The Real Housewives of Neukölln machen Trash-Drag, den es so noch nicht gegeben hat

Im Zuge unserer Themenwoche "Berlin' New Drag" stellen dir die Queens hinter The Real Housewives of Neukölln etwas genauer vor.

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Sep. 15 2017, 8:39am

In unserer Themenwoche "Berlin's New Drag" erkunden wir, was und wer die Underground-Drag-Szene in der deutschen Hauptstadt so besonders macht. Alle Artikel findest du hier.

Cheryl

Was ist dein Drag-Name und was ist die Geschichte dahinter?
Ich performe als Cheryl. Eine Frau, nicht mehr jung, noch nicht alt, die Ende der 60er und den späten 80ern lebt. Sie ist in Brooklyn aufgewachsen und hat dort bis zum Ende ihrer dritten Ehe gelebt. Sie ist dann nach Berlin geflüchtet, um sich selbst zu finden. In vielen ihrer Performances geht es um die Veränderungen in Berlin und Brooklyn. Cheryl ist eines der wenigen Dinge, die mich am Leben hält, bei meiner immer währenden Reise, meine Geschlechtsidentität zu erforschen. Sie ist die Manifestation meiner positiven Energie und Attitüde. Ohne sie wäre ich verloren.

Warum hast du mit Drag angefangen?
Ich war schon immer sehr theatralisch. Schon als Kind habe ich immer gesungen und mich auf einer Bühne gewähnt. Aber erst als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich das Bedürfnis gehabt, meine weibliche Seite auch auszuleben. So wurde Cheryl geboren.

Was war der beste Moment in einem Jahr Housewives?
Es ist schwierig, nur einen Moment auszuwählen, aber das ist unser Halloween Spook-tabcular. Als wir den Horrorfilm, den wir gedreht hatten, gezeigt und Popcorn verteilt hatten, habe ich zum ersten Mal realisiert, dass wir in der Lage sind, etwas auf die Beine zu stellen.

Ist die Form von Drag, die ihr macht, irgendwo anders als Berlin möglich?
Die Punk- und DIY-Ästhetik von Berlin sorgt definitiv dafür, dass Trash-Drag hier mehr als in anderen Städten gedeihen kann. Unsere Performances könnten auch aus einem der frühen John Waters-Filme stammen.

Was macht die Housewives so besonders?
Die Housewives sind trashig, absurd, fantasievoll, widerlich und FRRRUITY. Unser Einfallsreichtum macht uns besonders. Wir können alles machen, was wir wollen, ohne uns bei an anderen Vorstellungen von Drag zu orientieren und wir machen es einfach fabulös.

Maquis de Shade

Was ist dein Drag-Name und was ist die Geschichte dahinter?
Marquis de Shade (ausgesprochen Scha-DE). Das ist eine Anspielung auf den Marquis de Sade und die Ballroom-Kultur mit ihrem Konzept Shade und es ist ein Wortwitz mit dem deutschen Wort "Schade".

Warum hast du mit Drag angefangen?
Anfangs ging es um die Mode. Ich liebe Vintageklamotten und suche schon mehrere Jahre nach Looks, die mir gut stehen, und die waren oft Sachen für Frauen. Das hat sich immer in Drag verwandelt, weil die Gender-Performances mich angesprochen haben. Mittlerweile mache ich Drag nicht nur der Mode wegen, aber es ist immer noch das, was ich daran am meisten liebe.

Community ist ein wichtiger Aspekt, bei dem was du machst. Wie unterstützt dich deine? Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Leute zu unseren Shows kommen. Das Feedback von den anderen Housewives und anderen Performern in Berlin sind sehr wertvoll für mich. Dass die Leute meine Arbeit gut finden und mir helfen, sie besser zu machen, ist der wichtigste Aspekt der Community für mich.

Was wolltest du werden, als du kleiner warst?
Das sich ständig geändert. Archäologe, Astronaut, Diplomat, Übersetzer, Historiker et cetera. Dank Drag kann ich das alles sein..

Was macht die Housewives so besonders?
Die Housewives sind Berlins bekanntestes Trash-Drag-Cabaret. Wir sind Dragqueens für die Club-Kids. Wir zeigen das Absurde in unserer Community, ob es dabei um Clubs, Drogen, Gender oder Sexualität geht. Wir haben eine Verbindung, die über die bloße Performance hinaus geht. Auch wenn wir keine Perücken und kein Make-up tragen, es ist immer noch Drag.


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Fanny

Was ist dein Drag-Name und was ist die Geschichte dahinter?
Mein Drag-Name ist Fanny, auch wenn ich oft vergesse, dass ich in Drag perfrome und mich selbst als James vorstelle. Drag ist für mich einfach ein weiterer Ausdruck meiner Persönlichkeit. Ich erkunde einfach meine femininere Seite und nutze es als Performance-Medium. Ich lasse meine Person in Perücke, Killer-Heels endlich frei. Mit der Drag-Performance und den Housewives teste ich meine Grenzen als Performer und meine Kreativität. Dank den Housewives kann ich mich selbst, den Style, im Genre und die unterschiedlichen Ausdrucksformen herausfordern.

