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jerry hsu zeigt mit seiner fotografie die dinge, die passieren, wenn andere schon wieder wegschauen

Im Rahmen des Gallery Weekends eröffnet der kalifornische Skater und Fotograf Jerry Hsu im HVW8 in Berlin. Wir haben ihm vorab ein paar Fragen zu seiner Arbeit gestellt.

von Zsuzsanna Toth
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29 April 2016, 6:10am

Jerry Hsu könnte man als einen Autodidakt by accident bezeichnen. 1997 begann er seine Karriere als Profi-Skateboarder in San Jose, Kalifornien. Wie viele Sportler erkannte er schnell, dass sein Interesse auch mal von der Bordkante und auf Szenerien auf den kalifornischen Straßen abschweifte, die sofort festgehalten werden mussten.

Wo das Spektrum vieler (stiller) Beobachter endet, fängt seines erst an. Im Schnappschuss-Stil gehalten zeigen Hsus Aufnahmen Szenerien, die stattfinden, nachdem die meisten bereits weggeschaut haben.

Im Zuge des Gallery Weekends eröffnet heute im HWV8 seine erste Einzelausstellung „A Love Like Mine is Hard to Find". Wir haben den skatenden Fotografen und fotografierenden Skater vorab interviewt.

In deinen Fotografien hältst du primär Alltagsszenen im Snapshot-Stil fest. Lehnst du gestellte, arrangierte Motive grundlegend ab?
Ganz und gar nicht. Es ist nur ein Aspekt in der Fotografie, den ich mit meiner Arbeit kaum verwende. Ich schätze es aber generell schon. 

Wie hat sich dein Interesse für Fotografie während deiner eigentlichen Karriere als Profi-Skateboarder entwickelt?
Als Skate Kid war es für mich ganz selbstverständlich, meine Freunde beim Üben und Abhängen zu dokumentieren. Fotografie ist das Medium, durch das ich mehr über Skaten und visuelle Dokumentation gelernt habe. Durch spätere Förderungen bekam ich gleichzeitig auch die Möglichkeit, mit professionellen Fotografen und Künstlern zu arbeiten, die mir zu meiner künstlerischen Sprache verhalfen. Es ist die perfekte Synthese: Skateboarden bringt mich auf die Straße. Und dort finden die Situationen statt, die ich wiederum fotografisch festhalten möchte.

Dein Projekt „a table for one" war eine Dokumentation der Abgeschiedenheit und Vereinsamung in Amerika. Ist das etwas, das du immer noch beobachtest? Was hat dich an der Thematik so fasziniert?
Es ging primär um die kulturelle Reaktion auf Abgeschiedenheit, weniger um die Einsamkeit selbst. Es gibt eine bestimmte Stigmatisierung am Alleinsein, die ich sehr spannend finde. Durch diese Bilder habe ich gelernt, dass Menschen sehr extreme Ansichten und Meinungen über Abgeschiedenheit haben. Manche empfinden sie als ganz schrecklich und bedauernswert, was ich gar nicht verstehen. Alleine Abend zu essen scheint etwas zu sein, das die meisten um jeden Preis vermeiden wollen. Es ist ein gesellschaftliches Tabu. Und das wiederum ist in meinen Augen Nonsens. Diese Serie ist eine Reflexion der Gefühle und Gedanken des Betrachters, die aufkommen, wenn er an das Alleinsein denkt.

Und was kann von deiner ersten Einzelausstellung „A Love Like Mine is Hard to Find" erwarten, die heute eröffnet?
Es wird eine Mischung älterer und neuer Arbeiten sein, die meine Vorstellungen des Alltags widerspiegeln. Ich versuche Konzepte wie Absurdität und Humor als Bewältigungsmethoden einzubringen. Die Motive vieler meiner Bilder wirken banal, aber als Fotografie bekommen sie neue Bedeutungsebenen. Ich habe auch persönlichere Aspekte eingebracht, Bilder von meiner Frau, Portraits von Freunden, als Kontrast und Balance. Es ist mein Tagebuch. Und ich glaube, es funktioniert ganz gut. 

Heute Abend eröffnet zusammen mit SLOW CULTURE „A Love Like Mine is Hard to Find" im HVW8. Mehr Informationen zur Eröffnung und Ausstellung findet ihr bei Facebook

nazigold.tumblr.com
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Credits


Text: Zsuzsanna Toth
Fotos: Jerry Hsu