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juste un clou - wie design alltagsgegenstände ins rampenlicht stellt

Écrou de Cartier ist das neueste Mitglied der legendären Juste un Clou Familie. Anlässlich dessen blicken wir zurück auf die Geschichte der kleinen Dinge, die durch Design plötzlich viel mehr wurden, als wir zuerst in ihnen gesehen haben.

von i-D | Anzeige
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25 Mai 2017, 10:15am

Mode und Design schaffen es immer wieder, die Kostbarkeit des Alltags einzufangen, die kleinen Dinge ganz groß zu machen und ihnen eine Bedeutung ganz abseits ihres normalen Gebrauchs zu geben. Eines der beeindruckendsten Beispiel hierfür bringt uns zurück in die 70er, als der italienische Designer Aldo Cipullo den Nagel für Cartier radikal aus seinem praktischen Umfeld hob und in ein elegantes Luxus-Accessoire verwandelte. Der rebellische Armreif gab jenem oft übersehenen Objekt, dem Nagel, plötzlich eine Bühne und unverhoffte Wertschätzung.

Die Hervorhebung der scheinbar kleinen Dinge im Leben trifft mehr denn je den Nerv der Zeit. Unsere Generation ist zwischen dem Wertesystem unserer Eltern, das auf Tradition, auf Qualität und das altbewährte Handwerk beruht, und unserem eigenen Wertesystem, das wir selbst erschaffen haben und das mit Innovationen etwas bewirken und unsere Individualität betonen will, hin und her gerissen. Wir wollen die neuesten Trends, doch in alter Qualität. Wir wollen individuell aussehen, doch uns sicher fühlen. Wir wollen den modernen Lebensstil, doch unsere Wurzeln nicht vergessen.

Die Betonung von Alltagsgegenständen im Design ist nur eine logische Konsequenz aus diesem allgegenwärtigen Gefühl. Der legendäre Juste un Clou hat seit diesem Jahr ein neues Mitglied in der Schmuckfamilie: Écrou de Cartier. Anlässlich dessen blicken wir zurück auf die Geschichte der Alltagsgegenstände, die in der Mode plötzlich ganz groß wurden.

Nur ein Knopf

Ein Jahrzehnt nachdem Cartier mit seinem revolutionärem Nagelarmreif Erfolg feierte, näherten sich auch andere Designer Alltagsgegenständen an, die sonst einfach für selbstverständlich genommen wurden. Cartier war somit ein Vorreiter für viele neue Trends und innovative Designs. Auch Franco Moschino folgte dem Beispiel Cartiers und kreierte eines seiner wiederkehrenden Merkmale, die ihn stets von anderen Fashion-Designern, abgrenzten: seine übergroßen Knöpfe, ein klassischer Alltagsgegenstand in Szene gesetzt.

Der Knopf erlebte so eine Renaissance. Während er Anfang 1900 noch einen extrem hohen Stellenwert in der Gesellschaft hatte, wurden er im Laufe des Jahrhunderts lediglich auf seine Funktionalität reduziert. Damals waren Knöpfe als Teil von Schmuck eine Investitionsmöglichkeit und ein Wertesystem in sich. Noch bevor es Banken gab, wie wir sie heute kennen, investierten reiche Leute ihr Geld in Schmuck und Knöpfe. Es gab güldene Knöpfe, silberne Knöpfe, Knöpfe aus Porzellan oder Diamanten. Wer wertvolle Knöpfe trug oder in seiner Schmuckdose aufbewahrte, konnte ein gutes Leben führen. Aus dem Statussymbol wurde jedoch ein reguläres Alltagsobjekt, das lediglich ein Hemd zusammenhalten sollte.

