das sind die frauen, die 3d-schmuck für fka twigs und bernie sanders drucken

Holy Faya ist das Projekt von zwei besten Freundinnen und vereint Märchen, die Hacker-Kultur, HipHop und Geschichte miteinander. Wir haben uns mit den Frauen hinter einem der spannendsten Schmucklabel aus New York unterhalten.

von Hannah Ongley
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06 Januar 2017, 2:00pm

Wenn man das Studio von Holy Faya betritt, steht man in zwei Welten gleichzeitig. Draußen rattern die LKWs vorbei und Bauarbeiten stehen rauchend an der Straße. Innen drin stehen 3D-Drucker, sind goldfarbene Grills und Kleider mit per Hand bestickten Pailletten, mit glitzernden Nippelquasten, Kissen in Donutform zu sehen, auf dem Tisch stehen Cookies und Orangensaft, zwei kuschlige Katzen laufen herum und an der Wand schaut Bernie Sanders von einer psychedelischen Wandtapete. Aus einem der 3D-Drucker kommt langsam aber sicher ein neongrünes Staubtuch, bestickt mit #BlackLivesMatter. Die beiden Frauen hinter Holy Faya, Nelly Zagury und Célia Elmasu, sind nach einem Treffen mit einer BLM-Gruppe auf diese Idee gekommen und gerade arbeiten sie mit Afropunk an einem besonderen Schmuckstück. Die beiden in New York lebenden Französinnen haben außerdem bereits an Kreationen für FKA Twigs, Rashaad Newsome und, ja auch, Bernie Sanders gearbeitet.

Die Kreationen von Holy Faya sind irgendwo zwischen Fantasie und Realität einzuordnen, sie verbinden Theatralik mit der Hacker-Kultur, HipHop mit Geschichte und alte Handwerkskunst mit modernen Technologien. Für ihr neuestes Projekt haben sie sich von Beats by Dre zu verzierten und ungegenderten Kopfhörern inspirieren lassen. „Wir haben uns gefragt, was passiert, wenn sich Frauen einer Marke annehmen, die von so vielen verehrt wird", erklären uns Nelly und Célia. Die beiden haben sich vor zehn Jahren bei einem Vorbereitungskurs für die Pariser Kunstakademie kennengelernt. Danach ist jede erstmal wieder ihren eigenen Weg gegangen. Nelly hat Schmuck für Chanel und Lanvin entworfen und Célia hat die Flaschen für den Ciroc-Wodka von P. Diddy entworfen. Célia ist danach ins Silicon Valley gezogen, sich in einen Amerikaner verliebt und ist mit ihm nach New York gegangen. Nelly hat sie in Brooklyn besucht, sich in die Stadt verliebt und hat einen Job beim Künstler Matthew Barney gefunden. Der Rest von Holy Faya ist Geschichte. Wir haben mit Nelly und Célia über Fantasie, Schmuck für FKA Twigs und die New Yorker Ballroom-Szene gesprochen.

Erzählt uns mehr darüber, wie es zur Zusammenarbeit gekommen ist.
Célia: Nelly und ich haben unsere Jobs gekündigt und angefangen, gemeinsam Schmuck zu entwerfen und zu produzieren, weil wir den Produktionsprozess von A bis Z kannten und es selbst mal ausprobieren wollten. Wir lieben Musicals und Märchen. Danach haben wir uns für zwei Wochen eingeschlossen und in der Zeit all den Schmuck gemalt, den die Figuren in unserem Musical tragen sollten. Das waren zwei Wochen vollere Kreativität. Irgendwann haben wir uns gedacht, dass wir die Entwürfe auch umsetzen sollten. Zufällig haben wir danach in einem Technikladen bei mir 3D-Drucker um die Ecke gefunden. Diese Geräte gab es auf der Uni nicht, weil sie ein bisschen langsamer sind. Aber weil die Farbpalette so breit ist, musste ich nicht zweimal überlegen und wollte ihn haben haben. Wir haben mit Halsketten in unterschiedlichen Farben angefangen.

