Foto: imago / Hollywood Photo Archive

6 Filme, die die Welt verbessert haben

Von Tierschutz über junge Rebellen bis hin zum Kampf für LGBT-Rechte: Diese Filmklassiker waren wegweisend.

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März 21 2018, 1:12pm

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Filme berühren uns. Sie können auch nach dem Abspann etwas bewirken und schweißen Leute zusammen, die für eine bessere Welt kämpfen. Oder sie klären über Zustände auf, von denen wir sonst keine Ahnung hätten.

Trotzdem hinterfragen wir ihre Botschaft nur selten. Während Filme von diesem Vertrauen profitieren, gibt es auch welche, die Schaden anrichten können. Diese Unmittelbarkeit wurde in der Geschichte schon öfter ausgenutzt, wie die Nazi-Propaganda-Filme aus dem Dritten Reich zeigen.


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Es gab und wird aber immer Regisseure geben, die Geschichten erzählen wollen. Ob sie uns zeigen, wie wir würdevoll mit Tieren umgehen oder uns vor Augen halten, wie grausam die Gesellschaft mit der queeren Community umgeht. Wir stellen dir Film-Klassiker vor, die unsere heutige Welt entscheidend mitgeprägt haben.

Blackfish half dabei, eine neue Generation zu Tierschützern zu machen
Nur wenige Filme hatten in den letzten zehn Jahren so einen durch Social Media unterstützten Einfluss wie Blackfish. Gabriela Cowperthwaites umstrittene Doku (2013) über Orkas in Gefangenschaft war bereits ein Hit auf den Filmfestivals, als ihn CNN zur Primetime zeigte und so über 20 Millionen amerikanische Haushalte erreichte. Die Geschichte über Tilikum, den Sea-World-Schwertwal, der drei seiner Trainer umbrachte und mehrere verletzte, erweckte das Interesse der Social-Media-Crowd.

Schockiert durch Gabrielas Darstellung, wie diese Tiere in den Parks gehalten werden, wurde Tilikums Schicksal zum Schlüsselmoment für eine ganze Generation, die Tierquälerei aus Unterhaltungs- und Profitgründen beenden will. Durch unzählige Tweets, Online-Petitionen und Facebook-Video-Shares wurde aus dem Blackfish-Stoff schnell öffentliches Wissen. Die Ticketverkäufe von Sea World sanken in dem Jahr, der Konzern beendete sein Orka-Zuchtprogramm und gab das Ende der berühmten Live-Shows bekannt. Nicht schlecht für eine kleine Independent-Dokumentation.

Ein kurzer Film über das Töten beeinflusste die Debatte um die Todesstrafe
Es ist vielleicht nicht der positivste Arthouse-Film, aber Regisseur Krzysztof Kieślowski hatte enormen Einfluss darauf, wie polnische Politiker über das Rechtskonzept "Auge um Auge, Zahn um Zahn" dachten. Der 1988 veröffentlichte Film nimmt uns mit auf eine Reise ins düstere Warschau nach dem Kalten Krieg. Ein junger und hilfloser Mann wird verhaftet und wegen des Mordes an einem Taxifahrer zum Tode verurteilt und hingerichtet. Der Filmemacher wählte eine clevere Strategie. Er stellt das Mordverlangen des Mannes neben das herzlose Vorgehen des Staates, ihn für seine Tat büßen lassen zu wollen. Indirekt fragt er den Zuschauer: Sind beide dieser Handlungen gerecht?

Der Film war auf den damaligen Filmfestspielen in Cannes ein kontroverser Erfolg und markiert das letzte Kapitel der Geschichte der Todesstrafe in Polen, die kurz nach der Veröffentlichung des Films abgeschafft wurde. Doch nicht nur im Heimatland des Regisseurs sorgte er für folgenreiche Debatten. Durch die finale Szene, die gerade genug zeigt, um im Gedächtnis zu bleiben, kam es auch bei den Vereinten Nationen zu einer Debatte über die Todesstrafe. Fiktionale Werke können auch die Gedanken derjenigen beeinflussen, die Entscheidungen treffen.

Imitation of Life brachte Kinogängern bei, dass es wichtig ist, People of Color auf der Leinwand zu repräsentieren
Im politischen Klima der 1930er war es selten, dass Hollywood – von weißen männlichen Regisseuren dominiert –, eine Geschichte über People of Color erzählt. Sie wurden lange nur als Wilde oder Statisten gecastet, als Sklaven und Diener. Sie hatten für die Geschichte eines Films keinen Wert und blieben im Hintergrund. Imitation of Life aus dem Jahr 1934 sollte das ändern. Der Spielfilm erzählt die Geschichte von zwei alleinerziehenden Müttern. Die eine, eine reiche weiße Witwe, die andere ihre treuergebene schwarze Dienerin. John M. Stahls Film über die Freundschaft zweier Frauen, die sich gegenseitig helfen, war zu jener Zeit einzigartig.

