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was jack antonoff von den kreativen frauen in seinem leben gelernt hat

Während wir die Tage bis zur Veröffentlichung des zweiten Albums “Gone Now“ seiner Band Bleachers zählen, haben wir uns mit Jack über die Zusammenarbeit mit Lorde, seine Beziehung mit Lena Dunham und darüber unterhalten, warum er in einer so stark von...

von Frankie Dunn
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12 Mai 2017, 1:40pm

Jack Antonoff hat sehr viel mit eurer Lieblings-Popmusik zu tun. Vielleicht hat er einfach ein Gespür für die ultimativen Ohrwürmer mit diesem coolen 80er Jahre Touch, oder er ist einfach unglaublich gut darin, großartige Künstler auszusuchen, mit denen er zusammenarbeitet. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beidem. Seine musikalischen Partner sind so gut wie immer Frauen, und das ohne jegliche Hintergedanken. Seine Songs schreibt er mit einer weiblichen Stimme im Hinterkopf, und er hasst die draufgängerische Art männlicher Künstler, die sich im Tonstudio und allgemein in der Musikbranche oft in den Vordergrund drängt.

Jack hat bereits drei Grammy Awards gewonnen und als Co-Autor und Produzent an Lordes neuem Album Melodrama gearbeitet, das am 16. Juni erscheint. Die Chancen stehen also ganz gut, dass er schon bald noch mehr Auszeichnungen abräumen wird. In einem Interview mit iheartradio hat Lorde selbst kürzlich gesagt, er sei "der Beste und eine der merkwürdigsten Personen, die ich je kennengelernt habe. Er ist total er selbst, und das finde ich fantastisch." Und genau das ist es. Oft interviewt man Leute, die einfach nicht sie selbst sind und nur von ihrem Management und den Medien vorgegebene Antworten abspielen. Jack aber ist total authentisch, und dazu gehören auch die merkwürdigen Kommentare, die er manchmal eben so macht.

Auch für Taylor Swifts Album 1989, sowie für Zayn, Fifth Harmony, Tegan and Sara, Sia und viele andere Stars hat er Songs geschrieben. Und auch in der Serie Girls hatte er seine Finger im Spiel; im Gegenzug dafür führt Lena Dunham bei Musikvideos für seine Band Bleachers Regie. Das erste Mal haben wir uns 2015 mit ihm über sein nostalgisches und euphorisches Debütalbum Strange Desires unterhalten, auf dem unter anderem Yoko Ono und Grimes zu hören sind. Sein zweites Album, Gone Now, erscheint am 2. Juni, aber wahrscheinlich habt ihr alle schon die ersten zwei veröffentlichten Singles "Hate That You Know Me" (mit Carly Rae Jepsen) und "Don't Take The Money" gehört (das von Lorde geschrieben wurde und eines der witzigsten Musikvideos hervorgebracht hat).

Vor ein paar Tagen haben wir Jack in einer gemütlichen Ecke einer Londoner Hotel Lounge getroffen, um uns mehr über die wichtigsten kreativen Frauen in seinem Leben erzählen zu lassen und was er sich von ihnen abschauen konnte.

An erster Stelle steht meine Schwester.
Sie ist Designerin, und schon davor einfach ein unglaublich kreatives Ideenbündel gewesen. Bei ihr hat man immer das Gefühl, dass man alles schaffen kann. Wenn du eine Idee hast, mach es einfach. Es beginnt mit einem Konzept, und entweder traust du dich, es umzusetzen oder nicht. Diese Einstellung habe ich von ihr, ich habe mein Selbstvertrauen also dank meiner älteren Schwester. Wenn man von solchen Leuten umgeben ist — und sie hinter einem stehen, auch wenn sie gerade vielleicht nicht vor Ort sind — ,hat man das Gefühl, dass es in Ordnung ist, Projekte voranzutreiben, die andere vielleicht als absurd abstempeln.

Und dann wäre da noch meine Partnerin, die eine unglaublich mutige Frau ist.
Die Art und Weise, wie Lena ihre Serie schreibt und wie ich mit wirklich genialen Künstlerinnen zusammenarbeite, ähneln sich sehr stark. Ich arbeite so viel mit Frauen zusammen, vielleicht deswegen, weil ich mit Schwestern und einer sehr liebevollen Mutter aufgewachsen bin. Wenn ich schreibe, stelle ich mir meistens eine weibliche Stimme dazu vor — normalerweise habe ich auch beim Singen eine weibliche Stimme im Hinterkopf. Ich glaube, dass ich deswegen so gut mit Frauen Texte schreiben kann.

Ich liebe es, mit Frauen im Tonstudio zu sein.
Ich hasse männliche Draufgänger. Kunst ist ein so zerbrechlicher Prozess. Man versucht immer, über etwas zu sprechen, worüber man eigentlich gar nicht sprechen kann; zum Beispiel eine ganze Erfahrung aus dem Leben zu beschreiben oder etwas, das einen total verletzt oder unglaublich glücklich gemacht hat, in wenige Worte und Klänge zu verpacken. Wenn ich mit einer Frau im Studio bin, fühlt sich dieser Prozess irgendwie viel einfacher an. Viele Frauen, die ich kenne und die sehr erfolgreich sind, lassen sich den Erfolg aber nicht zu Kopf steigen. Es ist einfach eine sehr große Verantwortung, weiterhin seine Geschichten zu erzählen.