Wir kam es zur Kollaboration mit FKA Twigs?
Nelly: Wir sind einfach auf ihr Konzert gegangen. Sie hat uns zu unserer ersten Schmuckkollektion inspiriert. Die erste Figur, die wir für das Musical gezeichnet haben, war ihr nachempfunden. Wir haben versucht, eine exotischere Variante der Jungfrau Maria zu entwerfen und diese Version sollte eine Frau mit einer gewissen Sexualität haben. FKA Twigs war perfekt dafür. Ihre Ästhetik hat uns so inspiriert, dass wir auf ihr Gesicht nachempfunden und ausgedruckt haben. Wir haben auf das Modell die Kleidung gezeichnet und das heilige Herz der Jungfrau Maria, das Feuer und die heiligen Waffen. Diese Zeichnung hing sechs Monate an der Wand. Dann haben wir gehört, dass sie in Brooklyn auftreten soll. Wir sind dann hingegangen und haben ihr erzählt, wie sehr sie uns zu der Kollektion inspiriert hat. Sie war so süß, sie hat uns umarmt und fand es super. Den Schmuck hat sie sogar auf der Bühne getragen. Sie ist damit ein Risiko eingegangen. Das zeichnet eben eine echte Künstlerin aus, weil sie sich von keiner Person sagen lässt, was sie tragen soll.

Ihr habt mit auch mit #BlackLivesMatter zusammengearbeitet und bereits viele Sachen für schwarze Künstler kreiert. Wie seht ihr als Französinnen das Thema Rassismus und Herkunft im amerikanischen Kontext?
Célia: Wir sind in so einer vielfältigen Stadt aufgewachsen, dass kein Schwarz oder Weiß gab, jeder war einfach französisch. Es gab nie die Einteilung afro-französisch oder weiße Franzosen. Das ist in den USA ganz anders und wir müssen uns noch daran gewöhnen.
Nelly: Wir haben in Frankreich unsere eigenen Probleme. Ich behaupte deshalb nicht, dass es in Frankreich besser ist. Die Geschichte der Segregation ist aber eine andere. Uns ist es wichtig, dass es uns nicht um kulturelle Aneignung geht, sondern dass wir mit dem Schmuck die Leute würdigen, die wir lieben. Das sind Leute, die wir zusammenbringen wollen. Wir gehen sehr vorsichtig mit unseren Models um und wir wissen, woher unsere Inspirationen kommen. Wir schätzen die Kulturen und Szenen, die unsere Arbeiten überhaupt erst ermöglichen. Die Idee hinter Holy Faya ist es, zwei Welten zusammenzubringen. Auf der einen Seite die heilige westliche Kultur, die märchenhafte Seite, und auf der andere Seite die „Faya"-Seite mit dem jamaikanischen Patois. Bei jeder Kreation mischen wir diese Kulturen. Herauskommt dadurch eine Mischung aus ägyptischer Halskette und Pimp, Frankenstein trifft auf Missy Elliott. Unsere Kreationen sollen verschiedene Bedeutungsebenen haben und die Unterschiedlichkeit feiern.

Ihr seid offensichtliche große Fans von Bernie Sanders. Ist die Tapete mit ihm auch das Ergebnis einer Kollaboration?
Célia: Ja, wir haben ein Schmuckdesign mit „Bernie for Democracy" für eine Party, die wir mitorganisiert haben, entworfen. Da haben sogar ein paar große Namen vorbeigeschaut: Susan Sarandon, Gaby Hoffman und Zoë Kravitz. Wir waren für die Installationen verantwortlich, es gab auf der Party einen Drucker und einen Fotoautomaten. Das war das erste politische Event überhaupt von uns und danach wir wollten mehr machen. Wir lieben den Märchenaspekt nach wie vor, aber wir wollen uns auch mit echten Problemen auseinandersetzen. Eine gute Mischung eben.

Mit wem würdest ihr am liebsten zusammenarbeiten?
Nelly: Beyoncé. Wir lieben sie. Wir sind mit Destiny's Child aufgewachsen und sind mit ihr verbunden. Jedes Mal, wenn man sich nicht so gut fühlt, ist sie da und singt immer: „Girl, weine nicht wegen dieses Arschlochs". Wir würden gerne auch mit Missy Elliott zusammenarbeiten.

@HolyFaya

Credits


Text: Hannah Ongley
Fotos: Stainslaw Boniecki 

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