untitled 331, Fire Island Pines: Polaroids 1975 - 1963. Courtesy of Tom Bianchi

Jaden Walkers queere Lieblingsfotografen aus dem 20. Jahrhundert

Der in Kalifornien lebende schwule Bildermacher präsentiert eine Auswahl von LGBTQ+ Fotografen, die ihn inspirieren.

von Jaden Walker und Douglas Greenwood
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25 Februar 2020, 6:45am

untitled 331, Fire Island Pines: Polaroids 1975 - 1963. Courtesy of Tom Bianchi

Fotografie entwickelte sich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Ausdrucksmedium für queere Menschen, die sich an den Rand gedrängt und zur Geheimhaltung gezwungen sahen. Während das Jahrhundert seinen Lauf nahm—und oft neue Freiheiten brachte—, schwappte dieses bislang versteckte Kunstschaffen aus Schuhkartons und Schließfächern in Ausstellungsräume auf der ganzen Welt.

Heute inspirieren diese Pionierarbeiten eine neue Generation queerer Fotografen, die in der uneingeschränkten Intimität der Bilder Trost finden. Der schwule Bildermacher und Designer Jaden Walker, ansässig in dem vor Stränden und spärlich bekleideten Körpern wimmelnden Bundesstaat Kalifornien, ist einer von ihnen. Seine Fotos—sonnengebleichte, offene und geschickts komponierte Porträts von Freunden und jungen Männern, die ihm vor die Linse laufen—sind den Vorbildern verpflichtet, die ihm vorausgingen. Von Keith Vaughan bis Nan Golding: Hier sind zehn seiner liebsten “Vorfahren”.

Catherine Opie

“Catherine Opie machte Portätaufnahmen von queeren und nicht-geschlechtskonformen Menschen vor hellen, farbenfrohen Hintergründen, zu einer Zeit, da sich die Aussichten von queeren Communities in Amerika überall verdüsterten. Diese einfachen und wunderschönen Fotos waren damals radikal—lange bevor Ideen wie queere Repräsentation im Mainstream angekommen waren.”

David Armstrong

“Davids Porträts zählen zu meinen allerliebsten. Sein Stil ist romantisch: scharf konturierte, perfekt belichtete, bildschöne Personen.”

Herbert List

“Herberts Fotos haben etwas sehr Modernes, obwohl manche von ihnen vor fast einem Jahrhundert aufgenommen wurden. Über seine Leben als schwuler Jude im Deutschland der 1930er Jahre zu lesen gibt dir ein noch tieferes Verständnis seines Werks.”

Tom Bianchi Fire Pines
Untitled 465, Fire Island Pines: Polaroids 1975 - 1963. Courtesy of Tom Bianchi

Tom Bianchi

“Toms Polaroids von Freunden und Liebhabern in Fire Island Pines gehören zu meinen Lieblingsfotos des 20. Jahrhunderts. Jedes Bild ist ein nostalgische Andenken an vergnügliche, sexy und sonnige Tage in diesem queeren Paradies—fernab der Wirklichkeit von Repression und Verurteilung in den 1970ern.”

Walter Pfeiffer

“Walters Fotos geben mir ein ähnliches Gefühl wie manche meiner eigenen Träume. Sein Buch Welcome Abroad bezeugt eine anmutige Mischung aus Schönheit und Erotik.”

Libuše Jarcovjáková

“Libušes Arbeiten sind fast nie technisch perfekt, bieten dafür aber kleine, ungefilterte Einblicke in ein faszinierendes Leben. Am liebsten mag ich ihre Fotos der schwulen Underground-Szene im Prag der 1980er, und die intimen Porträts ihrer männlichen und weiblichen Liebhaber.”

Nan Goldin

“Nan, eine wahre Fotografie-Ikone, schuf frappierend intime und emotionale Schnappschüsse, die ein Gefühl von Nostalgie oder Sehnsucht vermitteln—nach einer Erfahrung, die nicht deine ist. Sie fing Momente mit Freunden und Liebhabern ein aus einer Perspektive, die Außenstehenden sonst unzugänglich wäre.”

Keith Vaughan

“Seine Schwarz-Weiß-Porträts von Jungen am Strand, aufgenommen in den 1930ern, berühren mich jedes Mal wenn ich sie sehe. Seine Collagen aus Malerei und Fotografie waren wirklich ihrer Zeit voraus.”

Ryan McGinley

“Ryans Fotos in The Kids Were Alright gleichen einem flüchtigen Blick in sein Tagebuch. Sein Ziel-und-Schieß-Ansatz ist ehrlich, aufregend und voyeuristisch. Diesen Fotos zuliebe möchte ich mich in wilde und gefährliche Situationen begeben.”

George Platt Lynes

“George Platt Lynes schuf in den 1930er und 1940er Jahren ätherische, homoerotische Fotos, die er versteckt hielt, solange er kommerziellen Erfolg als Modefotograf genoss. Seine Beleuchtung, Komposition und Models sind atemberaubend.”

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