Ich fühle mich in der Gesellschaft von Frauen wohler.
Ich glaube, dass Männer aus irgendwelchen Gründen allgemein mehr in sich gekehrt sind. Heutzutage vielleicht weniger als früher, aber es gibt Erwartungen an Männer, die unser Geschlecht total kaputt gemacht haben und wodurch wir das Gefühl haben, dass es uncool ist, Emotionen zu zeigen — vor allem in der Musik. Viele der Klischees über Frauen gibt es auch im Studio. Sie schaffen es besser, bestimmte Emotionen rüberzubringen und authentisch zu wirken und haben nicht so viele Hemmungen. Ich glaube, dass viele Männer sich schämen, und Scham ist definitiv kein guter Freund beim Schreiben von Songs. Daraus entsteht nichts Inspirierendes. Ich meine, jeder von uns hat diese Hemmungen, aber wenn man sich hinsetzt und ein Lied schreiben will, ist da einfach kein Platz für Scham. Die Leute wollen eure Ehrlichkeit hören, nicht eure Scham.

Ich kenne Kate Bush zwar nicht, aber ich habe sehr viel aus ihren Liedern gelernt.
Künstlerinnen wie Kate Bush geben mir Kraft, daran zu glauben, dass selbst die ungewöhnlichste Stimme oder Geschichte von den Leuten verstanden werden kann. So geht es mir zum Beispiel bei Björk. Diese Künstler beweisen, dass Leute klug sind, und dass man ein Gespräch mit der Öffentlichkeit führen kann, wenn man sie auch so behandelt. Das sind zwei Leute, die einen riesigen Einfluss auf meine Arbeit gehabt haben, obwohl ich sie nie persönlich kennengelernt habe. Es ist eine merkwürdige Psycho-Beziehung, bei der man das Gefühl hat, man würde jemanden kennen, weil man sich irgendwann total mit den Geschichten, die sie erzählen und den Klängen, die sie erschaffen, verbunden fühlt.  

Ich bin ein Riesen-Fan von Carly Rae Jepsen.
Wir haben in letzter Zeit sehr oft zusammengearbeitet. Ihr gelingt es so gut, diese euphorischen Klänge mit ihren ehrlichen, tiefsten Gefühlen zu verbinden — das kann einen total überwältigen, wenn man richtig hinhört. Es ist ähnlich wie bei Robyn.

Robyn ist so eine tolle Powerfrau.
Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich ihre Musik gehört und mich total erleichtert und frei gefühlt habe; als könnte ich plötzlich Dinge sagen, die ich davor nicht sagen konnte, weil sie diese in Worte gefasst hat. Das ist die Stärke eines guten Songs. Wenn man über alles, was im eigenen Leben passiert ist, spricht, und es als eine Art Doku über sich selbst und seine Musik an die Leute bringt. Diese Kultur der herzzerreißend-fröhlichen Lieder, diese Mischung aus Euphorie und tiefer Traurigkeit. Es ist ein sehr weiblich geprägtes Musikgenre, aus dem ich mir sehr viel abgeschaut habe; es ist der Kern von allem, was Bleachers ausmacht.

Ich habe bei vielen Songs für Girls mitgewirkt und auch viele zusammen mit Künstlerinnen geschrieben.
Eines habe ich zum Beispiel mit Grimes geschrieben, eines mit Banks, und eines mit Julia Michaels. Manchmal habe ich Lena zuhause Songs vorgespielt und gesagt: "Ich weiß nicht so recht, was mit diesem Song passieren soll." Und sie hat dann gesagt "Bitte gib ihn mir!" Die meisten haben sich gefreut und waren total aufgeregt, dass ihr Lied in die Serie kommen sollte. Es ist ein toller Ort für die Lieder, und sie bedeuten mir sehr viel. Es gibt einen, den ich mit BANKS geschrieben habe, er heißt Crowded Places. Er ist gerade erst rausgekommen und war in einer der letzten Folgen zu hören. Es war ein ganz besonderer Song, der nicht ganz zu Banks' Album gepasst hat, aber Lena hat eine Szene gefunden, die dafür wie gemacht war.

Ich habe mit Lorde an ihrem neuen Album gearbeitet, und es war eine tolle Erfahrung.
Sie ist eine beeindruckende Künstlerin. Wir haben zwei Jahre daran gearbeitet und so viel Zeit miteinander verbracht, dass uns ganz klar war, was wir machen und warum es so wichtig ist, die Texte so zu schreiben, wie sie sind, und die Musik so klingen zu lassen, wie sie sich jetzt im Endergebnis anhört. Wir haben einen sehr ähnlichen Stil. Auch auf dem Bleachers-Album kann man den Einfluss von Lorde hören, ebenso den von Carly.

Eine andere sehr wichtige, kreative Frau in meinem Leben ist meine Toningenieurin, Laura Sisk.
Sie ist die einzige andere Person, die während der Aufnahmen mit mir im Studio ist. Ich habe kein Team oder so, es ist ein sehr ruhiger, einsamer Prozess. Laura macht alles, und das sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre im Studio. Wenn zu viele Männer im Studio sind, fühlt es sich irgendwie nicht mehr wie ein Safe Space an. Es gibt nicht viele Frauen, die sich mit den technischen Aspekten der Musik beschäftigen. Laura ist wirklich genial, sie ist die beste Toningenieurin, mit der ich je zusammengearbeitet habe. Jedes Lied, das ich aufgenommen habe, wurde von ihr überarbeitet. Wirklich jedes. 

Credits


Text: Frankie Dunn