die mutigen und fabulösen besucher des berliner csd

Wir waren auf dem Berlin Pride unterwegs und haben die Besucher gefragt, warum sie hier sind und warum Veranstaltungen wie diese so wichtig sind.

|
Juli 25 2016, 9:45am

Martin, 22

Woher kommst du?
Aus Stuttgart, aber ich wohne seit vier Jahren in Berlin.

Was machst du?
Ich arbeite in einem Second-Hand-Shop und bin Drag Queen.

Warum bist du heute hier?
Weil der CSD wichtig ist, vor allem nach Orlando.

Warum brauchen wir den CSD?
Ich finde es immer noch wichtig, dass der CSD existiert, weil es immer noch keine Gleichberechtigung gibt. Vor allem in Berlin lebt man wie in einer großen Blase, weil man denkt, dass Gleichberechtigung wirklich existiert. Wenn ich aber nach Hause aufs Land fahre, merke ich, dass es eben nicht so ist und sich kaum etwas hinsichtlich der Gleichberechtigung über die Jahre dort verändert hat.

Wie können wir auf Hass reagieren?
Du musst einfach du selbst sein und dich nicht verstecken. Wenn sich jeder auf der Straße küssen würde, wäre das schon mal kein Problem mehr, weil sich dann einfach jeder daran gewöhnen würde!

Was ist das besondere an der LGBTQi-Community in Berlin?
Sie ist offen und wie eine Familie für mich, da ich ja selbst Drag Queen bin.

Liebe ist …
alles.

@palaisplastique

Charlotte, 24 (links) 

Woher kommst du?
Wien, aber ich wohne den Sommer über hier in Berlin.

Was ist das besondere an der Berliner LGBTQi-Community?
Dass ich mich so wohlfühlen kann, wie ich bin und rausgehen kann, wie ich gerade Lust habe, ohne Angst haben zu müssen, dass es jemandem nicht gefällt.

Wie können wir auf Hass reagieren?
Auf die Straße gehen! Auch wenn man vielleicht manchmal Angst haben sollte, muss man versuchen, es nicht zu zeigen—Je mehr Menschen zeigen, dass sie keine Angst haben, desto stärker ist das Zeichen, das wir setzen!

Liebe ist …
individuell und das was man daraus macht. 

Melli, 27 (rechts)

Woher kommst du?
Ursprünglich aus Bayern. 

Warum bist du heute hier?
Ich finde es wichtig, für mehr Toleranz auf die Straße zu gehen. 

Warum brauchen wir den CSD?
Weil es immer noch viel zu tun gibt—die gleichgeschlechtliche Ehe ist zum Beispiel immer noch nicht überall durchgegangen.

Wie können wir auf Hass reagieren?
Mit mehr Liebe. 

Was möchtest du den Politikern gerne sagen?
Mehr Miteinander statt Gegeneinander!

Was ist das besondere an der Berliner LGBTQi-Community?
Sie ist bunter, vielfältiger und größer als woanders.

Welche Frage würdest du der Welt gerne stellen?
Warum der ganze Hass, wo kommt der her?

Liebe ist ...
das beste und wichtigste überhaupt. 

Yuri, 24

Woher kommst du?
Rom.

Was machst du?
Ich bin Maler.

Warum bist du heute hier?
Um die LGBT-Bewegung zu unterstützen. Wir haben ganz klar noch keine Gleichstellung erreicht und außerdem bin ich hier, um zu feiern.

Warum brauchen wir den CSD?
Ich glaube nicht, dass der CSD wichtig ist. Es geht mehr darum, dass wir es zu einer Selbstverständlichkeit machen. Dass wir eben nicht mehr zwischen heterosexuell und homosexuell unterscheiden müssen. Das Wort Pride war für mich schon immer ungeeignet. Ich bin nicht stolz, schwul zu sein. Ich bin einfach schwul.