Spult man einige Jahrzehnte nach vorne, landet man in den späten 1980ern Jahren und bei der ersten Knopf-Renaissance. Unter anderem präsentierte Oscar de la Renta als Head of Haute Couture bei Balmain 1989 eine Kollektion, die den Knopf ins Rampenlicht stellte. Nur ein paar Jahre später setzten auch andere Kollektionen aus der Haute Couture auf Oversized-Buttons. „Ich bin kein Modedesigner. Ich bin ein Maler, ein Dekorateu.", sagte Moschino einst. „Ich bin nicht der Autor einer neuer Ära." Dafür schreibt der Alltag unsere Geschichte immer wieder neu.

Nur ein Nagel

Der Nagel gehört zu den ältesten Werkzeugen der Welt und hat schon vor Christi die Welt und deren Erzeugnisse zusammengehalten. Welcher andere Alltagsgegenstand verdient es also so sehr wie der Nagel, einen modischen Schrein zu erhalten? Cartier hat sich dem Nagel als erstes radikal angenähert und aus ihm die legendäre Juste un Clou-Kollektion kreiert. Damals, in den 1970ern, stand der unkonventionelle Armreif für Freiheit. Inspiration war das sagenumwobene Studio 54 in New York und die mystischen Geschichten, die sich darum drehten. Der Nagel von Cartier verkörperte dieses Lebensgefühl gebündelt in einem Schmuckstück. Für seine Träger wurde es Ausdruck von Individualität, von Energie und einer rebellischen Attitüde. Die Eleganz des Schmuckherstellers spielte mit der Rebellion der jungen Menschen und nahm den Nagel als Symbol dieses energiegeladenen Zusammenspiels.

Heute ist dieses Zusammenspiel relevanter denn je: Wir sehen eine Rückkehr der Handwerkskunst, die Schreinerei erlebt einen unverhofften Aufschwung und die Wertschätzung für handgemachte Produktionen wächst. Junge Leute nehmen wieder gerne Werkzeug in die Hand und lassen die alten Werte auf ihre ganz eigenen Art aufleben. Tradition wird zur Moderne. So macht es auch Cartier und erweitert seine Reihe, die damals aus der ungezügelten Energie der Siebziger geboren wurde, um ein weiteres Schmuckstück: Écrou de Cartier. Der neueste Zugang ist ein Armreif, der die Schraubenmutter in den Fokus rückt. Das Design besticht mit einem durchgehenden Gewinde, auf dem fünf drehbare, individuelle Muttern angeordnet sind.

Zu dem Launch des neuen Armbands hat Cartier eine thematisch passende Ausstellung mit dem puerto-ricanischen Künstler Desi Santiago ins Leben gerufen. Die Inszenierung verwandelte die Mailänder Galerie Garage San Remo in eine Autowerkstatt mit Fahrzeugen, Felgen und Werkzeugen und war somit die perfekte Verschmelzung von junger Kultur, Rückbesinnung auf Tradition und Kunsthandwerk. Gleichzeitig strahlte der Ort des Handwerks in einer luxuriösen Lichtinstallation. Er erinnerte an einen Nachtclub, eine schöne Hommage an das Studio 54 und den Ursprung der Schmucklinie. Die Geschichte von Cartier zeigt, dass die Betonung von Alltagsgegenständen im Design kein neues Phänomen ist, sondern eine lange Tradition hat, die gepflegt werden sollte.

Nur ein Reißverschluss

Ein weiterer Gegenstand, der durch die Mode überraschend eine größere Rolle bekommen hat, zeichnete sich durch enorme Funktionalität aus: der Reißverschluss. „When the ordinary becomes the precious": Cartier trifft mit seinem Slogan für die Neuinterpretation von Juste Un Clou den Nagel auf den Kopf. In der Mode kommt es schließlich auf den Betrachter an. Nur mit Kreativität und Vorstellungskraft schafft es der Designer, die wahre Schönheit der simpelsten Gegenständen festzuhalten. So wie beim berühmten Nagel verhält es sich auch bei dem Reißverschluss. Erst über die Jahre wurde aus reiner Funktion ein Fashion-Statement. Viele große Modehäuser stellen den Verschluss in den verschiedensten Formen ins Rampenlicht.  