Warum hast du mit Drag angefangen?
Das war keine Entscheidung, ich wurde mehr oder weniger dazu gezwungen. Fabio und ich wurden dazu genötigt, innerhalb von 4 Tagen eine Drag-Show auf die Beine zu stellen. Der Rest ist Geschichte!

I st die Form von Drag, die ihr macht, irgendwo anders als Berlin möglich?
Nicht in seiner ganzen Form. Wir sind eine Repräsentation der alternativen queeren Szene Berlins. Aber natürlich würden einzelne Elemente woanders auch funktionieren. Ich weiß, dass in Los Angeles gerade etwas Ähnliches passiert. London hat solche Abend schon länger.

Was macht die Housewives so besonders?
Verrückt, kreativ, witzig, trashy und Berlin!

Viagra Falls

Was ist dein Drag-Name und was ist die Geschichte dahinter?
Viagra ist die meiste Zeit high. Und sie verbirgt das auch nicht. Mal abgesehen davon, passiert sonst nicht viel, außer Sex und hin und wieder eine Geschlechtskrankheit. Das alles ist wunderbar packendes Musiktheater.

Warum hast du mit Drag angefangen?
Ich habe mit Drag angefangen, weil ich vor Leuten singen wollte und die Resultate auf der Straße waren gemixt.

Was war der beste Moment in einem Jahr Housewives?
Der Moment, als wir alle in Köpenick aufgewacht sind und keine Ahnung hatten, was in der Nacht passiert war.

Was macht die Housewives so besonders?
Ungefähr 7 Flaschen Prosecco, runtergekommene Perücken und Mangel an Schamgefühl oder Menschenverstand.

Collapsela

Was ist dein Drag-Name und was ist die Geschichte dahinter? Womit beschäftigt sie sich und wie übersetzt du das in deine Performance?
Meine Figur heißt Collapsela. Ein Post-Gender-Wesen, das 1873 in San Marino geboren wurde und seitdem als Supermodel durch die Welt jettet, bis sie sich in Berlin niedergelassen hat, um eine Karriere als Techno-Chanteuse zu starten. In ihren Performances beschäftigt sie sich meistens mit ethischen Hedonismus und Gender-Fragen, dafür schreibt sie die Lyrics von Popsongs um, schreibt eigene Songs oder spricht, während im HIntergrund Techno läuft.

Warum hast du mit Drag angefangen?
James (aka Fanny) und ich wurden gefragt, einmal die Woche im The Club aufzutreten. Wir hatten eine Woche für unseren ersten Auftritt, alles musste schnell gehen. Und schwuppdiwupp stande ich auf der Bühne und habe "Collapsella" gesungen – die Trash-Karokeversion von Lady Gagas "Donatella".

Was wolltest du werden, als du kleiner warst?
Als Kind wollte ich Geburtshelfer werden, später konnte ich mich nicht zwischen Biologie und Modedesign entscheiden, also habe ich beides im Bachelor studiert. Heute bin ich Modedesigner und Performancekünstler.

Ist die Form von Drag, die ihr macht, irgendwo anders als Berlin möglich?
Die Punk- und DIY-Ästhetik von Berlin sorgt definitiv dafür, dass Trash Drag hier mehr als in anderen Städten gedeihen kann. Unsere Performances könnten auch aus einem der frühren John Waters-Filme sein.

Was macht die Housewives so besonders?
Trash, Glamour, Chaos, Improvisation, Surrealismus – mixe das mit Polyester-Perücken, ganz wenig Make-up und Prosecco und voila fertig ist der Housewive-Shake!

Ida Entity

Was ist dein Drag-Name und was ist die Geschichte dahinter?
Mein Drag-Name ist Ida Entity. Sie ist eine Gender-Performance. Ich verwische die Grenzen zwischen femininen und maskulinen Eigenschaften und Verhaltensweisen. Sie versucht, die Stärke und Power des Weiblichen zu verkörpern und auszudrücken, während sie gleichzeitig das Männliche in sich und der Welt entdeckt. Sie setzt sich mit der Tatsache auseinander, dass sie als Mädchen geboren wurde, aber sich als Junge fühlt. Dass sie in ein bestimmtes Geschlecht gedrückt wird. Dass sie ihren Körper nicht akzeptieren soll. Sie ist auf der Suche nach ihrer wahren Identität und dass sie ihren Körper annimmt. Erst hat sie ihre Weiblichkeit gehasst, aber jetzt zelebriert sie sie und kämpft als Frau in einer von Männern dominierten Welt. Gleichzeitig verneint sie aber nicht ihre maskulinen Züge.

Community ist ein wichtiger Aspekt, bei dem was du machst. Wie unterstützt dich deine? Auf jede erdenkliche Weise. Das macht unsere Gruppe so stark, weil wir enge Freunde sind. Die Housewives unterstützen sich in allen Situationen. Ich kann mich auf sie verlassen – als Performerin wie auch als Privatperson.

Was macht die Housewives so besonders? Eine 24-stündige Afterparty aus Wahrheit oder Performance und 6 dreckige Perücken.