warum du mikey. auf dem yo! sissy festival nicht verpassen solltest

Dieses Wochenende findet das queere Musikfestival Yo! Sissy zum dritten Mal in Berlin statt. Aus diesem Grund hat Julie von Evvol das musikalische Allround-Talent MIKEY. für uns zum Interview getroffen. Deine Vorfreude ist berechtigt.

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Juli 25 2017, 1:50pm

Mikey Woodbridge oder auch MIKEY. ist eines dieser Talente, die sich nicht auf eine Kunstform beschränken wollen. Ob Songwriting, Performance, Drag oder musikalische Entdeckungsreisen: Im Berliner Nachtleben kommt man um den Namen nicht herum. MIKEY.s Musik ist ein akustisches Spektakel, das versucht, über die Ebene des Körpers hinauszugehen, um Menschen miteinander zu verbinden. Erst vor Kurzem ist MIKEY. als Support-Act von Hercules & Love Affair aufgetreten und dieses Wochenende steht beim YO! SISSY Festival ein ganz besondere Auftritt an. Das YO! SISSY findet bereits zum dritten Mal in Berlin mit dem Gedanken statt, die Lücke zwischen aufstrebenden, lokalen Künstlern und international Etablierten zu schließen — und dabei vor allem weibliche und Transgender-Künstler miteinzubeziehen. Neben der musikalischen Vielfalt bietet das Festival auch eine Reihe an Workshops und Panel-Diskussionen an. Bevor wir am Freitag und Samstag im Festsaal Kreuzberg die Nacht zum Tag machen, hat Julie von Evvol MIKEY. ein paar Fragen gestellt.

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Hi Mikey, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, um heute mit mir zu reden. Ich habe ein paar Fragen für dich. Du bist über Stationen in Sydney, New York und London schließlich in Berlin gelandet. Wie ist Berlin im Vergleich zu diesen Städten? Und wo fühlst du dich am wohlsten?
Ich habe an diesen Orten in verschiedenen Lebensphasen gewohnt und mich als Person entwickelt, wenn du es so ausdrücken willst. Aber Berlin gefällt mir bisher am besten. Es ist hardcore, aber so wurde ich noch nie inspiriert.

Kannst du das genauer erklären?
Das ist schwierig zu erklären. Ich hinterfrage meine Existenz und meinen Sinn, warum ich auf der Welt bin und versuche, mich nicht von oberflächlichen, materialistischen Dingen inspirieren zu lassen.

Wie unterscheiden sich die queeren Szenen in den Städten?
Ich weiß nicht, hat Berlin eine queere Szene?

Die ganze Stadt ist queer, oder?
Ja, sie ist eine riesige queere Blase. Ich bin zwar drin, aber verbinde mich nicht wirklich, sondern mache einfach mein Ding. Ich möchte Teil davon sein, aber auch nicht dadurch eingeengt werden.

Die Leute in Berlin kennen dich als Mikey, die Bitch an der Tür, oder als fabulöse Dragqueen, aber auch als genderfluide Person. Sie wissen aber wenig über dich als Musiker. Was denkst du darüber?
Ich mag es irgendwie, dass die Leute nicht wissen, dass ich Musik mache. Wenn sie zu einer Performance oder zum Konzert kommen, habe ich die Chance, sie zu überraschen. Ich glaube, dass die Leute, die mich nur als Bitch an der Tür sehen, nichts Besseres zu tun haben und auch nicht wirklich mein Publikum sind! [Lacht] Ich mache einfach mein Ding und konzentriere mich darauf. Mich interessiert nicht, wie mich andere wahrnehmen.

Was können wir von deinem Auftritt beim Yo! Sissy Festival erwarten?
Es wird zum Großteil neues Material zu hören geben, das ich im letzten Jahr geschrieben habe, aber auch ältere Sachen. Wir werden es mixen und versuchen, eine nette Balance aus akustisch und elektronisch hinzubekommen. Und natürlich auch etwas von der neuen EP, an der ich gerade arbeite. Ich möchte die Sachen ausprobieren und ein bisschen R'n'B aus den 90ern spielen.

Du arbeitest an einer neuen EP mit meiner anderen Hälfte Jane von Evvol. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Die Chemie zwischen uns stimmt und wir haben dieselbe Wellenlänge. Sie versteht mich, das ist ganz natürlich!

Würdest du sagen, dass es ein Ding zwischen Australiern ist?
Nein, das glaube ich nicht. Wir möchten beide gute Musik machen, die nicht nur Musik für Poser oder Leute ist, die einfach die Musik nur gut finden, weil sie anders ist. Wir wollen gute Songs schreiben, die berühren und mehr bieten als nur andere Frequenzen.

Deine Songs sind sehr persönlich. Welche Themen erkundest du auf deiner EP?
Ich befinde mich gerade in einer neuen Lebensphase. In meinen aktuellen Sachen hinterfrage ich das Gender-Konstrukt und reiße Mauern ein. Bei den älteren Sachen ging es um Einsamkeit und meine Probleme damit — einfach, dass ich mich Fehl am Platz gefühlt habe. Ich habe begriffen, dass Einsamkeit gar nicht so schlecht ist. Du musst sie einfach akzeptieren und dich damit anfreunden. Nur dann kannst du als Musiker wachsen.

Du hast so viele Talente. Warum hast du dich für die Musik entschieden?
Musik ist die Sache, in die ich all meine Talente packen kann. Ich kann Musikvideos drehen, die Choreografie entwickeln und die Songtexte schreiben. Die Frage ist nicht, warum ich Musik mache, ich muss es einfach tun. Ich habe mir das nicht ausgesucht, sondern lerne mich so selbst kennen. Das Songwriting ist für mich wie eine Therapie: Ich lerne Dinge über mich selbst.

Vielen Dank, Mikey. Ich freue mich auf deinen Auftritt beim Yo! Sissy Festival. Wann trittst du auf?
Danke Julie! Ich trete am Samstag um 22:30 Uhr auf der Sugar-Rush-Bühne auf.

Das Yo! Sissy Festival findet am 28.07 und 29.07 im Festsaal Kreuzberg statt. Zu sehen gibt es Performances von Vitalic, Planningtorock, Chicks on Speed, Gurr, Lotic und vielen mehr. Alle Informationen findest du hier

Credits


Interview: Julie von Evvol
Foto: Rebecca Dorothy