzeptieren. Wir können uns neue utopische Welten und Lebenswege ausdenken. Ursula Le Guin prägte den Begriff 'Worldling', der dafür steht, neue Welten zu erschaffen. Von Sun Ra und dem Afrofuturismus inspiriert, haben wir uns eine Art Brown Futurism ausgedacht, der uns die volle Kontrolle über unsere eigene Geschichte gibt."

@gmbh_official

Backstage at GmBH
Backstage at GmBH
Backstage at GmBH