Anzeige

diese fünf filme setzen sich mit der flüchtlingsthematik auseinander

Auf den ersten Blick haben Clausnitz und Bautzen und der Glamour der Berlinale, die am Sonntag zu Ende ging, nicht viel gemeinsam. Während die einen Kinder aus Bussen zerren und die Feuerwehr bei der Arbeit behindern, ging der Hauptreis an den...

von Schayan Riaz
|
23 Februar 2016, 2:35pm

Screenshot von YouTube aus dem Video „Fire at See (Fuocoammare) 2016 Film Trailer“ von Nuova ondata cinema

Filme, die sich mit der Flüchtlingsthematik auseinandersetzen, bildeten auf der diesjährigen Berlinale einen besonders aktuellen Schwerpunkt. Sie trafen den Zeitgeist und wurden dafür bewusst ins Programm der 66. Edition des Filmfestivals aufgenommen. Wir haben uns Filme, die das Thema Migration aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, angeschaut und präsentieren dir unsere Auswahl.

Fuocoammare 

Im Wettbewerb lieferte Gianfranco Rosi mit Fuocoammare ein äußerst wichtiges Dokument für unsere Zeit. Darin wird die Insel Lampedusa porträtiert, inzwischen ein Symbol für die aus Afrika flüchtenden Menschen. In überfüllten Booten sieht man, wie sie ihr Leben riskieren, um ein besseres Leben in Europa zu suchen. Im Film lernt man auch die Einwohner von Lampedusa kennen. Durch das Filmen der Flüchtlinge und Einwohner, sieht man die Auswirkung der Flüchtlingsbewegung auf beiden Seiten. Trotz der Stärke des Films ist Fuocoammare nie voyeuristisch oder aufdringlich. Der Film wurde zu Recht mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Life on the Border

In der Sektion Generation fand eine Sondervorführung des Films Life on the Border statt. Dieses außergewöhnliche Filmprojekt wurde von Regisseur Bahman Ghobadi ins Leben gerufen. Ghobadi hat in Flüchtlingslagern von Kobane und Singal acht verschiedene Kinder ausgesucht, sie mit der Kamera vertraut gemacht und sie gebeten, ihr Leben zu dokumentieren. Bei vielen Filmen ist man sich nicht sicher, ob es sich jetzt um einen Kurz- oder Dokumentarfilm handelt. Es gibt Szenen, die fast schon phantasmagorisch erscheinen. Selbstverständlich werden die Gräueltaten des IS in erschütternden Details wiedergegeben. In einem Film geht es um einen Jungen, der plötzlich für seine ganze Familie sorgen muss und plötzlich seine Kindheit verloren hat. In einem anderen Film geht es um ein Mädchen, das Filmemacherin werden will und diesen Film nutzt, um ihr Talent zu beweisen. Ein anderes Kind muss für seinen Vater eine Brille suchen, da dieser seine alte in dem niedergebrannten Haus verloren hat. Ganz düster wird es im Film eines Geschwisterpaares am Ende. Sie versuchen ihr altes, zerbombtes Familienhaus in Syrien wiederzufinden. Dort begegnen sie aber nur Leichen.

Les Sauteurs

Im Forum lief der unglaubliche Film Les Sauteurs von Moritz Siebert und Estephan Wagner. Nach einer Begegnung mit dem Malier Abou Bakar Sidibé geben die Regisseure dem Flüchtling eine Kamera—nicht ungleich der Methode von Ghobadi. Abou dokumentiert seinen Versuch, die hochgesicherte Grenzanlage zwischen Marokko und Spanien zu überspringen (daher der Titel: Die Springer). Beim Sprung sind bereits viele Flüchtlinge ums Leben gekommen. Doch Abou scheint dies nicht von seinem Plan abzuhalten. Da er als Subjekt des Dokumentarfilms auch gleichzeitig die Kamera führt, ist man als Zuschauer Teil des Geschehens. Bei all den alltäglichen Situationen im Flüchtlingscamp und auch bei einer wirklich fantastischen Sequenz, wo es zum Fußballspiel zwischen den verschiedensten afrikanischen Flüchtlingen im Camp kommt.

The Music of Strangers

Als Berlinale Special war der amerikanische Regisseur Morgan Neville mit seinem Film The Music of Strangers anwesend. Darin geht es um den Cellisten Yo-Yo Ma, der im Jahr 2000 verschiedene Musiker für sein Silk Road Project zusammenbrachte. Diese internationale, multikulturelle Gruppe gibt regelmäßig Konzerte und im Film werden einzelne Musiker des Ensembles porträtiert. Die Doku ist sehr aktuell, da Syrer und Iraner, die selbst mal aus ihren Ländern geflüchtet sind, Teil des Projekts sind. Klarinettenspieler Kinan Azmeh versucht in einem charmanten Moment zu erklären, was das genau für ihn bedeutet: „Heimat ist nicht der Ort, wo man geboren ist, sondern der Ort, zu dem man etwas beitragen will ohne es begründen zu müssen."

And-Ek Ghes

Bild via pong-berlin.de

Dieser Gedanke trifft auch auf Colorado Velcu zu. Der Mann ist mit seiner Familie aus Rumänien nach Deutschland gekommen. Im Film And-Ek Ghes von Philip Scheffner ist das Augenmerk deshalb nicht auf das Thema Flucht oder Flüchtlinge gerichtet. Es geht vielmehr um die selbstbestimmte Migration der Velcus. Aber auch dieser Film ist ein wichtiges Dokument über Menschen, die ihre Chance für eine bessere Zukunft nutzen wollen, auch wenn die Gründe verschieden sind. Besonders ergreifend ist die Szene, als das neugeborene Baby der Familie der erste richtige Berliner der Familie wird. 

Credits


Text: Schayan Riaz 

Tagged:
Kultur
flüchtlinge
Berlinale
Les Sauteurs
berlinale 2016
and-ek ghes
fuocoammare
kollektivet
life on the border
the music of strangers