So schön sind Buzzcuts – und die Geschichten dahinter

Um gesellschaftliche Definitionen von Schönheit infragezustellen oder aus praktischen Gründen: Sich die eigenen Haare abzurasieren, ist befreiend.

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Juni 19 2018, 1:36pm

Die 21-jährige Visagistin Bea Sweet litt unter schwerem Haarausfall und entschied sich dazu, ihre Haare abzurasieren. Bea hatte nie den Mut, ihren Buzzcut zu zeigen, also versteckte sie ihn unter einem Turban. "Die Leute dachten immer, das ist ein modisches Statement", sagt sie. "So wurde es unabsichtlich zu meinem Markenzeichen, auch wenn der eigentliche Grund mein Haarausfall war."


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Bea studiert Make-up am London College of Fashion und lernte mit ihrer Glatze zu leben: "Es ist nicht immer eine persönliche Entscheidung, eine Glatze zu haben, aber du hast die Wahl, ob du mutig mit der neuen Situation umgehst oder nicht." Zusammen mit dem Fotografen Jackson Bowley will sie zeigen, wie schön kurze Haare sind und hat sechs Frauen mit ihren wunderschönen Buzzcuts vor seine Linse geholt.

Sarah Parsons, 21, Barkeeperin und Model
"Ich habe mir die Haare im letzten Jahr für wohltätige Zwecke rasiert. Ich hatte keine Ahnung, wie sich das auf mein Selbstempfinden auswirken würde. Für mich steht ein rasierter Kopf für den Widerstand gegen die Mainstream-Erwartungen an Weiblichkeit. Ich war überrascht, wie sehr ich den Verlust meiner Haare spüren würde. Keine Locke kräuselt sich mehr um meinen Finger. Kein Strähne, um mich zu verstecken, wenn ich nicht gesehen werden will. Mit einem rasierten Kopf funktioniert das nicht mehr. Dafür hatte ich aber plötzlich die Freiheit, mit meiner Identität und meinem Queer-Sein zu experimentieren. Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, erkenne ich den Menschen wieder, die mich anschaut. Es ist sehr befreiend."

Elaine Kwok, 20, Studentin und Model
"Es war eine der besten Entscheidungen, die ich letztes Jahr getroffen habe, mir den Kopf zu rasieren. Es ist so befreiend, sich nicht anzupassen oder in die Geschlechter-Schublade gesteckt zu werden. Das passierte spontan. Ich unterhielt mich mit einer Fotografin bei einem Shooting darüber, weil ich mir schon vor Jahren die Haare abrasieren wollte, aber mir der Mut dazu fehlte. Nach dem Shooting sind wir zu ihrer Mutter gefahren, um den Rasier zu holen. Durch meinen Buzzcut akzeptiere ich das Weibliche und Männliche in mir."

Rene Matic, 20, Konzeptkünstlerin
"Meinen Kopf einmal in der Woche zu rasieren, ist das absolute Highlight. Ich fühle mich immer wie neugeboren, sexy und selbstbewusst. Als queere Woman of Color, die aus der Arbeiterschicht kommt, war es für mich das erste Mal in meinem Leben, das ich etwas für mich alleine getan habe. Ein wirklich wichtiger Moment in meinem Leben. Das Rasieren ist ein Akt des Widerstands gegen das rassistische Hetero-Patriarchat. Zu lange wurde mir vorgeschrieben, wie ich mich um meinen Körper zu kümmern habe. Mir jede Woche den Kopf zu rasieren, verschafft mir endlich wieder die Macht über meinen eigenen Körper."

Noshin, 22
"Ich habe vor vier Jahren angefangen, mir die Haare abzurasieren. Ich hatte Probleme mit meiner körperlichen und geistigen Gesundheit. Mit 15 wurde bei mir eine chronische Nierenerkrankung im Endstadium diagnostiziert. Erst mit 18 habe ich eine neue Niere bekommen. Leider hielt diese nur 2 Jahre durch. Seit November 2016 bin ich wieder von der Dialyse abhängig, die jede Nacht stattfindet. Ich habe Wochen im Krankenhaus verbracht und das Baden wurde immer schwieriger. Da waren kurze Haare einfach praktischer. Die letzten Jahre waren mental und emotional sehr belastend für mich, aber durch all diese schwierigen Erfahrungen ärgere ich mich nicht mehr über banale Dinge, wie ich es früher getan habe. Ich entdecke mich immer noch selbst und habe noch einen langen Weg vor mir. Mit meiner Frisur drücke ich meine Individualität aus. Ich komme aus Südostasien und habe einen muslimischen Hintergrund. Meine Familie hatte anfangs ihre Probleme mit meiner Entscheidung, trotzdem haben sie meinen Buzzcut akzeptiert. Die Frisur hat mir meine Weiblichkeit nicht genommen, sondern mich näher an mein wahres Ich gebracht. Ich habe kurze Haare und bin trotzdem schön."

Scarlett, 19, Model und Tänzerin
"Ich habe mir nicht wirklich Gedanken darum gemacht. Meine Haare waren nur immer irgendwie im Weg. Sie haben mir nie viel bedeutet, also habe ich mich eines Tages einfach entschieden, sie loszuwerden. Mir war egal, was die anderen denken würden. Ich habe mich noch nie besser gefühlt. Das war der Anfang einer persönlichen Reise. Wenn jemand ein Problem damit hat, ist es sein Problem, nicht meines."

DJ, 24, Model
"Ich habe mir letztes Jahr meine Haare abrasiert. Ich dachte immer, meine Schönheit hängt von meinen Haaren ab – wie lang und gestylt sie sind. Es ist schön, keine Haare zu haben und trotzdem in der Lage zu sein, sich schön zu fühlen. Ich war schon als Kind immer anders als die anderen. Lange dachte ich, dass das etwas Negatives sei. Aber irgendwann wurde mir klar, dass es normal nicht gibt."

Credits


Make-up: Bea Sweet / LMCWorldwide
Styling: Ashlee Hill
Haare: James Oxley verwendet Wella Professional
Make-up-Assistenz: Georgia Hope
Digitaltechnik: Eamonn Freel
Fotoassistenz: Oscar Eckel

Vielen Dank an Grand Palace Studio

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.