"Let The Right One In." Screenshot von YouTube

5 feministische Horrorfilme, die die Schattenseiten des Erwachsenwerdens zeigen

Weil die Pubertät ein wahres Blutbad ist.

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04 Januar 2018, 10:33am

"Let The Right One In." Screenshot von YouTube

Allzu oft sind Horrorfilme wahre Horte des Machotums – die Bösewichte sind in der Regel durchgeknallte Männer mit Waffen ( Saw), die passiven Frauen auflauern ( Scream). Mittlerweile bringt das Genre aber zunehmend Werke hervor, die in progressiven Allegorien das Frauwerden erkunden. Der Kultfilm Ginger Snaps (2000) zum Beispiel verwendet die klassische Werwolf-Legende als Metapher für die Pubertät. Der 2007 erschienene Film Teeth zieht seine Inspiration aus Volkssagen über die Vagina dentata, um die Geschichte einer Frau zu erzählen, deren Körper sie vor Übergriffen schützt – dabei war dieser fiktive Körperzustand einst erfunden worden, um Männer von Sex mit fremden Frauen und Vergewaltigungen abzuhalten.

Mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern nähern sich diese Filme ihren Themen an und verwandeln die jungen Protagonistinnen in die Monster, als die sie die Gesellschaft allzu häufig wahrnimmt. Dabei entstehen Figuren, die – wenn auch nur durch die Kraft des Übernatürlichen – körperlich wie emotional vom Patriarchat befreit sind. Hier sind fünf Horrorfilme, die die weibliche Pubertät als mörderisches aber ermächtigendes Blutbad zeigen.

Ginger Snaps (2000)


Ginger Snaps ist 2000 erschienen, dementsprechend wimmelt es darin von Mode aus der Grunge-Ära – Choker, Neckholder und schwarz so weit das Auge reicht. Viel ausschlaggebender für seine treue Fangemeinschaft dürfte allerdings die unkonventionelle Darstellung der weiblichen Pubertät sein. Die beiden Hauptfiguren, Brigitte und Ginger, sind Schwestern und Außenseiterinnen par excellence, die dermaßen vom Tod besessen sind, dass sie einen Pakt schließen, um gemeinsam zu sterben. Eines Nachts wird Ginger von einem tollwütigen Hund gebissen und ihr beginnen ein Schwanz und am ganzen Körper Haare zu wachsen. Außerdem wird ihre Periode unfassbar heftig – überhaupt ist Menstruation ein großes Thema in dem Film. Die über die Veränderungen besorgte Brigitte bringt Ginger zu einer wenig einfühlsamen Ärztin, die sie über den Menstruationszyklus belehrt: "Du bekommst das jetzt etwa alle 28 Tage, während der nächsten 30 Jahre!"

Die Macher des Films hätten natürlich leicht ein Teenager-Mädchen darstellen können, dass von den Veränderungen ihres Körpers verunsichert ist. Stattdessen lernt Ginger ihre neuen Kräfte zu lieben und verwendet sie, um Männer zu verführen, die Bullys ihrer Schwester zu verprügeln und insgesamt eine ziemlich coole Sau zu sein. In einer der besten Szenen hat Ginger Sex mit einem berüchtigten Playboy – das Risiko, ihn dabei mit ihrem Werwolf-Dasein anzustecken, ist ihr herzlich egal. Nach dem Akt beginnt der Frauenheld plötzlich Blut zu pinkeln und es fällt einem wirklich schwer, an dieser Stelle nicht zumindest einen Funken kranke Genugtuung zu empfinden, wenn die Geschlechterrollen dermaßen umgekehrt werden – selbst in dieser dunklen Art.

