Foto: Kurz Krieger

Ein seltenes Interview mit deinem 90s Crush Leonardo DiCaprio

Zum Filmstart von 'Once Upon a Time In Hollywood' werden wir nostalgisch und bringen dich zurück in das Jahr 1997 mit einem Interview aus i-D's Desirable Issue.

von David Cox
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15 August 2019, 9:01am

Foto: Kurz Krieger

Mit Romeo und Julia wurde Leonardo DiCaprio zum größten Teenie-Schwarm der Filmgeschichte. Aber wird er je mehr sein als der feuchte Traum Hollywoods? Seit seinem mit dem Oscar nominierten Auftritt neben Johnny Depp in Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa wird der 22-Jährige als "der beste" oder "der spannendste" Schauspieler seiner Generation betitelt. Sein neuester Streich ist Baz Luhrmanns radikale Neuerfindung von William Shakespeares Romeo und Julia.

Die Welt dreht sich um den jungen Schauspieler. Doch die vielen Gerüchte um sein Privatleben bringen DiCaprio nicht aus dem Konzept. Er nimmt es mit viel Humor, schließlich ist er auf der Leinwand aufgewachsen. Von Fernsehserien wie Growing Pains bis hin zu Filmen wie Critters 3: Wenn er seine Rollen weiterhin mit solch Bedacht wählt, wird er den Vergleich mit jedem anderen Jungschauspieler überleben.

Erzähl mal, wie ist es zu Romeo und Julia gekommen?
Der Regisseur, Baz Luhrmann, hat mir zuerst das Drehbuch gegeben. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich eigentlich, dass ich keine traditionelle Version von Romeo und Julia machen möchte. Doch als wir zusammen zu einem Workshop nach Australien geflogen sind, hat mir Baz von den ganzen neuen Ideen erzählt, die er mit einfließen lassen möchte. Ich war mir erst nicht ganz sicher, wie das alles funktionieren sollte. Das erste Mal, dass ich wusste es klappt, war am ersten Drehtag.

War das alles nicht ein bisschen einschüchternd?
Hmm, Romeo und Julia ist so ziemlich das bekannteste und erfolgreichste Stück aller Zeiten, deswegen stehst du unter enormen Druck. Ich wäre sicher sehr viel nervöser gewesen, wenn ich es auf traditionelle Weise hätte spielen müssen. Die Art wie wir sprechen – ohne gekünstelten englischen Akzent – hat vieles einfacher gemacht, sich viel mehr nach Zuhause angefühlt. Auch wenn es eine Fantasiewelt ist, gibt es viele moderne Referenzen – besonders mit der Gewalt und den Bandenkriegen. Wahrscheinlich hätte Shakespeare gewollt, dass seine Arbeit weiterlebt. Ein zeitloses Stück wird, das sich an die Zukunft anpassen kann.

Du meintest in der Vergangenheit, dass du dich zu dunkleren Charakteren hingezogen fühlst, aber Romeo ist wahrhaft romantisch.
Es war echt interessant. Sobald ich angefangen habe, über ihn zu recherchieren, habe ich realisiert, dass er hoffnungslos romantisch war. Und dann trifft er Julia, die ihm sagt 'Hey schau, wenn du wirklich Eier in der Hose hast, heirate mich jetzt und riskier alles'. Und das macht er auch. Er riskiert sein ganzes Leben, seine Familie, alles – und heiratet dieses Mädchen. Wenn du an jemanden glaubst, an die Liebe, vor allem in diesem Alter, mit dem Hintergedanken, dein Leben zu riskieren ... es ist die ultimative Tragödie, die ultimative Liebesgeschichte.

Leonardo DiCaprio for i-D's The Desireable Issue
Foto: Kurt Krieger

Wie hast du dich auf deine Rolle als Romeo vorbereitet?
Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich mich daran gewöhnt habe. Mit jedem Charakter, den ich spiele, will ich genau wissen, was ich da überhaupt mache. Ich mag diese Methode nicht, alles zusammenzusammeln und in jedem Moment meines Lebens der Charakter zu sein. Ich schaue mir eher an, wie es läuft, während es gerade passiert. Ich musste mich eigentlich nur auf die emotionalen Szenen vorbereiten, durch die sich Romeo schlägt. Er ist kein fröhlicher Typ, er muss durch echt viel Scheiße gehen.

Wie schwer war es für dich, die Sprache in den Griff zu bekommen?
Wenn du einen von Shakespeares Versen liest, kann er 20 verschiedene Bedeutungen haben. Du verstehst plötzlich, dass sich etwas vom Anfang der Geschichte auf einen späteren Zeitpunkt bezieht. Die Zeile hat dann bereits einen gewissen Unterton, ist symbolträchtig. Du kannst sehr schnell richtig durcheinander kommen. Aber du musst dich entscheiden, worauf du dich konzentrieren möchtest, welche Art von Charakter du spielst. Wir mussten viel anpassen, viel üben. Wir haben jedes laut gesagte Wort auch als Gefühl durchgespielt, damit wir verstehen, was zum Teufel er wirklich damit sagen wollte. Selbst ein Witz konnte relevant für die Geschichte sein.

Bist du mit Clare Danes, deiner Julia, gut klargekommen?
Ich habe ihre Fernsehsendung My So-Called Life gesehen und wusste von diesem Zeitpunkt an, dass sie eine extrem intensive und emotionale Frau ist. Wir haben viel darüber nachgedacht, wie die Julia sein sollte. Wir wollten keine blumige, überdramatisierte Version, aber jemanden, der wirklich stark war. Schließlich hat sie ihm gesagt 'Wenn du mich so toll findest, musst du mich heiraten und dich allem anderen widersetzen'. Alle haben Julia auf sehr traditionelle Art und Weise bei den Vorsprechen gespielt, doch Claire hat einfach meinen Nacken gepackt und mich geküsst. Ich dachte mir in dem Moment nur, 'Was geht jetzt ab!', war ein bisschen verblüfft, aber habe auch schnell gemerkt, dass sie weiß, was sie da macht.

