'BODY' ist eine Hommage an die wunderschöne Merkwürdigkeit des eigenen Körpers

Das erwartet dich bei der ersten Einzelausstellung der schwedischen Fotografin Lina Scheynius in Berlin.

von Juule Kay
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21 Februar 2019, 9:47am

Ein blutverschmiertes Kondom, ein zerwühltes Bett und viel nackte Haut. Aber nicht die Art von nackter Haut, die du im ersten Moment vielleicht vermutest. Lina Scheynius zeigt den Körper in seiner reinsten Form: faltig, mit Dehnungsstreifen und Pickeln. So wie er nunmal ist, seltsam und doch wunderschön. Die schwedische Fotografin schafft es mit ungewöhnlichen Blickwinkeln, Bildausschnitten und alltäglichen Begebenheiten, den menschlichen Körper im Zeitalter von Facetune-Apps in ein ehrliches, verletzliches Licht zu rücken.


Auch auf i-D: Lina Scheynius rückt nicht nur den Körper in ein neues Licht ...


Auch wenn ihre Fotos gerne mit dem Wort 'intim' in Verbindung gebracht werden, weiß Scheynius bis heute nicht so recht, was sie damit anfangen soll. "Viele Leute wenden dieses Wort auf meine Arbeiten an, aber ich weiß eigentlich immer noch nicht, was es eigentlich bedeutet", sagt die mittlerweile in London lebende Fotografin. "Ich habe dieses Wort bis jetzt in keiner Situation verwendet."

Bekannt wurde Scheynius 2012 durch ihre Kolumne im ZEIT Magazin, nun kommt sie mit ihrer ersten Einzelausstellung BODY zurück nach Deutschland. Um genauer zu sein nach Berlin. Welche Gefühle sie mit der Hauptstadt verbindet, wie es um ihren eigenen Körper steht und was sie gerne ihrem Teenage-Ich sagen möchte, hat sie uns im Interview erzählt.

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Foto: Lina Scheynius, Courtesy Galerie Tanja Wagner

Deine neue Ausstellung trägt den Titel BODY. Was hast du in den letzten Jahren über deinen eigenen Körper gelernt?
So viel. Ich habe vor vier Jahren mit dem Meditieren angefangen, nach einer Zeit voller Angstzustände. Es war eine langsame Reise, aber ich kenne meinen Körper jetzt so viel besser. Jeden Morgen nehme ich mir 15 Minuten dafür Zeit und fühle, wie sich meine Gefühle in meinem Körper deutlich erkennbar machen. Wenn ich gestresst bin und gleichzeitig voller Ideen stecke, fangen meine Augenlider zum Beispiel an zu zucken. Ich achte immer mehr darauf, was gerade mit meinem Körper passiert und weniger darauf, wie ich aussehe oder mich benehmen sollte. Die Idee hinter der Ausstellung ist auch, sich den Körper wieder zu eigen zu machen. Ihn anzuschauen, so wie er ist – ohne ihn zu verurteilen oder zu verstecken.

Was würdest du gerne den Menschen da draußen sagen, die mit ihrem Körper zu kämpfen haben?
Ich weiß nicht, inwiefern du mit ihm zu kämpfen hast, aber ich weiß, dass dein Kampf echt ist. Lass dir von niemandem das Gegenteil einreden! Und sei bitte behutsam zu dir.

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Foto: Lina Scheynius, Courtesy Galerie Tanja Wagner

Was würdest du gerne deinem Teenage-Ich sagen?
Ich liebe dich und bin stolz auf dich. Du bist wunderschön, so wie du bist. Bitte hör auf dein Bauchgefühl und dein Herz, sie bringen dich zu unglaublich schönen Orten. Und ignoriere die Leute, die versuchen, dich oder deine Welt runterzumachen.

Warum willst du Dinge zeigen, die jeder kennt, aber über die keiner so wirklich spricht?
Weil ich es nicht mag, Geheimnisse zu haben. Ich will nicht, dass diese Dinge als 'falsch' oder 'Tabu' gekennzeichnet werden. Ich mag diese Engstirnigkeit nicht, die einem sagt, was 'erlaubt' ist, zu zeigen und was nicht. Unser Leben ist so viel reicher als das.

Was macht ein Foto zu einem guten?
Eines, das eine emotionale Reaktion in mir auslöst. Eines, das bei mir bleibt, noch lange nachdem ich es mir angesehen habe. Eines, das mich innehalten, umschauen und staunen lässt.

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Foto: Lina Scheynius, Courtesy Galerie Tanja Wagner

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Letzte Nacht. Aber es ist immer möglich, neue Wege zu finden, alte Dinge zu tun. Diese Ausstellung ist auch das erste Mal, dass ich etwas so Verletzliches in einer Galerie zeige. Ich habe das zwar zuvor in Büchern und online, aber ich habe es nie so weit in einer Galerie getrieben. Es wird immer schwieriger online, weil die Plattformen immer mehr Regulierungen unterliegen. Außerdem ist es eine komplett andere Erfahrung, sich diese Bilder auf dem Bildschirm anzuschauen oder vor ihnen zu stehen.

Lina Scheynius BODY
Foto: Lina Scheynius, Courtesy Galerie Tanja Wagner

BODY ist deine erste Einzelausstellung in Berlin. Welche Verbindung hast du zu der Stadt?
Mein erstes Mal in Berlin war ein kurzer Halt auf einem Bustrip von Schweden nach Tschechien, als ich 17 war. Meine Freundin und ich sind in die völlig falsche Richtung mit der U-Bahn gefahren und weiß Gott wo gelandet. Dort haben wir dann Pizza gegessen, neben super vielen Neonschildern. Es hat sich riesig, kalt und rau angefühlt, aber auch mysteriös und nur schwer zu verstehen. Ein bisschen fühlt sich die Stadt immer noch so für mich an, auch wenn ich sie jetzt viel besser kenne und tolle Freunde hier habe. Ich bin super glücklich, eine so starke und wichtige Ausstellung für mich in Berlin zu haben – und dass diese Stadt das so willkommen heißt.

@linascheynius

"BODY" von Lina Scheynius kannst du dir ab dem 22. Februar in der Galerie Tanja Wagner in Berlin ansehen. Weitere Informationen findest du hier.