Susan, London, 2016

Fotografin Bex Day gibt einer vergessenen Transgender-Generation ihre Stimme zurück

Mit der Reihe 'Hen' hat die Engländerin ein ergreifendes Dokument einer alternden Community erschaffen.

von Ryan White
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04 April 2019, 8:03am

Susan, London, 2016

Komplett ohne Vorurteile sollen die Besucher und Besucherinnen ihre neueste Ausstellung Hen betrachten, das wünscht sich die Fotografin Bex Day. Das Projekt heißt Hen und hat in diesem Fall nichts mit gefiederten Hennen zu tun, sondern bezieht sich auf das schwedische, gender-neutrale Personalpronomen – ein deutsches Äquivalent gibt es bislang nicht.

Die Ausstellung, zu der es auch einen Film und ein Zine gibt, ist eine fotografische, anthropologische Studie von Gender. Für dieses Projekt hat Bex in den letzten fünf Jahren eine enge Beziehung zu über 40 Trans- und non-binären Menschen aufgebaut, alle älter als 40. Herausgekommen ist eine ergreifende Dokumentation einer Generation, die ohne Unterstützung und ohne gesellschaftliche Akzeptanz aufgewachsen ist – und es trotzdem geschafft hat, einen kraftvollen, sinnstiftenden Wandel voranzutreiben.

bex day
Steph G, London, 2018

"Viele Berichte über Transgender-Themen fokussieren sich ausschließlich auf die jungen Menschen. So wird die Perspektive der Älteren in den Medien nicht berücksichtigt. Ich wollte aber genau ihnen eine Stimme, ein Vermächtnis geben", erklärt die Fotografin. "Die Erfahrungen und die Vergangenheit dieser Menschen bekommen nicht einmal ansatzweise die Anerkennung, die sie verdienen. Dabei könnte von einer stärkeren Repräsentation auch die jüngere Transgender-Generation profitieren. Hoffentlich entsteht ein Safe Space, in dem sie alle sich austauschen können."

Alle in Hen Porträtierten hätten unglaublich faszinierende Geschichten zu erzählen, besonders Menschen wie Stephen Whittle, der die Trans-Organisation Press for Change mitgegründet hat, sagt Bex. Viele hätten ihr erzählt, dass sie selbst nur sehr selten Kontakt zur jüngeren Community haben. Die Fotografin findet das schade: "Es ist so wichtig sein Wissen zu erweitern und zwischen den Generationen zu teilen."

"Binäre Sprache und Gender-Binarismus generell faszinieren mich. In meiner Kindheit wurde ich selbst häufig mit Gender-Stereotypen konfrontiert – die Leute dachten, ich sei ein Junge und mein Bruder ein Mädchen", führt Bex fort. "Dieses Schwarz-Weiß-Denken dominiert so große Teile unserer Gesellschaft und zwingt vielen Menschen eine beschränkte Weltsicht auf. Das möchte ich durch dieses Projekt ändern."

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Annabelle, 2018
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Dan, 2018
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Bex Day
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Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.