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LIA LIA nimmt dich mit in eine Welt so süß wie Bubble Tea

Uns hat sie erzählt, was sie an Berlin mag und warum den Tee hier keiner mehr trinkt.

von Marieke Fischer
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06 September 2019, 8:46am

Foto: Presse

Eigentlich steht LIA LIA für das Akronym 'Live Impact Area Legacy Interface Adapter'. Man kann versuchen, das zu übersetzen, aber was es damit wirklich auf sich hat, bleibt ein Geheimnis. Wichtig ist nur, dass du dir merkst, wie ihr Name korrekt geschrieben wird. Nämlich: "Alles in Großbuchstaben!", wie sie sagt. Die metaphorische Kraft von Großbuchstaben hat auch die neueste Veröffentlichung der in Berlin lebenden Künstlerin: Boba Boba.

Schon in den ersten Sekunden erwartet dich ein sägender Beat, der ein paar Sekunden später in zügellose Tanzlaune explodiert. Dazu singt LIA LIA mal süß, mal abgehackt in einem Mix aus Englisch und Chinesisch. Sie appelliert an unsere Selbstliebe, prophezeit, dass L.I.A. das einzige ist, was wir fortan brauchen, und macht nebenbei noch Appetit auf Boba – Bubble Tea. Der spielt selbstverständlich auch in ihrem dazugehörigen Video die Hauptrolle. Neben Tänzerinnen in Matrosenkostümen, ganz viel Pastellfarben und der Gast-Rapperin Slayrizz.

Ein ziemlicher Kontrast zu der LIA LIA, die 2017 das Internet mit Songs wie Olymp oder dem Black Mirror-artigen Video zu Kids gestürmt hat. Die elektronische Ausrichtung gab es zwar schon damals, Text, Stimme und Rhythmus erzählten jedoch von düsteren Erfahrungen. Wir wollten wissen, was sie in den letzten zwei Jahren gemacht hat. Was den Wandel in ihr und ihrer Musik bewegt hat. Was wir von ihrer kommenden EP erwarten können. Und natürlich: Welchen Bubble Tea sie als nächstes trinkt.

Deine ersten Songs, die du im Jahr 2017 veröffentlicht hast, haben von Herzschmerz gehandelt, waren ruhig und emotional. Jetzt kommt Boba Boba – was ist passiert in der Zwischenzeit?
LA ist passiert. Ich habe schon an vielen Orten gelebt, aber Los Angeles hat mir eine ganz neue Welt eröffnet. Plötzlich wurde ich heraus gezogen aus meiner gewohnten Anti-Social-Girl-Next-Door-Comfort-Zone und hineingeworfen in ein komplett anderes Universum. Auf einmal war ich eines der cool girls, die einfach an der Club-Schlange vorbei in den VIP-Bereich spazieren, das war ziemlich verrückt. Ich habe mir eine billige, blonde Amazon-Perücke für 19,20 Euro aufgesetzt und meine eigene Hannah Montana-Geschichte gelebt.

Aber du hast nicht nur gefeiert – du standst auch selbst auf der Bühne?
Ja, ich fing an auf Underground-Partys zu performen, da hatte ich nur ein Mikrofon in der Hand und meine Backing Tracks auf dem Handy. Das Publikum wollte tanzen, so wie sie es von dem lokalen Nightlife gewohnt waren. Ich konnte keine traurigen oder langsamen Songs spielen, also habe ich eine ganz neue Seite an LIA LIA entdeckt. Boba Boba hat sich wie von allein geschrieben. Ich wollte, dass die Leute Spaß haben, frei und selbstbewusst sind, ihre innere bad bitch herauslassen.

Aber keine Sorge: Alle, die sich in den Sound von Olymp verknallt haben, kommen auf meiner neuen EP trotzdem auf ihre Kosten. Boba Boba ist nur der Vorreiter, ich springe zwischen Genres hin und her, breche Erwartungen und Regeln.

Im Refrain singst du eine Zeile auf chinesisch, die so viel heißt wie 'Ich bin deine kleine Blume' – hattest du ein bestimmtes Erlebnis im Kopf, als du die Hookline geschrieben hast?
'茉莉花 - Mo Li Hua' – was Jasminblüte bedeutet – ist eines der bekanntesten chinesischen Kinderlieder mit dem ich, sowie wahrscheinlich Millionen andere Kinder, aufgewachsen bin. In dem Lied wird die Jasminblüte wegen ihrer Schönheit, Reinheit und ihres Duftes verehrt und als ein Geschenk an die Menschheit gefeiert. In Boba Boba geht es darum, dich selbst zu feiern. Deswegen dachte ich, passt es ganz gut.

