So unterschiedlich interpretieren junge Kubaner Männlichkeit

Für sein neustes Projekt ist Fotograf Joshua Osborne in die Subkulturen der kubanischen Hauptstadt Havanna eingetaucht.

von Bojana Kozarevic; Fotos von Joshua Osborne
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05 September 2017, 1:36pm

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

In dem Zine Habanaboy lichtet Joshua Osborne nicht nur das Lächeln von jungen Kubanern ab, sondern zeigt auch die Vielfalt der Männlichkeitsvorstellungen auf der Karibikinsel: die Boys sind natürlich, mutig und jung.


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Kurz nach seiner Ankunft wurde Joshua schon inspiriert. "Ich habe mich mit zwei jungen Männern angefreundet, die ein großer Teil des Projekts wurden", sagt der Fotograf. "Mit denen bin ich durch Havanna gelaufen. Und wenn ich einen jungen Mann entdeckt habe, den ich interessant fand, haben sie ihn für mich angesprochen und mir beim Übersetzen geholfen. Dadurch hatte ich einen besonderen Zugang, den man dort sonst als Tourist nicht gehabt hätte."

Doch anstatt jemanden zufällig auszuwählen, hat sich Joshua an den verschiedenen Subkulturen der Stadt orientiert: von den Reggaeton-Boys, die viel Wert auf ihre Frisuren legen, Daddy Yankee hören und auf der Suche nach jungen Kubanerinnen sind über die "Miki"-Boys, die sich für europäische Musik, Mode (und weibliche Touristen) interessieren bis zur wachsenden Skate-Community auf der Insel. Der Fotograf hat auch viel Zeit mit der Drag-Community verbracht. "Das war echt eine Bereicherung", erklärt Joshua. "Diese Menschen waren so stark und schön. Es war zwar nicht zu übersehen, dass sie kaum Make-up haben, mit dem sie arbeiten können. Trotzdem waren sie aber fantastisch. Auch wenn wir uns nicht miteinander unterhalten konnten, was es toll, für ein paar Tage Teil dieser Szene zu sein."

Das daraus entstandene Zine setzt sich mit dem Thema der modernen Männlichkeit auseinander und feiert das Selbstbewusstsein junger Kubaner, indem es ihre Herangehensweise an das andere Geschlecht unter die Lupe nimmt. "Es hat sie kein bisschen gestört, als ich die Porträts von ihnen aufnehmen wollte", sagt er. "Es war ihnen nicht unangenehm oder etwas, das sie schockiert oder begeistert hätte. Ich glaube, dass wir in der westlichen Kultur sehr darauf konditioniert wurden, uns auf Bildern perfekt zu präsentieren. Wenn ich beispielsweise junge Briten fotografiert habe, sind dabei oft ziemlich unnatürlich wirkende Fotos herausgekommen. Ich glaube das liegt vor allem an der stärker ausgeprägten Eitelkeit und dem Bewusstsein dafür, wo die Bilder am Ende veröffentlicht werden könnten."

Joshua ist für seine Porträts von Männern in Alltagssituationen bekannt, und laut ihm bedeutet moderne Männlichkeit so viel wie "offen genug zu sein, um sich Veränderungen anzupassen. Zu lernen, sich selbst zu akzeptieren, und zwar ohne Angst, beurteilt oder in eine Schublade gesteckt zu werden." Seine Porträts sind natürlich und authentisch. "Ich versuche, mich in gewisse Situationen zu begeben, in denen ich von dieser Art Menschen umgeben bin, und ich finde es toll, dass ich diese Herangehensweise an den jeweiligen Ort anpassen kann."

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