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pop-newcomer declan mckenna über den optimismus der jugend

Der englische Popstar kann mehr als einfach nur gute Musik machen. Wir haben den 18-Jährigen vor seinem Auftritt im Berliner Frannz Club zum Interview getroffen, um uns mit ihm über all die wichtigen Dinge zu unterhalten, die er in seinen Liedern...

von i-D Staff
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21 Februar 2017, 2:25pm

Enthusiastisch, melancholisch und verwirrend sind die Worte, mit denen der 18-jährige Declan Mckenna seine Musik beschreibt, als er über die großen Gefühle hinter seinen Songs spricht. Schon früh hat der Engländer damit begonnen, Texte zu schreiben, mittlerweile findet er sich im Line-up bekannter Festivals wie dem Coachella wieder. Doch seine Popsongs greifen nicht einfach nur in die Friede-Freude-Eierkuchen-Kiste. Nein, seine Musik geht tiefer, sie kratzt nicht nur an der Oberfläche, regt zum Nachdenken an und lässt einen erstaunt über so viel Reife zurück. Sein Appell gegen das Schubladendenken, seine intensive Auseinandersetzung mit den wichtigen Dingen im Leben und die Unverfälschtheit seiner Lyrics sind die Eigenschaften, die wir so an ihm schätzen. Deshalb konnten wir es kaum erwartet, McKenna vor seinem Konzert im Frannz Club zu treffen, um uns mit ihm über das Jungsein und die Probleme der Mainstream-Medien zu unterhalten.

Letzten Monat haben wir dein Video zu „The Kids Don't Wanna Come Home" veröffentlicht. Du singst die Zeile „I don't know what I want I am completely honest". Gibt es irgendwas im Leben, worüber du dir absolut sicher bist?
Ich könnte jetzt einen auf Nihilisten machen, aber das werde ich nicht [Lacht]. Es ist schwierig, weil alles einfach sehr instabil sein kann und am nächsten Tag vielleicht nicht mehr existiert. Besonders in letzter Zeit haben wir gesehen, wie instabil die Gesellschaft sein kann. Ein einziges Event, wie eine Hals-über-Kopf-Entscheidung in der Politik, kann der Auslöser für eine krasse Veränderung sein. Du kannst dir über die Dinge jetzt in diesem Moment sicher sein, aber ob sie für immer so bleiben werden, weißt du nicht.

Wie würdest du die junge Generation von heute beschreiben?
Verwirrt und unsicher. Es gibt so viele Dinge, die einem heutzutage zugänglich sind. Man muss sich gar nicht mehr bewegen, um das alles zu sehen, ob Gutes oder Schlechtes. Es gibt unterschiedliche Signale, man weiß nicht genau, wie die Zukunft aussieht und eine am Computer bearbeitete Welt. Das sind Dinge, die die Menschen schnell sehr unsicher gegenüber sich selbst und ihrer Zukunft werden lassen. Sie sind einfach von allem verwirrt, besonders vom Internet. Das ist schon erschreckend, aber ich versuche, nicht die Hoffnung zu verlieren.

Was bedeutet es für dich, heutzutage jung zu sein?
Leute nehmen einen oft nicht ernst, egal was man macht. Für mich bedeutet es aber auch Optimismus. Klar, gerade passieren viele schlimme Dinge, aber ich bin auch wirklich sehr gespannt. Schließlich wachse ich in einer Welt auf, die in Bezug auf Wissenschaft und Technologie immer besser wird, und das stimmt mich optimistisch, weil ich glaube, dass im Großen und Ganzen alles besser wird.

Gibt es eine Regel, die du befolgst, wenn du Songs schreibst?
Nicht wirklich. Klar, ich schreibe Popsongs, also gibt es eine Art Struktur, aber je mehr ich schreibe, desto weniger achte ich darauf. Manchmal lese ich auch einfach nur einen Artikel und denke mir: „Was zur Hölle geht gerade ab?", aber im Grunde genommen kann es einfach immer passieren, das mir spontan etwas einfällt. Manchmal ist es sehr spontan, aber manchmal dauert es Monate, bis man versteht, worum es einem eigentlich ging, weil man das einfach geschrieben hat, was man wollte. Ich versuche einfach, drauflos zu schreiben und nicht zu viel darüber nachzudenken, was die Leute später darüber denken werden. Es muss einem schließlich ja selbst gefallen, sonst glaubt man auch nicht daran, dass es andere andere mögen.

Dein Lied „Paracetamol" handelt davon, dass Transgender-Teenager in den Medien falsch dargestellt werden. Was glaubst du, was wir dagegen tun können?
Wir müssen einfach darüber reden. Wenn es negative Kommentare zu Transgender gibt, heißt das, dass die Leute, die so etwas in die Welt setzen, einfach nicht genug darüber informiert sind, weil niemand mit ihnen redet. Darüber wird mit einem nicht in der Schule gesprochen und man sieht es auch nicht in den Mainstream-Medien und wenn doch, dann einfach nicht sehr gut oder sehr taktlos dargestellt. Es verändert sich gerade einiges, aber es braucht trotzdem immer noch mehr positive Diskurse darüber. Das ist der einzige Weg, damit sich etwas verändert. Ich bin ein Optimist und die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung. Es ist sehr viel besser als noch vor 50 Jahren.

@thedeclanmckenna

Credits


Text: Juule Kay
Fotos: Marius Knieling