Die Figur der Deliah, gespielt von Louise Beavers, hatte ihre eigene Geschichte: der soziale Kampf der People of Color. Als der Film bei den Oscars drei Nominierungen einfuhr und Louise übergangen wurde, wussten die Leute, was das wirklich bedeutet. In einer Kampagne – 80 Jahre vor #OscarsSoWhite –, brachte es ein Journalist vom California Graphic Magazine auf den Punkt: "Die Academy hat Miss Beavers nicht nominiert, weil sie schwarz ist." Manche Dinge ändern sich anscheinend nie.

Super Size Me zwang uns alle, unsere Ernährung zu überdenken
Morgan Spurlock gehört zu der Art Filmemacher, die journalistische Sensationen vor künstlerischen Aspekten stellt. Für seine Dokumentation Super Size Me (2014) über McDonald's aß er 30 Tage lang nur Fastfood zum Frühstück, Mittag und Abend, um zu zeigen, wie schlecht das Essen ist. Die Portionen natürlich extragroß. Super Size Me ist zu gleichen Teilen Sensationsjournalismus, der bewusst Angst macht, und Aufklärungsarbeit darüber, wie uns unsere Bequemlichkeit ins Grab bringen kann. Der Dokumentarfilm hat die milliardenschwere, global agierende Fastfood-Branche für immer verändert.

Nachdem Release hat McDonald's die Extragroß-Option gestrichen. Ob das Experiment von Morgan nun realistisch ist oder nicht, spielt keine Rolle. Denn wer isst schon jeden Burger und denkt überhaupt nicht daran, Sport zu machen? Die Doku ist einer der Gründe, warum es bei McDonald's nun Salat- und Tomatentapeten gibt.

Der Teufelskreis hat für eine veränderte Wahrnehmung von Homosexuellen in England gesorgt
Angesichts der Tatsache, dass Homosexualität damals noch kriminalisiert wurde, waren Figuren aus der LGBTQ+-Community Anfang der 60er in den Medien schlicht nicht vorhanden. Der Teufelskreis half mit, das zu ändern. In einer Zeit, in der die Boulevardmedien Homosexuelle dämonisierten, erzählte der Film die Geschichte eines ungeouteten Rechtsanwalts, der seine angesehene gesellschaftliche Position riskiert, weil er für einen früheren Liebhaber um Gerechtigkeit kämpft. Dieser beging Selbstmord, als er von anderen geoutet wurde. Heute gilt der Film als einer der Schlüsselmomente, durch die Politiker ihre Bigotterie gegenüber homosexuellen Männer und Frauen ablegten.

Der Film lief im Fernsehen, als England 1967 erhitzt über den Sexual Offences Act debattierte: die Entkriminalisierung von Homosexualität. Die Quote war überwältigend, das lag auch an der Kontroverse um seine Kino-Veröffentlichung (das britische Äquivalent der FSK, die BBFC, wollte ihn verbieten). Der konservative Politiker Lord Allen schrieb einen Brief an den Hauptdarsteller Dirk Bogarde und enthüllte darin, dass viele Abgeordnete ihre ablehnende Meinung zu dem Gesetz änderten, nachdem sie den Film gesehen haben. Die Zustimmung zum Sexual Offences Act stieg von 48 auf 63 Prozent und so zur Entkriminalisierung von Homosexualität im Vereinigten Königreich. Der Teufelskreis ist ein Beweis dafür, dass fesselnde Darstellungen der Realität in Filmen sogar die gleichgültigsten Männer und Frauen verändern können.

... denn sie wissen nicht, was sie tun – und James Dean – gaben Jugendlichen eine Identität
Anfang der 50er lösten sich Schüler von den Zwängen ihrer Eltern und experimentieren. Es war der Beginn einer neuen Ära, geprägt von Zigarettenrauch und einer sexuell erwachten Jugend, die neue Begriffe wie "Teenager" hervorbrachte. Die Medien wussten Mitte des 20. Jahrhunderts nicht so recht, wie sie die Leben dieser jungen Menschen aus der Mittelschicht darstellten sollten. 1955 sollte sich das mit ... denn sie wissen nicht, was sie tun ändern. Im James-Dean-Klassiker geht es um Jugendliche, die ihren eigenen Weg gehen. Es war das erste Mal, dass diese Altersgruppe ihren eigenen Kinohelden hatte, mit dem sie sich identifizieren konnte.

Es ist ein Film über jugendliche Naivität, Liebe und Rebellion. Die Art und Weise, wie er junge Menschen dabei zeigt, wie sie sich ihren eigenen Weg durchs Leben bahnen, ähnelt erstaunlicherweise den entwurzelten Teenager von heute. James Dean wurde endgültig zum Idol und seine Darstellung des Jim Stark gilt als seine stärkste schauspielerische Leistung überhaupt. Noch bevor der Film in den Kinos anlief, verstarb James Dean bei einem tragischen Autounfall im Alter von 24. Eine ganze Generation hatte endlich ein Idol, daran konnte auch sein viel zu früher Tod nichts ändern.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.