wie feministische skateboarderinnen aus saudi-arabien für ihre rechte kämpfen

Nachdem eine Petition die saudische Regierung dazu aufruft, die Gesetze über die männliche Vormundschaft abzuschaffen, geht es in dem neuen Musikvideo „Hwages“ des Musikers Majed Al-Ela mit Skateboarderinnen, feministischen Texten und einem Papp-Donald...

von Hannah Ongley
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05 Januar 2017, 10:30am

Nachdem Human Rights Watch im Juli letzten Jahres einen Bericht über die Gesetze der männlichen Vormundschaft in Saudi-Arabien veröffentlicht hat, forderte eine Petition im Herbst das Ende dieses Unterdrückungssystems. Tausende Saudis haben diesen historischen Aufruf unterschrieben, die erste Petition in dem Öl-Staat überhaupt. Auf Social Media wurde die Kampagne unter dem Hashtag #IAmMyOwnGuardian begleitet. Frauen aus der ganzen Welt haben dadurch ihre Solidarität mit der wachsenden Bewegung in dem arabischen Königreich öffentlich gezeigt. Saudische Frauen dürfen momentan ohne die Genehmigung durch ihren männlichen Vormund weder reisen, heiraten oder andere große Entscheidungen selbst treffen.

Dass die Moderne langsam aber sicher doch Einzug in dem Wüstenstaat hält und nicht mehr rückgängig zu machen ist, beweisen die vielen saudischen Aktivisten, die immer neue kreative Auswege finden, um ihrer Forderung nach Gleichberechtigung Ausdruck zu verleihen. Der Skandal um das neue Musikvideo „Hwages" des Künstlers und Musikers Majed Al-Esa erschüttert momentan das Establishment in Saudi-Arabien. Innerhalb von einer Wochen wurde das Video über zwei Millionen angeklickt. Der Titel bedeutet so viel wie Sorgen und zeigt Frauen, die bunte Sneaker und Kleider mit floralen Prints unten ihren schwarzen, traditionellen Niqabs tragen, und das tun, was ohne Erlaubnis des männlichen Vormunds illegal ist: Basketball zu spielen, zu bowlen, Auto zu fahren, Autoscotter zu fahren und auf den Jahrmarkt zu gehen. In ultrakonservativen Regionen wie Al-Qassim ist es Frauen sogar verboten, Bobbycars zu fahren. 

Wie radikal diese für westliche Gewohnheiten so alltäglich erscheinenden Akte sind, zeigt sich auch im Text. Nach einem Bericht der International Business Times ist die Pop-Hymne hochpolitisch: „Wenn Gott uns nur von diesen Männern befreien würde", „Männer machen uns krank" und „Sie machen uns verrückt". Der Teil, mit dem sich auch Frauen außerhalb Saudi-Arabiens identifizieren können, zeigt das vertraute Setting der Pressekonferenzen des Weißen Hauses, mit einem Papp-Donald-Trump und einem Zeichen „House of Men".

Das Musikvideo ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Künstler durch ihre Werke die Unterdrückung in der arabischen Welt zum Thema machen. Im letzten Jahr hat die in Australien lebende saudische Street-Art-Künstlerin Ms Saffaa die Porträtserie I Am My Own Guardian geschaffen, die sofort viral gegangen ist. Das Porträt hat seinen Weg auf die Straßen Saudi-Arabiens gefunden sowie auf T-Shirts und iPhone-Hüllen, die in die ganze Welt verkauft werden. In einem Interview mit dem Guardian kritisierte Ms Saffaa die Darstellung von saudischen Frauen als Opfer durch westliche Medien, die nur zur Entmündigung beitrage, gegen die die Frauen kämpfen. „Schreibt nicht, dass saudische Frauen keine Stimme haben. Wir haben eine Stimme", fordert sie. „Ihr habt nur einfach nicht zugehört." Die Frauen aus dem Musikvideo und in Saudi-Arabien wollen endlich über sich selbst entscheiden dürfen und sind nicht länger zu überhören.

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto: Screenshot aus dem YouTube-Video „Majedalesa - Hwages" von majedalesa

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