Fotos: Screenshots von Instagram von Alaina Waller und Erik Pascarelli

#processporn ist der neueste schräge ASMR-Trend

Es gibt nur wenige Dinge, die so befriedigend sind wie diese Fotos vom Haarefärben.

von Shannon Peter
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30 Januar 2019, 10:21am

Fotos: Screenshots von Instagram von Alaina Waller und Erik Pascarelli

Auch die Beauty-Welt wurde von dem ASMR-Phänomen angesteckt. Im Angebot hätten wir Dr. Pimple Popper (Spoiler: nur für die wirklich Hartgesottenen), Lippenstift-Zerhacker und für die audiovisuellen Menschen unter euch die Kamm- und Bürstenfetischisten. Wenn du auf so etwas abfährst, gefallen dir sicher auch die flüsternden Make-up Tutorials auf YouTube. Und auch wenn es die wenigsten offen zugeben möchten, machen diese schrägen Videos ziemlich süchtig. Aber egal wie gerne ich mir eine gute Pickel-Prozedur ansehe, gibt es eine neue Kategorie der befriedigenden Social Media Posts, die gerade meine Timeline flutet: Fotos beim Haarefärben.

Dabei meine ich kein Tutorial mit Produkten aus dem Drogeriemarkt, sondern Bilder von Haaren, die nur so vor bunter Färbung triefen, so wie dieses Exemplar:

Als #processporn betitelt, waren diese Bilder eigentlich für Coloristen dazu gedacht, den Prozess ihrer Arbeit zu dokumentieren. Die in L.A. lebende Coloristin Alaina Waller teilt ihre Work-in-Progress-Bilder bereits seit ein paar Jahren mit ihrer Community – egal ob Bleach-Blonde oder Pink Panther. "Ich dachte eigentlich, dass diese Bilder eher einfangen, was der Kunde zu diesem Zeitpunkt fühlt", sagt Alaina. "Die Farbe hat immer etwas Rebellisches und Launisches, bevor sie komplett einzieht und trocknet. Die Textur ist eine völlig andere, wenn das Haar noch nass ist."

Bleach London Colorist Erik Pascarelli sieht seine #processporn Fotos als Möglichkeit, seinen Job mit seinem künstlerischen Background zu verbinden. "Meine Malerei konzentrieren sich mehr auf den Prozess als auf das fertige Kunstwerk, deswegen scheint es auch recht passend, dieses Konzept auf das Haar zu übertragen", erklärt er. "Der finale Look ist als Colorist wohl das Wichtigste, trotzdem fühle ich mich von seltsamen Waschbecken- und Close-up-Fotos inspirierter als von dem letztendlichen Bild. So geht es mir auch, wenn ich male – die eigentliche Palette an Farben ist so viel interessanter als die Leinwand."

Es ist schwierig zu sagen, was all diese Fotos so befriedigend macht, selbst für einen Experten. "Vielleicht triggern diese Bilder in manchen Menschen das ASMR-Phänomen, trotzdem haben sie kaum Dinge an sich, die dazu anregen. Hier wird weder leise geflüstert noch wird man persönlich angesprochen", erklärt Psychologin und ASMR-Expertin Dr. Giulia Poerio. "Vielleicht entsteht die Befriedigung durch andere ästhetische Aspekte wie Symmetrie, Form und Farbe."

Pascarelli glaubt, dass die Beliebtheit von Haarfärbefotos auch etwas mit unserer kollektiven Liebe für Anweisungen zu tun hat. "Wir sind definitiv die Generation des Lernens. Mit YouTube-Tutorials können wir uns so ziemlich alles selbst beibringen und ich glaube, dass Work-In-Progress-Bilder und Videos zu unserem Wunsch beitragen, Dinge verstehen zu wollen."

Für Waller geht es hingegen darum, eine sehr reale Erfahrung in einem extrem kuratierten Social Media Feed zu zeigen. "Ich glaube, dass die Leute etwas Echtes sehen und fühlen wollen. Wenn ich diese Fotos mache, denke ich an mein 15-jähriges Ich im Badezimmer, das sich gerade die Haare mit einer billigen Tönung aus dem Drogeriemarkt färbt, ein riesiges Chaos veranstaltet und die Zeit ihres Lebens hat. Es ging am Ende nie wirklich um das Resultat, sondern um die Erfahrung dabei."

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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