Foto: Myles Loftin

10 Fotografen of Color, die du dir merken solltest

Diese jungen Talente aus der ganzen Welt zeigen, was es bedeutet, im Jahr 2018 jung und schwarz zu sein.

von André-Naquian Wheeler; Übersetzt von Michael Sader
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22 Februar 2018, 1:50pm

Foto: Myles Loftin

Von den USA über Belgien bis Kenia: Diese Fotografen of Color bilden ein umfassenderes Bild der afrikanischen Diaspora ab. Zu sehen sind schwarze Boys, die das Leben in bonbonfarbenen Hoodies genießen und stolz auf ihre Herkunft sind. Einige der jungen Talente widmen sich aber nicht explizit dem Thema Schwarz-Sein. Der in Brüssel lebende Teenager David Uzochukwu, der bereits FKA Twigs vor der Linse hatte, kreiert zum Beispiel mit Adobe Suite wunderschöne Science-Fiction-Welten. Trotzdem haben die Bilder der jungen Fotografen alle eines gemein: Sie lassen uns die Welt für einen kurzen Moment durch ihre Augen sehen.


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Wir stellen dir die unterschiedlichen Realitäten und Bildwelten von zehn aufstrebenden und erfolgreichen Fotografen of Color genauer vor.

Foto: David Uzochukwu

David Uzochukwu
David Uzochukwu ist erst 19 Jahre alt, doch seine Karriere lässt sich bereits sehen. Der in Österreich geborene und in Luxemburg aufgewachsene Fotograf hat bereits FKW Twigs für eine Nike-Kampagne inszeniert und später mit ihr an einem Zine gearbeitet. Dazu hat er Stars wie Pharrell Williams und Ibeyi vor seiner Linse gehabt und für Missoni x Pigalle eine Kampagne geshootet. Nicht schlecht für einen Teenager, der sich selbst Photoshop beigebracht hat.

"Ich entscheide mich für Wunder und Verletzlichkeit", sagt David über seine Ästhetik, zu der Himmel, verzerrte Körper und Alien-Referenzen gehören. "Ich versuche, emotionalen Ballast loszuwerden. Das fühlt sich befreiend an." Kein Wunder, dass sich Davids Selbstporträts so wirken, als ob sie auf dem Mars entstanden sind.

@daviduzochukwu

Foto: Myles Loftin

Myles Loftin
"Mich interessieren die Nuancen des Schwarz-Seins und wie sie unsere Identitäten formen", sagt uns der 20-jährige Myles Loftin." Eines ist mir aber noch wichtiger: Die Schönheit darin zu entdecken, schonungslos schwarz sein zu wollen."

Der Parsons-Student zeigt in seinen bunten Polaroids pure Lebensfreude. Seine Models sind alle People of Color, die er vor knallbunten Hintergründen fotografiert. Mit einem Foto von vier schwarzen Männern in bunten Hoodies möchte er die Mainstream-Vorstellung, die schwarze Männer in Hoodies mit Kriminalität assoziiert, durchbrechen: "Durch die Fotografie hat man die einmalige Chance, seinen Motiven eine neue Bedeutung zu verleihen."

@mylesloft

Foto: Laura Alston

Laura Alston
Laura Alstons' Serie As Laid As It's Tied fühlt sich an wie ein Vintage-Familienalbum.Mit ihrer Ästhetik schafft es Laura, schwarze Models in einem Format zu zeigen, das ihre Identität sonst verschleiert. Wenn es um Werbefotos für Kaufhäuser oder Kataloge geht, werden People of Color meist in Anzügen und Kleidern, statt in ihrer Alltagskleidung, gezeigt. Doch die jungen Erwachsenen in As Laid as It's Tied tragen Durags und Jeans-Jacken und schaffen so ihre ganz eigenen Interpretationen von einem Familienfoto.

