fotografin viviane sassen über ihre zusammenarbeit mit frank ocean

Wir haben mit ihr über die Bedeutung von Spontanität gesprochen und warum es manchmal besser ist, die Dinge nicht mit zu viel Theorien zu überfrachten.

von Alyssa Pereira
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15 November 2016, 2:50pm

Viele Aufnahmen der aktuellen Fotoserie UMBRA aus dem Jahr 2015 der niederländischen Fotografin handeln von Schatten und zeigen düstere Themen wie Tod und Verlust. Das Besondere an Viviane Sassens Arbeiten sich die lebendigen Farben, die Momentaufnahmen der Menschen, die sie während ihrer Zeit in Kenia getroffen hat und ihr Gebrauch von leutendem Rosa, Orange und Grün sowie grafischen Prints, Strukturen, Spiegelungen und natürlichen Schatten. Sie machen aus alltäglichen Szenen, ob es sich dabei um eine Person, eine Blume oder ein Stück Holz handelt, eine facettenreiche und surreale Welt der Körperlichkeit, des Menschseins und zeigen die Dissonanzen zwischen Dunkelheit und Licht. Sie hat unzählige Bücher herausgebracht, mehrere Ausstellungen gehabt und sie hat für mehrere Modemagazine, darunter i-D. Für ihre Fotoserie Ultra Violet, die sie in Ghana fotografiert hat, wurde sie mit dem Prix de Rome ausgezeichnet. 

„Es gibt immer diese kleinen Fehler in einem Foto: die Lichter, die Situation—es ist eine Kombination aus diesen beiden", sagt sie. „Ich mag es, dem Unerwarteten Raum zu geben", erklärt die Fotografiedozentin. Wir wollten mehr wissen und haben mit ihr über über die Unvorhersehbarkeit des Lebens, ihre Zusammenarbeit mit Frank Ocean und die Bedeutung von Spontanität gesprochen.

Was rätst du jungen Fotografen? Sollen sie ihre Erfahrungen in ihre Arbeit einfließen lassen, so wie du es auch machst?
Ich sage ihnen das nicht wirklich, weil sie noch so jung sind. Wenn ich sie in ihren Studios besuche, möchte ich ihre Welt verstehen und worum es ihnen mit ihren Werken geht, den Kern ihrer Fotos. Durch die Struktur des Kurses neigen sie dazu, die Dinge mit Theorien zu überfrachten. Am Ende fotografieren wir uns doch alle selbst und viele versuchen, das zu kaschieren, es ist viel Akademikersprech dabei. Das interessiert mich nicht wirklich. Ich möchte das darunter sehen, die Essenz. Also was sie sind und wer sie sind.

Was geht durch zu viel Theoretisieren verloren?
Die Spontanität. Einige verlieren dadurch einfach die Lust, was zu machen. Aber Theorien haben ihre Daseinsberechtigung. Es ist sehr wichtig, erklären zu können, was man wie warum macht, damit man sich in die richtige Richtung entwickeln kann. Doch manchmal verliert man sich dabei. Dann muss man sich von den Theorien lösen und spontaner sein.

Du hast über deine Unterschiede zwischen deinen Arbeiten im Modebereich und deinen Kunstwerken gesprochen. Deine Editorials sind eine Brücke zwischen den beiden Welten, weil mehr darin stecken kann. Kannst du bei Editorials kreativer sein?
Das bin ich. Ich mag das ganze Spektrum, und nicht nur das eine oder das andere. Ein Editorial ist irgendwo zwischen Modefotografie und Kunst anzusiedeln. Es ist für mich ein Ort zum Experimentieren, mehr noch als mit meiner eigenen Kunst, weil, und das hört sich vielleicht komisch an, ich mich nicht sonderlich für Modefotografie interessiere. Ich mache es, weil ich mich die Fotografie daran interessiert. Ich mag die redaktionelle Arbeit, die macht Spaß. Für mich ist es ein Spielplatz, auf dem ich experimentieren und das machen kann, was ich will. Mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, die mich inspirieren, ist doch eine tolle Möglichkeit.

Du hast mit Frank Ocean an seinem Boys Don't Cry-Zine gearbeitet. Wie groß war dein kreativer Spielraum? Hatte er schon eine genaue Vorstellung von dem, was er wollte?
Die Zusammenarbeit war ganz natürlich. Wir sind nach Japan geflogen und haben dort einige Zeit zusammen verbracht. Er interessiert sich sehr für Autorennen und Autos, also haben wir haben mehrere Autorennen besucht. Wir sind einfach losgezogen und haben fotografiert. Wenn ich eine Idee hatte, dann haben wir die umgesetzt.

Es gibt das Foto mit der rosafarbenen Box vor seinem Gesicht.
Ich verdecke oft die Gesichter. Er wollte nicht, die ganze Zeit auf den Fotos zu sehen sein. Wir teilen das Interesse von Gesehen-werden und nicht Gesehen-werden, die Mischung aus öffentlicher Aufmerksamkeit und Privatem. Das ist ein widersprüchliches Gefühl, mit dem wir uns beide identifizieren können. In diesen Fotos versteckt er sich und zeigt sich gleichzeitig. Das hat gut geklappt.

Woran arbeitest du im Moment?
An mehreren Projekten. Vor ein paar Jahren habe ich ein Buch, Roxanne, herausgebracht und wir bringen ein neues heraus, das sich vom ersten komplett unterscheidet. Es wird wieder um sie gehen. Es werden aber mehr Porträts zu sehen sein, mehr Aktaufnahmen und viele neue Aufnahmen. Das Buch wird feministisch und stark. Es erscheint im Februar. 

vivianesassen.com

Credits


Text: Alyssa Pereira
Fotos: Courtesy of Casemore Kirkeby

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