Quantcast
über POOL Publishing

Dieser Indie-Verlag beweist, dass Print nicht tot ist

Juule Kay

Juule Kay

POOL Publishing ist die neue Plattform für die Arbeiten junger Kreativer. Wir haben mit den beteiligten Textern, Grafikern und Fotografen über ihre Bücher und ihren künstlerischen Ansatz gesprochen.

über POOL Publishing

POOL Publishing sind Maximilian Mauracher und Catherine Hazotte, zwei kreative Allrounder aus Wien, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, junge Künstler und ihre Arbeiten zu fördern. Dabei sehen beide ihren 2016 gegründeten Verlag als Sprungbrett und Spielplatz zugleich: Eine digitale Plattform, die ihren Fokus auf das Medium Print setzt und sich trotzdem nicht auf eine einzige Disziplin festzulegen versucht. "Deshalb auch der Name POOL, eben eine bunte Mischung. Bei uns findet jeder seinen Platz", erklären die beiden. Diese Vielfalt zeigt sich auch in ihren Büchern. In Pastel getauchte Fotografien stehen neben einer Serie Berliner Fassaden und den Banalitäten des Alltags.


Auch auf i-D: Auf den Spuren von Londons Zine-Revolution


Vielleicht solltest du also noch einmal überdenken, ob deine merkwürdigen Dating-Stories wirklich mit der Welt geteilt werden sollten oder die längst vergessenen Aufnahmen durch den Großstadtdschungel der Gefühle eine Publikation fernab deines Instagram-Accounts wert sind. Buchvorschläge sind hier nämlich immer willkommen — und dein neues Leben als Autor vielleicht gar nicht so weit entfernt, wie du im ersten Moment vermutest. Während du dir diesen möglichen Karriereweg noch mal durch den Kopf gehen lassen kannst, haben uns die Autoren der bereits veröffentlichten Werke einen kleinen Einblick in ihre Bücher gewährt und erklärt, was es heutzutage braucht, um als Kreativer aus der Masse herauszustechen.

Tobias, 33

Woher kommst du? Aufgewachsen bin ich im Schwarzwald, wohne aber seit sieben Jahren in Berlin. Was machst du? Ich bin Fotograf und Grafikdesigner. Worum geht es in deinem Buch? Fassade Parade setzt sich mit der Außenwerbung von Kleinunternehmen auseinander. Zu sehen sind unter anderem Fassaden von Bäckern, Spätis, Friseuren und Nagelstudios. Das Buch ist eine Hommage an den Amateur und einer Bildhaftigkeit, die sich ungewollt gegen die bis ins letzte Pixel optimierte, digitale Bildwelt stellt. Dabei wirkt sie auf komische Weiße erfrischend und anders zugleich, soll aber auch eine gewisse Abscheu und Unbehagen beim Betrachter auslösen. Was macht ein gutes Foto für dich aus? Das kommt auf die Umgebung, den Umstand und die Tagesstimmung an. Manchmal macht eine Fotografie zum Beispiel nur in einer Reihe, in einem Buch oder in einer gewissen Größe Sinn. Eine gute Fotografie sollte Denkprozesse einleiten und Gefühle hervorrufen, negativ oder positiv. Wie sticht man heutzutage als Kreativer aus der Masse heraus? Durch die eigene kreative Sprache. Wenn du gesehen werden willst, musst du dich auch zeigen.

@tobias.faisst

Rodrigo Soto, 24

Woher kommst du? Buenos Aires, Argentinien. Was machst du? Ich bin Künstlerin. Ich kreiere Dinge und visualisiere sie, damit die Leute sie mit mir erleben können. Worum geht es in deinem Buch? Gefühle, Formen und Strukturen. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst? Wenn ich als Kind auf dem Klo war, hatte ich manchmal diese Vorstellung im Kopf, dass ich auf mich und die ganze Welt herabschauen kann. Dann habe ich mich selbst dort sitzen gesehen, dann mein Haus, die Stadt, den Planeten und das Sonnensystem. Ich war so klein, ein Kind in einem riesigen Universum, und es hat sich so gut angefühlt, Teil eines großen Ganzen zu sein. Ich habe das Universum bereist und saß immer noch mit heruntergelassenen Hosen an der gleichen Stelle. Also habe ich den Rest meines Lebens versucht, genau dieses Gefühl zu reproduzieren — in jeder möglichen Weise. Was macht eine gute Arbeit für dich aus? Sie muss schweigen, offen sein, damit man in sie eintauchen kann, und trotzdem fließend und organisch sein. Warum ist Print nicht tot? Weil es das perfekte Medium ist, schöne Dinge und Gedanken zu teilen, die uns als Community außerhalb der Hegemonialmacht und Wirtschaft identifizieren.

@wunnhg

Alexander, 32

Woher kommst du? Philadelphia, USA. Was machst du? Ich bin Fotograf, Künstler und Theatermacher. Worum geht es in deinem Buch? Es ist eine Aufzeichnung von visuellen Zufällen und gibt den alltäglichen Außergewöhnlichkeiten, die ich seit 2014 gesammelt habe, ein Zuhause. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst? Ich bin mit dem Theater groß geworden. Meine Aufmerksamkeit hat sich aber langsam der Fotografie gewidmet, bei welcher Erzählungen nicht explizit umrissen, sondern angedeutet werden und verschwimmen. Was macht ein gutes Foto für dich aus? Etwas, das eine magische Version vom echten Leben ist. Etwas mit vielen möglichen Erzählungen, die ein genaueres Hinsehen erfordern. Wie sticht man heutzutage als Kreativer aus der Masse heraus? Man wird sehr hartnäckig, und sehr sehr vorsichtig, wenn es daraum geht, wessen Arbeit du dir anschaust und warum. Interdisziplinäre Einflüsse sind der Schlüssel. Warum ist Print nicht tot? Weil digitaler Konsum omnipräsent ist, während es eine andere, höhere Bewusstseinsebene erfordert, um ein gedrucktes Werk zusammenzusetzen. Wenn du es nicht richtig anstellst, siehst du schnell jeden noch so kleinen Fehler.