Wie können wir auf den Hass reagieren?
Ich komme aus Rom und seitdem ich klein bin, werde ich einfach wegen meines femininen Aussehens angepöbelt und habe auch schon Gewalt erleben müssen. Hass ist Teil meines Lebens: Ich werde beleidigt und ich werde gemobbt. Es wurde versucht, mich zu vergewaltigen, mich zu verbrennen, mich niederzustechen und ich wurde getreten. Das schafft ein Klima der Angst.

Was würdest du als Politiker anders machen?
Ich würde versuchen, ein kulturelles Klima zu schaffen, indem sich Menschen nicht mehr in Schubladen einordnen müssen und indem sie keine Angst vor Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung haben müssen.

Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, welche wäre das?
Ich würde deutlich machen, dass Trauer und Schmerz zum Leben dazugehören.

Liebe ist …
metaphysisch.

Rob, 30 (links) 

Woher kommst du? 
Aus Sydney, ich lebe mittlerweile aber in London. 

Was machst du?
Ich unterrichte Musikproduktion und Audio Engineering.

Warum bist du heute hier?
Wir sind zum Feiern hier. Wir waren erst in Barcelona und haben überlegt, nach Berlin zu fliegen. Dann haben wir gehört, dass CSD am Wochenende ist und wir wollten dabei sein.

Warum brauchen wir den CSD?
Trotz der ganzen Gesetze müssen wir sichtbar bleiben. Wir brauchen vollständige Gleichstellung hier und auch in anderen Ländern. Ich komme aus Australien. Wir hinken bei der Homoehe so weit zurück, da ist es schön Länder zu sehen, die weiter sind.

Was ist für dich das besondere an der Berliner LGBTQi-Community?
Die Vielfalt. Es gibt keine Altersdiskriminierung. Sie ist sehr offen.

Was können wir gegen den Hass tun?
Die Menschen aufklären. Ein gutes Beispiel ist der Brexit. Obwohl die meisten Menschen in der EU bleiben wollten, haben viele für den Austritt gestimmt. Ich glaube, dass es viel mit Hass und Ausländerfeindlichkeit zu tun hat. Gegen Hass hilft Mitgefühl anderen gegenüber.

Welchen Einfluss hat der Brexit auf dein Leben?
Mein Leben wird davon nicht direkt beeinflusst, weil ich Australier bin. Aber mein Partner ist britisch. Ich finde es schade, dass sich Großbritannien selbst isoliert. Wir sind heute hier in Berlin, das ist doch fantastisch. Warum sollte man nicht Teil davon sein wollen? Die ganze Situation ist traurig.

Was würdest du als Politiker anders machen?
Die Homoehe einführen und unterschiedliche Arten von Familie unterstützen—das ist sehr wichtig.

Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, welche wäre das?
Die Leute müssen begreifen, dass Liebe keine Unterschiede kennt und dass man Leuten Liebe nicht verweigern kann.

Wenn du der Welt eine Frage stellen könntest, welche wäre das?
Was ist falsch mit dir?

Liebe ist …
all around.

Ben, 27 (rechts)

Woher kommst du?
Ursprünglich aus Neuseeland, aber ich lebe in London.

Was machst du?
Ich bin Account Manager in einer Media-Agentur.

Warum bist du heute hier?
Wir sind in Berlin, um meinen Geburtstag zu feiern. Wir wollten schon immer zusammen herkommen. Es war das perfekte Timing, dass der CSD genau auf dieses Wochenende gefallen ist.

Warum brauchen wir den CSD?
Ich finde es wichtig, einen Tag zu haben, an dem man sorgenfrei feiern kann. Man kann einfach herkommen, die Parade, die Vielfalt, Gleichberechtigung und einfach alle um einen herum genießen.

Wie können wir auf Hass reagieren?
Wir sollten uns klarmachen, dass wir am Ende des Tages alle gleich sind, egal welche Hautfarbe, Klasse, Religion oder sexuelle Orientierung wir haben.