Raw (2016)

Der französisch-belgische Film sorgte nach seiner Veröffentlichung für einiges Aufsehen in den Medien. Die Handlung: Eine junge Frau wird von einer überzeugten Vegetarierin zur Menschenfleisch-Esserin. Raw unterscheidet sich von den restlichen Filmen in dieser Liste, weil es in dieser Geschichte weder um Rache an Männern, noch um die Richtigstellung eines Unrechts geht. Wenn überhaupt kämpft sich Hauptfigur Justine durch ihr unstillbares Verlangen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst. Regisseurin Julia Ducournau bringt darüber hinaus frischen Wind in das Genre des feministischen Horrors, indem sie ihre Figur weder als Opfer, noch als Bösewicht darstellt – sie ist einfach nur eine Erstsemesterin mit all den üblichen Macken, gleichermaßen verloren und verwirrt. Raw stellt die typische Coming-of-Age-Narrative, die meistens von Jungs und Sex dominiert wird, auf den Prüfstand und zeigt, dass es für junge Frauen vielfältige und alternative Pfade gibt, um sich selbst zu entdecken.

So finster die Nacht (2008)

Dieser schwedische Film von 2008 setzt sich brillant mit der Infantilisierung von Mädchen auseinander. Eli, die von Lina Leandersson gespielte Hauptfigur, ist eine 12-jährige Herzen-verschlingende Vampirin, die den Nachbarsjungen Oskar vor seinen Bullys verteidigt. Indem Eli in die Rolle der Beschützerin gestellt wird, bedient sich der Film sprichwörtlich bei der klassischen Figur der Femme Fatale.

Der auf dem gleichnamigen Roman von 2004 basierende Film spielt aber auch mit den Vorstellungen von Geschlecht. Eigentlich ist Eli nämlich ein Junge, der vor 200 Jahren bei seiner Verwandlung in einen Vampir kastriert wurde. Er zieht sich aber wie ein Mädchen an und wird von der Welt um ihn herum als weiblich wahrgenommen. Dadurch bekommt Elis und Oskars Kinderromanze eine ganz neue Ebene. Oskars allgemeine Missachtung von Elis Vampirismus und komplexer Geschlechtsidentität illustriert, dass Kinder in einer bestimmten Phase ihres Heranwachsens noch nicht gelernt haben, in der Liebe Geschlechtergrenzen zu errichten. So finster die Nacht wehrt sich gegen die Vorstellung, dass junge Frauen lediglich Objekte der Begierde sein können.

Teeth (2007)


Seit Jahrhunderten ist die Literatur von Volkssagen und Metaphern besessen über Frauen, die Zähne in ihren Vaginen haben. Diese Mythen finden sich in Fabeln auf der ganzen Welt und sind in ihrer Darstellung äußerst aussagekräftig. Die Sage der Vagina dentata spielt mit männlichen Kastrationsängsten und verortet die Gefahrenquelle in den Körpern der Frauen und nicht bei den Vergewaltigern, die häufig in diesen Geschichten eine Rolle spielen.

Teeth dreht den Spieß radikal um. Protagonistin Dawn, die auch die Abstinenzgruppe ihrer Kirche leitet, wehrt einen ganzen Haufen sexuell übergriffiger Männer ab, als ihrer Vagina Zähne wachsen und sie einen Schwanz nach dem anderen abbeißt. Den ganzen unbedarften Absurditäten zum Trotz ist Teeth eine eindrucksvolle und kraftvolle Darstellung einer jungen Frau, die die Herrschaft über ihre sexuelle Handlungsfähigkeit wieder für sich beansprucht.

A Girl Walks Home Alone at Night (2014)


A Girl Walks Home Alone at Night von Regisseurin und Drehbuchautorin Ana Lily Amirpour wird als erster "iranischer Vampir-Western" bezeichnet. Der in wundervollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen gedrehte Film schafft es, im durchaus umfangreichen iranischen Filmkanon unbekanntes Terrain zu betreten. Die Tschador tragende und skateboardende Vampirin ist hier die Verführerin und Ash, ein verletzlicher junger Mann, der Drogen verkauft, um seinen heroinabhängigen Vater zu unterstützen.

Amirpour nimmt sich eine weibliche persische Figur – die in der Regel als "unterdrückt" oder "still" dargestellt werden – und gibt ihr eine dynamische Rolle. Der Film ist ein modernes Märchen mit einer Heldin, die traditionelle muslimische Gewänder trägt und sich für das Recht von Frauen einsetzt, ihre Kleidung selbst zu bestimmen. Obendrein erschien der Film 2014 genau zu dem Zeitpunkt, als im Iran heftige Debatten und Proteste zur Schleierpflicht tobten.