Foto: Vicki King. Emma trägt einen Mantel von Vintage Kool Kats Ltd. Kleid: Coach 1941.

'Sex Education'-Star Emma Mackey plaudert mit uns über ... Sex

"Die Szenen glichen einer Choreographie. Als es dann soweit war, hatten wir so viel geprobt, dass es hoffentlich echt aussieht."

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01 April 2019, 7:58am

Foto: Vicki King. Emma trägt einen Mantel von Vintage Kool Kats Ltd. Kleid: Coach 1941.

Innerhalb einer einzigen Woche wurde Sex Education-Schauspielerin Emma Mackey von einer völlig Unbekannten zu einer Berühmtheit. Zum Star einer TV Show, die sich binnen kürzester Zeit in das Zuhause von über 130 Millionen Menschen katapultierte.

Das Comedy-Drama von Netflix, das Anfang diesen Jahres erschien, erzählt die Geschichte von Teenager Otis (Asa Butterfield), der mit seiner Mutter und Sex-Therapeutin Jean (gespielt von der wirklich herausragenden Gillian Anderson) zusammenlebt. Die Serie erinnert stark an Skins, keine Frage. Beide vereint, dass die interessantesten Charaktere ihre ganz speziellen Geschichten erzählen. So erging es auch der in Frankreich geborenen Schauspielerin Emma Mackey.

Die weibliche Hauptrolle Maeve ist ein Bad Girl, das alleine in einem Wohnwagen lebt, für den sie kaum Geld zusammenkratzen kann. Auf den ersten Blick scheint ihre Rolle unheimlich, auf den zweiten verbirgt sich ein starker Intellekt dahinter. Einer, der ihr erlaubt, ein geheimes Hausaufgaben-Business auf einem verlassenen Toilettenblock der Schule zu führen. Als sie herausfindet, dass Otis mit der Gabe (und manchmal auch dem Fluch) eines unglaublichen sexuellen Verständnis gesegnet ist, sieht Maeve Potenzial darin und wittert ihre Chance. Um genau zu sein die Möglichkeit einer Art Sexklinik, in der ihre Mitschüler*innen emotionalen Support bekommen. "Ich mag, dass Maeve ihr eigener Mensch ist. Sie verlässt sich auf nichts und niemanden. Punkt", sagt Emma, als wir sie in Hackney treffen. "Sie hat dieses raue Äußere mit Wiedererkennungswert. Aber selbst in den schwierigsten Momenten ist sie in der Lage, Menschlichkeit zu zeigen und stellt andere an erste Stelle. Ihr ist niemand egal, ihr Bad Girl Image ist reine Fassade."

Emma Mackay Photography Vicki King Styling Victoria Young
Emma trägt einen Hoodie von Coach 1941. Hose: Vintage von Kool Kats Ltd. Schuhe: Sergio Rossi.

Die Rolle ist übrigens ihre allererste. Eine Tatsache, die sie selbst als "verrückt, spannend und überwältigend" bezeichnet. Geboren wurde Emma in Le Mans, Frankreich. Ihr Vater ist Franzose, ihre Mutter Britin. Mit 18 zog sie für ihr Studium der Englischen Literaturwissenschaft nach Leeds. Und erst hier entwickelte sich ihre Liebe zum Theater und ihr Entschluss, nach London zu ziehen, um sich an einer Schauspielschule zu bewerben. Ein Jahr später bekam sie ihren eigenen Agenten, ein halbes Jahr später die weibliche Hauptrolle in Sex Education. "In meinem Kopf kreisten nur Gedanken wie 'Das ist eine Netflix-Serie, dafür wollen sie sicher jemanden mit mehr Erfahrung – und ich habe noch nichtmal Headshots von mir.'"

Was Emma so an der Rolle faszinierte war die Chance, "eine weibliche, unabhängige Rolle zu spielen". Maeve ist in den Augen der Französin jemand, "der sich nicht rechtfertigen möchte, sondern seine eigene Geschichte und andere vorantreibt." "Sie ist ein sehr wichtiger Charakter und ich habe mich sofort zu ihr hingezogen gefühlt. Maeve muss beschützt werden und ich wollte sie einfach nur in den Arm nehmen und sie zum Leben erwecken."

Auch wenn sie sich anfangs ins kalte Wasser geworfen fühlte, kreierte die Crew eine sehr angenehme Atmosphäre am Set. Etwas unglaublich Wichtiges, wenn man an die vielen intimen Szenen des jungen Cast denkt. "Es herrschte immer eine beidseitige Einwilligung, zu jeder Zeit", so Emma weiter. "Wir wurden von Anfang an vorbereitet und haben viel mit den Produzenten, Regisseuren und Drehbuchautoren über die Sexszenen geredet. Ihnen war es sehr wichtig, dass wir uns zu keinem Moment unwohl fühlen. Für Kedar [Williams-Stirling, der Jackson spielt] und mich glichen diese Szenen einer Choreographie. Als es dann soweit war, hatten wir so viel geprobt, dass es hoffentlich sehr echt aussieht."

Emma Mackay Photography Vicki King  Styling Victoria Young
Jacke: Coach 1941

Erinnerst du dich noch an die dritte Episode? Maeve besucht darin eine Abtreibungsklinik. Diese Episode ist nicht nur eine der aufmerksamsten Darstellungen von Abtreibung, die bis heute über die Bildschirme flimmerte, sondern auch eine der informativsten. "Wir hatten die ganze Zeit einen Facharzt am Set, der sicherstellte, dass alles realitätsgetreu erscheint", erklärt Emma. "Regisseur Ben [Taylor] wollte nichts dramatisieren. Oft wird ein großes Drama daraus gemacht, wenn jemand schwanger wird, oder nicht? Aber ich glaube nicht, dass es nahe an der Realität gewesen wäre, wenn Maeve das Baby behalten hätte. Sie lebt in einem Wohnwagen, ohne Geld und Hilfe ihrer Familie. Außerdem ist sie immer noch in der Schule. Es macht also nur Sinn. Sie muss weitermachen."

Wie das genau aussieht, bleibt ein gut behütetes Geheimnis, das sich wohl erst in der bereits bestätigten zweiten Staffel lüften wird. Aber was wünscht sich Emma selbst für ihren Charakter? "Für Maeve wünsche ich mir, dass sie sich mehr auf sich selbst konzentriert und anfängt, sich nach Unis umzusehen. Dass sie das macht, was sie machen will." Und was wünscht sie sich für sich selbst, nachdem sie von einem Fotoshooting zum nächsten gejagt wird und plötzlich mehr Internet Fame besitzt als ihre Idole? "Ich sage mir immer, dass es nur ein Job ist. Der Rest ist lediglich eine Begleiterscheinung der Schauspielerei. Es ist nichts, an das ich mich gewöhnt hätte und das ist auch OK", so Emma zum Schluss. "Schritt für Schritt kommt man ans Ziel." – Heute Headshots und morgen dann die Welt.

Credits


Fotos: Vicki King
Styling: Victoria Young

Haare: Shiori Takahashi / Streeters verwendet Oribe
Make-up: Laura Dominique / Streeters verwendet CHANEL Vision d’Asie: L’Art du Detail und CHANEL Sublimage L’Essence Fondamentale
Fotografie-Assistenz: Richard Kovacs

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus i-Ds neuer The Homegrown Issue, no. 355, Spring 2019.