kristen liu-wongs illustrationen stecken voller erotik, horror und gewalt

Die Künstlerin malt Frauen so, wie sie sind. Und manchmal wollen Frauen eben auch einfach mal die Welt terrorisieren.

von Wendy Syfret
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18 Februar 2016, 12:05pm

All Fotos. Kristen Liu-Wong

Kristen Liu-Wong ist eine in L.A. lebende Künstlerin, die bunte Bilder von Frauen und Tieren malt. Wenn du nach diesem Satz denkst: „Schon wieder eine, die denkt, sie kann malen, weil sie hübsche Bildchen von süßen Pferdchen nachmalen kann", dann liegst du nicht ganz falsch. Aber neben den süßen Pferdeschwänzchen und Hundewelpen spricht die Künstlerin in ihren Bildern Themen wie Sex, Gewalt, Gender, Missbrauch, Fetische und Science-Fiction an. Ihre Frauen sind lustig, aber genauso gefährlich, gewaltbereit, verwirrt und verletzlich. Wenn man mit ihr spricht, begreift man, wie viel von dir selbst im Bild von der Frau mit einem Laser oder vom Bild der Frau beim Aliensex steckt. Ihre Kunst ist komplex und aufregend—genauso wie Frauen eben auch sind.

Als ich mich auf dieses Interview vorbereitet habe, musste ich immer daran denken, wie sehr deine Bilder eine Mischung aus Erotik und Horror sind.
In meinem Kopf und in unserer Kultur sind diese beiden Welten auch miteinander verbunden. Das Gefährliche ist verlockend und sehr anziehend. Beide haben etwas Mystisches und Unbekanntes. Teil der Erklärung liegt im Fantasieaspekt. Wenn mir jemand ein Messer an meine Kehle beim Sex hält, dann wäre das im wahren Leben natürlich total schrecklich. Sex kann gefährlich sein und das interessiert mich.

Deine Frauen spielen die Verführerische, sind aber gleichzeitig auch ziemlich gewalttätig.
Ich porträtiere gerne Frauen, die einerseits anziehend sind, andererseits genauso einschüchternd. Das finde ich interessanter. Wenn ich nur Frauen darstellen müsste, die nur sexy sind und nichts weiter, dann wäre ich ziemlich gelangweilt. Dadurch, dass ich ihnen eine geheimnisvolle oder gewaltsame Aura gebe, verleihe ich ihnen komplexere Persönlichkeiten. Auch wenn die Figuren sexy sind, verpasse ich ihnen oft beängstigende, schwarze Augen oder unreine Haut, also etwas, was visuell das Sexuelle konterkariert.

Wie viel von dir selbst steckt in den Bildern?
Im wahren Leben bin ich ziemlich passiv. Ich male daher gerne dominante Amazonen, die die Kontrolle besitzen.

Einige deiner Bilder behandeln das Thema sexuelle Gewalt. Erzähle mir mehr über die größere Narrative, die du damit ansprechen möchtest.
Wie ich bereits sagte, die beiden Themen sind miteinander verbunden, deswegen musste ich das Thema sexuelle Gewalt direkt ansprechen. Vielleicht porträtiere ich gerade deshalb sehr starke Frauen, die das Sagen haben. Wir werden so oft zu Opfern gemacht und wir werden oft gequält. Durch diese super dominanten weiblichen Figuren möchte ich zeigen, wie stark wir sein können.

Mir scheint es fast so, dass du eine konkrete Frau im Kopf hast, wenn du malst. Kannst du uns mehr über diese Frau verraten?
Seit Kurzem male ich die Bildreihe Space Witches. Sie sind alles, was ich auch bin, und was ich sein möchte. Sie können grausam und gewalttätig sein, aber sie können auch zart und ihrer Umgebung komplett hilflos ausgeliefert sein. Sie sind gleichzeitig sexy und hässlich. Viel von ihrer Anziehungskraft hängt von der Stärke und Verletzlichkeit ab, die sie zeigen.

Frauen werden kaum als Aggressoren dargestellt. Möchtest du mit deinen Bildern diese Denkweise ändern?
Ja! Ich bin es leid, dass Frauen als dumm, als hübsche kleine Dinger dargestellt werden. Wir sind Menschen. In uns steckt das Potenzial, gut und schlecht, aggressiv und unterwürfig, schön und hässlich zu sein.

Wir haben viel über Frauen gesprochen, aber Tiere kommen auch oft in deinen Bildern vor.
Ich habe Tiere schon immer geliebt und sie geben mir im Leben so viel Halt. Ich finde es wichtig, sie in meinen Bildern zu zeigen, weil sie auch Teil meiner realen Welt sind. Außerdem haben Tiere auch diese alten symbolischen Bedeutungen, die dem Bild noch eine weitere Bedeutungsebene verleihen.

In letzter Zeit male ich viele Schlangen, nicht nur weil sie großartig aussehen, sondern auch weil sie für viele Eigenschaften stehen: das Böse, Sex, Wissen und Gefahr. All diese Assoziationen entstehen, wenn Leute ein Bild von einem Mädchen mit einer Schlange sehen.

Tiere sollten mehr respektiert werden. Deshalb stelle ich sie immer auf ihre eigene Art und Weise stark da. Üblicherweise werden sie als loyale Freunde oder Trostspender für andere dargestellt. Manchmal sind sie auch Beschützer. Wenn sie in meinen Bildern gequält werden, dann will ich damit nur die Grausamkeit zeigen, wenn man einem verletzbaren Wesen Schmerz zugefügt.

@kliuwong

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Credits


Text: Wendy Syfret
Illustrationen: Kristen Liu-Wong

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