Was würdest du als Politiker anders machen?
Ich würde Trump verbieten und verhindern, dass er irgendetwas zu sagen hat oder dass er mit den Medien spricht, außer es ist der 1. April.

Was ist für dich das besondere an der Berliner LGBTQi-Community?
Dass sie hier so akzeptiert ist und es einfach gelebter Alltag ist. Es wird hier kein Spektakel draus gemacht. Das ist toll.

Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, welche wäre das?
Dass die Mächtigen nicht so viel zu sagen haben. Eine kleine Gruppe von Männern trifft weitreichende Entscheidungen, das kann manchmal gefährlich sein. Ich würde den politischen Prozess offener gestalten.

Wenn du der Welt eine Frage stellen könntest, welche wäre das?
Was ist dein Problem?

Liebe ist …
Liebe. Punkt. 

Tobias, 27

Woher kommst du?
Ich komme ursprünglich aus Bamberg, wohne aber seit acht Jahren in Berlin.

Was machst du?
Ich studiere Jura. 

Warum bist du heute hier?
Weil man immer noch kein Adoptionsrecht als Homosexueller hat und man meiner Meinung nach auch noch nicht heiraten kann, weil es einfach noch ganz viel bei der Gleichstellung zu tun gibt. 

Warum brauchen wir den CSD?
Wir haben sowohl global als auch national immer noch nicht die gleichen Rechte, deswegen brauchen wir den CSD. 

Wie können wir auf Hass reagieren?
Indem man nicht bestimmte Gruppen diskriminiert und Vorurteile schürt gegen andere Minderheiten. 

Was möchtest du den Politikern gerne sagen?
Dass es noch viel bei der Gleichstellung zu tun gibt! Wir haben mittlerweile 2016, wir brauchen die Ehe für alle! Wir brauchen mehr Rechte für Transsexuelle und Intersexuelle, für alle LGTBQ-Gruppen. Rechte für alle Minderheiten. 

Was ist das besondere an der Berliner LGBTQi-Community?
Es gibt für alle etwas und nicht nur für den weißen, homosexuellen Mittelschichtsmann, sondern eben für alle!

Welche Frage würdest du der Welt gerne stellen?
Warum haben wir uns alle nicht einfach lieb?

Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, welche wäre das?
Ich würde gerne alle Waffen verbieten, dann hätten wir zumindest Frieden.

Liebe ist ...
wundervoll.

Diego, 23

Woher kommst du?
Ich bin in Kolumbien geboren, in Spanien aufgewachsen und lebe jetzt in Den Haag.

Warum bist du heute hier?
Ich bin hier, um einen Freund zu besuchen. Wir haben dann gehört, dass CSD ist. Ich war noch nie auf einem CSD. Dann dachten wir uns, warum nicht?

Warum brauchen wir den CSD?
Wir Schwule müssen uns selbst feiern. Ich bin ein stolzer, junger Schwuler. Wir feiern die Tatsache, dass wir so viele Freiheiten haben, die andere nicht haben. Wir feiern nicht unbedingt das Schwulsein oder Queersein an sich, sondern wir feiern die Freiheit, die wir haben und für die wir so hart gekämpft haben.

Wie können wir auf Hass reagieren?
Ich glaube, dass wir durch solche Events wie den CSD; dass wir Leute haben, die stolz darauf sind, wer sie sind, anderen dabei helfen, auch sie selbst sein zu können. So wird die Gesellschaft offener.

Was würdest du als Politiker anders machen?
Mein Kumpel hat mir vom ersten offen schwul lebenden Bürgermeister Berlins erzählt, der mal gesagt hat: „Ich bin schwul und das ist auch gut so." Ich würde das Thema Schwulsein anders behandeln. Ich würde daraus kein Problem und kein Event machen. Ich will als Politiker nicht extra sagen müssen, dass ich schwul bin, sondern ich bin schwul und so ist es eben.

Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, welche wäre das?
Angst.

Credits


Interviews: Michael Sader
Fotos: Juule Kay