Eine von vielen Überraschungen im Film ist die romantische Szene im Swimming Pool. Wie hat es sich angefühlt die Szene zu spielen?
Baz wollte einen Gegensatz zur traditionellen Version, deswegen haben wir Romeo absichtlich auf den Balkon gestellt und Julia war diejenige, die mit dem Aufzug nach unten fährt. Ein geschickter, kleiner Twist. Und als nächstes waren wir im Pool, haben uns gegenseitig nassspritzen. Wir haben lange an der Szene gearbeitet, es hat fast eineinhalb Wochen gedauert, bis alles gepasst hat, weil wir es nicht auf konventionellem Wege machen wollten. Wir wollten etwas Anderes ausprobieren, und das hat – glaube ich – auch gut funktioniert.

War es stressig in Mexico City zu filmen?
Ja, das würde ich sagen. Es gab dort viel Gewalt und viele Schießereien; außerdem sind viele aus der Crew ständig krank geworden. Einer unserer Leute wurde sogar entführt. Es war echt hart, wir waren es gewohnt, von Waffen umgeben zu sein.

Wenn du allem Glauben schenkst, was du im Internet liest ...
Du solltest nicht alles glauben, das ist sicher.

... gibt es viele Artikel, die behaupten, dass die Liebesszene zwischen Romeo und Julia eindeutiger geplant war.
Siehst du, solche Sachen, das meine ich. Es gab viele Kontroversen, dass Claires Brüste zu sehen waren, weil sie zu diesem Zeitpunkt minderjährig war, aber es gab nie eine Absicht so etwas zu machen. Es ist seltsam, wie einiges von den Medien verdreht und missverstanden wird. Aber ich denke, das gehört wohl irgendwie dazu. Mit der Zeit siehst du den Film für das, was er ist. Nicht für das, was darin alles passiert.

Ist es einfacher mit der Zeit geworden, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen?
Egal, was passiert: Deine Arbeit spricht am Ende für sich selbst. Es wurde nichts Grausames über mich geschrieben, ein paar Dinge, die ich zwar nicht fair fand, aber keinesfalls beleidigende Lügen. Ich fühle mich also nicht angegriffen. Aber irgendwann verstehst du, dass am Ende alles egal ist, selbst die paar Lügen, die dein Leben interessanter klingen lassen. Es kommt dir nur zu Gute, macht dich zu einer interessanteren Person.

Denkst du manchmal darüber nach, dass jemand womöglich deine Biografie verfilmen möchte?
Ich mache einen Film nach dem anderen und versuche, hier etwas besser zu machen und dort etwas Neues auszuprobieren. Du kriegst nie wirklich die Chance, zurückzuschauen und zu realisieren, dass du 21 bist, schon viele Filme gedreht hast. Einige sind sogar richtig gut. Du fängst an, ein bisschen stolz auf dich zu sein. Ich bin glücklich darüber, wo ich gerade stehe. Ich habe gemerkt, dass sich einige Leute in meinem Alter mein Zeug anschauen, es ist nicht so, dass ich unbemerkt bleibe – das ist eine coole Sache. Ich kann dir nicht sagen, wie es in Zukunft aussehen wird, weil ich wirklich keine Ahnung habe. Solange ich auf dem Boden bleibe, werde ich damit weitermachen.

Aber je besser du wirst, desto bekannter wirst du. Fühlst du dich dadurch nicht unter Druck gesetzt?
Vielleicht. Aber daran darfst du nicht denken, wenn du drehst. Nur weil du einmal einen guten Job gemacht hast, heißt das nicht, dass du das immer tun wirst. Deswegen drehen auch viele große Schauspieler_innen durch. Es ist verständlich und auch sehr einfach, in diese Falle zu tappen. Ich kann nicht behaupten, die Antwort darauf zu kennen. Vielleicht findest du mich in ein paar Jahren in der Klapse, wer weiß, aber gerade ist mir das ziemlich egal. Es ist mir egal, was die Leute über mich sagen.

Dein nächster Film handelt von der Titanic, richtig?
Es ist mein erster kommerzieller Versuch, aber es hat Sinn gemacht. Er hat eine wirklich gute Geschichte und einige emotionsgeladene Charaktere. Ich will nicht sagen, dass es episch wird ...

Was können wir denn dann erwarten?
Es ist eine Liebesgeschichte, zwei Menschen auf einem Schiff. Ein kleinbürgerlicher Künstler trifft auf dieses Mädchen aus der Oberschicht – die beiden verlieben sich. Und wieder trotzen sie ihrer Gesellschaft, ihrer Welt ... bis plötzlich alles untergeht.

Es wird gemunkelt, dass dir im nächsten Jahr eine Oscar-Nominierung sicher ist. Denkst du manchmal über so etwas nach?
Ja, klar, aber ich will keine Erwartungen haben. Ich verbinde ein witziges Gefühl mit den Oscars, weil ich bereits für Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa nominiert war. Ich wollte echt nicht gewinnen, einfach weil du diese Erwartung an dich selbst stellst. Die Leute wollen schon fast, dass du in allem perfekt bist, was du machst. Und wenn du es nicht bist, denken sie 'OK, schmeißt ihn raus, er hatte einmal Glück und jetzt sind wir fertig mit ihm'. Daran will ich auch nicht wirklich denken. Wer weiß schon, wie man damit umgeht? Ich will einfach nur weitermachen – und hoffentlich schauen sich die Leute meine Filme an.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus The Desirable Issue, no. 164, 1997.

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