Und wie kam die Kooperation mit Slayrizz zustande?
Slayrizz ist eine Rapperin, Sängerin und Cosplayerin mit philippinischem Background. Sie lebt in New York und ist ein Sprachrohr der asiatischen Community. Fun Fact: Slayrizz hat sogar das Trademark auf den Hashtag #slaysian.

Ich habe sie durch Dorian Electra in LA getroffen, bei einem der vielen LGBTQ+-Events, die Dorian schmeißt. Dorian, Rina Sawayama, Charli XCX, Banoffee – sie alle sind eine Gang und Slay gehört auch dazu.

Live ist Slay unglaublich gut, hat einen tollen Flow und die besten Tanzbewegungen. Du kannst über ihren Style sagen, was du willst, aber sie ist zu 10000 Prozent authentisch und ihr Energielevel ist surreal. Sie ist wie ein Magnet, eine echte Queen.

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Du hast schon an vielen verschiedenen Orten der Welt gelebt. Inwiefern hat das deine Arbeit beeinflusst?
Ja, ich wusste nie so recht, wo ich hingehöre. Für mich sind das sehr fundamentale Fragen – 'Wo gehöre ich hin?', 'Wer bin ich?' –, die einen starken Einfluss auf mein Leben und meine Musik haben. Indem ich die Welt bereise, versuche ich mich selbst und unsere Gesellschaft besser zu verstehen. Wahrscheinlich hat es auch ein bisschen was mit dem deutsch-chinesischen Clash der Kulturen in mir drin zu tun. Überall anders auszusehen und nicht zu einer Community oder Kultur zu gehören, das beschäftigt mich und gibt mir manchmal das Gefühl allein, verloren zu sein – auch wenn das nicht nur mit meinem Äußeren zu tun hat …

Aber es hilft mir ungemein, mein eigenes audio-visuelles Universum aufzubauen, damit ich einen Ort habe, an dem ich mich geborgen und heimisch fühle. Ich hoffe, dass ich auch anderen mit meiner Musik ein Zuhause geben kann, wo sie sich geliebt und akzeptiert fühlen können. Ich möchte etwas schaffen, das immer für dich da ist, egal was kommt.

Jetzt wohnst du in Berlin – warum?
Ich habe mich verliebt und bin einfach hier geblieben. Jetzt verschwindet mein Liebster allerdings wieder in die Schweizer Alpen und ich frage mich auch, was mich hier noch hält. Vielleicht ist es auch für mich an der Zeit für einen Neuanfang.

Gibt es denn sonst etwas, das du an Berlin magst?
Dass ich mich auch nachts sicher fühle, wenn ich allein durch die Straßen laufe. In vielen anderen Städten kam es vor, dass mich die Leute angestarrt, mir Dinge hinterhergerufen haben oder mir zu nahe gekommen sind – nur weil ich eine Frau bin. Das passiert hier zum Glück sehr selten. Außerdem ist es süß zu sehen, wie sehr sich die Berliner über gutes Wetter freuen. Im Sommer sind alle draußen auf den Straßen und kosten die Sonnenstrahlen vollends aus. Ich gehöre zwar nicht dazu, aber es ist trotzdem nett.

In der Einladung zu deinem Release-Event steht 'Keine schwarze Kleidung und kein Techno' – so etwas hört man selten in Berlin.
Ich hasse Techno. Ich wohne seit drei Jahren in Berlin und war in der Zeit vielleicht dreimal in einem Club. Ich nehme keine Drogen und ohne Drogen ist Techno halt wirklich langweilig.

Dein Song und das Video lassen vermuten, dass du eine Bubble Tea-Expertin bist. Welche Sorte sollten wir unbedingt austesten?
Ich habe das Gefühl, dass Bubble Tea in Berlin und Deutschland generell ein bisschen ausgestorben ist, nachdem der große Hype vorbei war und ein Krebs-Skandal die Runde machte. Aber Bubble Tea kommt definitiv gerade zurück. Erst als ich nach LA gezogen bin, habe ich angefangen Bubble Tea, der eigentlich aus Taiwan kommt, zu trinken. Ich habe direkt neben K-Town gelebt und dort gab es Boba-Shops an jeder Ecke. Boom bang bam – ich war süchtig. Mein Lieblingsmix dort war Jasmin-Tee, Mandelmilch, Tapioca-Perlen, 30 Prozent Zucker und nur die Hälfte Eis. Dazu würziges Chicken Popcorn.

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