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Zwischen Techno und Wave: Phase Fatale erklärt uns seine Welt

Der amerikanische DJ und Produzent lebt in Berlin und bringt nächste Woche sein Debüt-Album "Redeemer" heraus. Wir verraten dir, wer sich hinter dem Musiker verbirgt.

Natalie Mayroth

Natalie Mayroth

Foto: Fredrik Altinell

Vor vier Jahren verließ der damalige Musikstudent Hayden Payne New York und zog nach Berlin, um dort seiner Karriere als DJ und Produzent nachzugehen. Angekommen pflegte er seine Kontakte in die Wave-Szene und startet mit Freunden die Party Fleisch, die sie regelmäßig "in einem klaustrophobischen, dunklen Betonkeller geschmissen haben". Einen Namen in der Szene hat sich der 26-Jährige als Phase Fatale mit harten, dunklen und ausdauernden Klubnacht-Sets im Berghain gemacht. Mittlerweile legt er so gut wie jedes Wochenende in einer anderen Stadt auf.

Am 13. Oktober erscheint seine erste LP Redeemer — eine Synthese von Kälte und Untergang — auf Hospital Productions, dessen Gründer Dominick Fernow der Amerikaner übrigens in einem McDonalds am Flughafen kennengelernt hat. Aus der zufälligen Begegnung entstand nun eine großartige Zusammenarbeit. Wir durften in Phase Fatales Welt zwischen Techno und Wave eintauchen und haben mehr über seine musikalischen Anfänge, seinen Perfektionismus und die Berliner Underground-Szene erfahren.


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Du lebst momentan in Berlin. Bist du wegen der Musik hergekommen?
Ich bin vor vier Jahren hergezogen, weil ich jemanden kennengelernt hatte, aber die Musik war auch einer der Gründe. In New York habe ich Tontechnik studiert, aber die Stadt ist immer und immer teurer geworden, und das hat der Musikszene dort irgendwann die Luft abgeschnürt. Alle meine Freunde sind weggezogen, entweder nach L.A. oder Berlin.

Was reizt dich an der Stadt?
Die Szene ist viel größer als in New York und nicht so abgeschottet. Die Leute sind offener für Neues, auch der Austausch zwischen den Genres und zwischen unterschiedlichen Kunstformen wird hier mehr akzeptiert. Man trifft viele interessante Menschen und ich habe das Gefühl, dass sich mehr Leute für Musik interessieren und auch ernsthaft damit beschäftigen — und natürlich finden hier fast jedes Wochenende interessante Events statt.

Wie ist die Idee zu Phase Fatale entstanden?
Ich habe schon immer parallel an elektronischen Solostücken gearbeitet, sie aber nie veröffentlicht, bis Electric Voice 2013 einen Track für eine Kassetten-Kompilation von mir wollten und ich mir einen Namen ausdenken musste. Die Entscheidung fiel dann auf diesen Namen. Phase Fatale ist ein Song von Ausweis, einer meiner liebsten Post-Punk-Bands aus Frankreich. Und bei dem Namen ist es dann geblieben.

Punk und Techno, wie passt das zusammen?
Viele der Sounds, Baselines und Rhythmen, die für diesen unterkühlten Vibe in Minimal-Synth oder Cold-Wave-Tracks sorgen, sind auch Kernelemente von Techno. Der wiederum aus der Weiterentwicklung von Post-Punk und Industrial entstanden ist — beides hat also den gleichen Ursprung. Für mich ist das absolut klar.

Dein erstes Album heißt Redeemer, zu deutsch "Erlöser". Hat das eine religiöse Bedeutung?
Das Wort hat auf jeden Fall einen religiösen Bezug, auch wenn ich selbst nicht religiös bin. Es markiert den Anfang und das Ende und löst sich selbst auf. Gravitation vielleicht.

Welchen Einfluss hat deine Banderfahrung darauf, wie du Musik produzierst?
Ich war in vielen verschiedenen Post-Punk- und Minimal-Synth-Bands, in denen ich entweder Gitarre oder Bass gespielt habe oder an den Synthesizern und Drum Machines stand. In manchen habe ich die Vocals gesungen. Dadurch habe ich wohl eher eine instrumentale Herangehensweise. Für mich ist es einfacher mit Hardware zu arbeiten. Die Produktion der Tracks läuft allerdings sowohl analog als auch digital ab, einfach weil man mit Software noch andere Möglichkeiten hat, die Sounds zu manipulieren.

Redeemer und auch deine vorherigen EPs klingen viel dunkler als deine DJ-Sets. Wie kommt das?
Meine eigene Musik und speziell dieses Album kommen aus dem dunkelsten Teil meiner Psyche. Ziel ist es dabei, durch die Intensität von Schall die Synthese von Kälte und Untergang zu transportieren und bei einem Live-Set so gebündelt wie möglich vorzutragen. Bei einem DJ-Set habe ich viel mehr Zeit eine Geschichte zusammenzunähen mit einer breitgefächerten Palette an Genres, Höhepunkten und ruhigeren Phasen. Da geht es mehr um das Steuern von Energie, um die Stimmung und die Kinetik auf dem Dancefloor.

Lieber Techno oder Wave?
Beides natürlich. Aber bei einem Techno-Gig ist das Publikum viel offener und man kann sie viel mehr mit Sounds herausfordern, die außerhalb der Erwartungen an einen Techno-Rave liegen. Dadurch kann man den Gig zu einem extremeren, eindringlicheren Erlebnis machen. Auf Goth-Partys warten vielleicht die meisten tatsächlich nur noch auf ihren Lieblingssong von The Cure oder Bauhaus und rennen sofort von der Tanzfläche, wenn sie einen Track nicht kennen. Trotzdem haben Wave-Songs eine so einzigartig schöne und kühle Melancholie, die dennoch völlig euphorisch ist und das ist genau eines dieser Gefühle, das ich versuche in meinen Techno-Sets rüberzubringen.

@phasefatale

Am 13. Oktober erscheint Phase Fatales Debütalbum "Redeemer" auf Hospital Productions.