Erfunden wurde der Reißverschluss Anfang des 20. Jahrhunderts. Aufgrund der mangelnden Qualität der Prototypen, wurde er erst in den späten 30ern für Schuhe und Klamotten verwendet. In Deutschland wurde er als „Blitzverschluss" bekannt, später setzte sich allerdings der Begriff „Reißverschluss" durch.

Und natürlich hat es sich die Mode nicht nehmen lassen, diesen Gebrauchsgegenstand auch dekorativ zu verwenden und ihn ins Rampenlicht zu zu stellen. Die Verschlüsse wurden farbig, überproportional groß, hatten auffällige Henkel oder wurden zum zentralen Element ganzer Kollektionen. Unvergessen bleibt die Frühlingskollektion mit dem „Zipper Collar" von Junya Watanabe im Jahr 2005; ebenso die Gareth-Pugh-Kollektion aus dem Jahr 2008, in der es schien, als würde der Zipper den anderen Alltagsgegenständen den Krieg erklären wollen. So eine starke Erscheinung eines Alltagsgegenstand hatte die Modebranche zuletzt bei Juste un Clou in der 70ern gesehen. Aus reiner Funktionalität wurde innerhalb eines Jahrhunderts ein modisches Feature.

Nur eine Sicherheitsnadel

Der Nagel und die Nadel sind nicht nur verwandt, sie haben auch eine ähnlich intensive Liebesgeschichte mit der Mode, die weit in die Vergangenheit reicht. Während der Nagel vor allem von Cartier ins Rampenlicht geholt wurde, ging die Stecknadel einen langen Weg bis sie in der High Fashion angekommen war. Es begann alles mit der Punkbewegung.

Ihr Debüt in der Mode hatte die Sicherheitsnadel in den frühen Siebzigern, vor allem dank Vivienne Westwood und den Sex Pistols. Besonders die ikonischen Poster, die Jamie Reid für die Band entwarf, setzte die Sicherheitsnadel kulturell in Szene. Ein Jahrzehnt später war sie zum ersten Mal der Mittelpunkt eine Kleidungsstücks, als Stephen Sprouse 1987 ein Kleid aus Safety Pins entwarf. Der endgültige Durchbruch kam aber erst im Jahr 1994, als Liz Hurley in einem Sicherheitsnadel-Versace-Kleid auf die Premiere des Films Vier Hochzeiten und ein Todesfall erschien und alle Blicke auf sich zog. Der Auftritt, das Kleid und die Sicherheitsnadel wurden so ikonisch, dass Donatella Versace und Anthony Vaccarello 2015 eine Neuauflage entwarfen. Viele Designer folgten in den Jahren darauf dem Trend der Alltagsgegenstände. Doch nicht nur die Klamotten wurden von den Sicherheitsnadeln dominiert, auch als Schmuck wurde der einstige Alltagsgegenstand wiederholt eingesetzt. Von Alexander McQueen über John Galliano bis hin zu der Stylistenlegende Judy Blame: Die Sicherheitsnadel ist die heimliche Muse der Modewelt.

Viele Alltagsgegenständen wurden durch Design und Mode neu definiert und auf eine andere Bedeutungsebene gehoben. Der Nagel ist nicht nur ein Nagel, er ist der der geschickte Ansatz eines Kunsthandwerkers, eines Zauberers und Créateurs. Mit der Einbindung des Alltags in die hohe Kunst der Mode sehen wir seit Jahrzehnten eine elegante Verschmelzung aus Handwerk und Kunst, die sonst nur wenige Schmuckstücke und Kleider transportieren können. Cartiers Juste un Clou machte in den Siebzigern den Anfang, viele ikonische Alltagsgegenstände folgten. Die kleinen Dinge im Leben wurden plötzlich ganz groß. Warum sollten sie es auch nicht sein? 

Credits


Text: Viola Funk
Collagen: Valerija Ilcuka