@alexandercoggin

Luca, 23

Woher kommst du? Ich komme aus Ulm. Da gibt's ein schiefes Haus und eine hohe Kirche. Was machst du? Ich mache Filme und fotografiere. Worum geht es in deinem Buch? Ich habe einige meiner fotografischen Arbeiten weitestgehend frei von ihrer seriellen Ordnung neu zusammengesetzt. Mich also vor allem ihrer Formensprache gewidmet. Inhaltlich dreht sich viel um Fetisch, Pathos und Androgynität. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst? Ich wollte schon immer Filme drehen. Neben Archäologie (ein Bild, das wohl Indiana Jones geschuldet ist) stand das schon früh in allen Poesiebüchern. Fotos lagen da irgendwie auf der Hand. Das Interesse für Mode hat sich erst später dazugesellt. Was macht ein gutes Foto für dich aus? Es muss etwas anstoßen und die Möglichkeit bestehen, mehr als die Absicht des Künstlers zu werden. Wie sticht man heutzutage als kreativer aus der Masse heraus? Durch den Wunsch etwas zu erzählen, das nicht unabdingbar an die Faktoren und Trends der gesellschaftlichen Selbstvermarktung gekoppelt ist.

@lcafchs

Eva, 23

Woher kommst du? Ursprünglich aus Russland, aufgewachsen in Wien, aber gerade lebe ich in New York. Was machst du? Ich bin Fotografin und Künstlerin. Worum geht es in deinem Buch? Um den Song Say My Name von Destiny's Child — die Person, die textet wird zum Ende hin immer lauter und dreht am Ende durch. Die Fotos sind eine Selektion der letzten zwei Jahre. Was macht ein gutes Foto für dich aus? Eine Fotografie muss ein Gefühl auslösen. Ob man sich freut oder ärgert — Hauptsache es macht irgendwas mit dir. Einfach nur schöne Kunst funktioniert in unserer Zeit nicht mehr. Wie sticht man heutzutage als Kreativer aus der Masse heraus? Finde deinen eigenen Stil, deine Fantasie und deine Leidenschaft und arbeite jeden Tag daran. Warum ist Print nicht tot? Weil das Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten, immer ein anderes sein wird als das Gefühl, einen Artikel online zu lesen.

@evazar

Thorsten, 35

Woher kommst du? Eschweiler, Deutschland. Was machst du? Ich bin Autor und arbeite freiberuflich als Creative Director in Text und Konzeption. Worum geht es in deinem Buch? Um die Melancholie, die entsteht, wenn man ein paar Nächte zu viel im Inneren der Illusionsmaschine Werbeagentur verbracht hat. Und was das aus einem macht, wenn man nicht aufpasst. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst? Viele Jahre über alles nachgedacht. Viele Jahre viel gemacht. Dann wieder viel über all' das nachgedacht. Seit einiger Zeit wieder viel gemacht. Was macht einen guten Text für dich aus? Man kann mit Sprache die Brüche in den sozialen Konstellationen von Menschen gut beschreiben. Das geht, man muss nur lange genug hinschauen. Wie sticht man heutzutage als kreativer aus der Masse heraus? Ich weiß nicht, ob man das muss. Und wenn doch: Inhalt. Denn Inhalt gibt Halt. Einem selbst und anderen auch. Und man muss Menschen mögen. Ohne das ist alles Murks.

@thorstenpütz

Célestin, 26

Woher kommst du? Paris, Belleville. Was machst du? Ich bin Grafikdesigner und Illustrator. Worum geht es in deinem Buch? Es geht um Höhlen — sie sind extrem interessant, wenn es darum geht, über Bilder im Allgemeinen zu sprechen. Höhlen sind historische Orte, in denen Bilder langsam entstanden sind. In meinen Arbeiten versuche ich, Bilder wie Ton immer wieder und wieder zu bearbeiten, bis sie ihre eigene Balance finden. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst? In meinem Studium habe ich gelernt, dass Grafikdesign ein Werkzeug ist, um tiefer zu graben. Themen, Ideen und Geschichten, die einem wichtig sind, zu formen. Und dann nie diese Art der Neugierde zu verlieren. Was macht eine gute Grafik für dich aus? Ehrlichkeit und Arbeit. Eine Grafik ist gut, wenn du verarbeitest, was du magst, und trotzdem etwas Neues daraus machst, ohne dabei zu kopieren. Ich weiß, dass ich etwas mag, wenn es sofort das Verlangen in mir auslöst, selbst etwas kreieren zu wollen. Warum ist Print nicht tot? Wenn etwas gedruckt oder auf Papier gezeichnet ist, wird es zu einem Gegenstand, der anfängt in Raum und Zeit umherzustreifen.

@celestin_krier


Alle Bücher von POOL Publishing findest du hier.