Angefangen hat Laura mit dem Fotografieren im ersten Jahr auf der Uni. "Ich hatte immer eine Einwegkamera dabei und habe Freunde, Künstler und Events fotografiert", so die Fotografin. "Ich habe sie allerdings erst nach Monaten entwickeln lassen, damit die Überraschung erhalten bleibt." Die mittlerweile 22-Jährige hat das Afrobaby Movement ins Leben gerufen, eine Plattform und Marke, die "Individualität durch Natural Hair, Kunst und HipHop" zelebriert. Sie möchte dabei allen Aspekten der schwarzen Erfahrung Raum geben, die oft übersehen werden: "Viele Medien schlagen Kapital aus People of Color und ihren Geschichten. Es ist wichtig, dass es auch Arbeiten gibt, die uns positiv und optimistisch zeigen."

@lauraalston

Foto: Yannis Davy Guibinga

Yannis Davy Guibinga
"Bei den Geschichten über Afrika und seine Menschen fehlen oft die Vielfalt der Identitäten und Erfahrungen innerhalb der afrikanischen Diaspora", sagt Yannis Guibinga. Der aus Gabun stammende Fotograf hat es sich zur Mission gemacht, diesen monolithischen Blick auf Afrika zu verändern. So zeigt er mit seinen Bildern den Reichtum des Kontinents: durch satte Primärfarben, atemberaubende Models und prachtvolle Gärten. Die Aufnahmen haben einen futuristischen Touch und mit ihrer Schlichtheit und Eleganz schon fast architektonische Qualität.

"Als afrikanischer Künstler sehe ich es als meine Pflicht an, mit meiner Kunst die Art und Weise zu verändern, wie andere den Kontinent wahrnehmen", so Yannis. An der Fotografie fasziniert ihn die Möglichkeit, Geschichten über Menschen, ihre Identitäten und ihre Erfahrungen so genau und realistisch wie möglich zu erzählen.

yannisdavy.com

Foto: Davey Adesida

Davey Adesida
Die soften Blau- und Grautöne in Davey Adesidas Porträts sorgen für eine besondere Intimität in seinen Fotografien. Dieser Ansatz kommt von seiner Liebe für die Hollywood-Klassiker, welche auch der Grund dafür sind, warum Davey zur Fotografie gekommen ist. Zwar ist Davey erst Mitte 20, bezeichnet sich aber selbst als "alte Seele". Da ist es nur logisch, dass er analog fotografiert: "Ich verwende viel Kodak, weil sich das Format gut für Hautfarben eignet", so der junge Künstler. Geboren wurde Davey in Nigeria, mittlerweile lebt er aber in New York und fotografiert aufstrebende Fashion-Newcomer, aber auch Stranger-Things-Star Caleb McLaughlin.

@daveyadesida

Foto: _xST

_xST
Der in Philadelphia lebende Fotograf _xSt, der mit bürgerlichem Namen Shawn Theodore heißt, zeigt mit seinen kontrastreichen Bildern die Magie schwarzer Haut. Die Gesichtszüge seiner Models sind durch die Dunkelheit fast nicht auszumachen. Dass der amerikanische Fotograf die Haut seiner Models so schwarz wie möglich erscheinen lässt, hat eine machtvolle Message: Diese Bilder sind der ausgestreckte Mittelfinger gegen eurozentristische Schönheitsideale. "Meine Silhouetten sind eine Hommage an die Arbeiten und den Einfluss von Aaron Douglas, ein Maler der Harlem Renaissance", sagt Shawn. "Seine Philosophie war es, dass die Kunst unserer Vorfahren aus Afrika relevant, bedeutungsvoll und Teil unseres schwarzen Erbes ist." Shawn nennt sich selbst einen Afromythologen – jemand, der die offizielle Geschichtsschreibung hinterfragt und die radikalen Möglichkeiten alternativer Erzählungen erkundet.

@shawntheodo

Foto: Kamau Wainaina

Kamau Wainaina
Zu den stärksten Erinnerungen des 20-jährigen Kamau gehören die alten Fotografien seiner Großeltern. Es hat ihn überrascht, wie "frisch, empowered und modern" sie sich angefühlt haben. "Der Umstand, dass sie mich so sehr überrascht haben, ist eigentlich ziemlich krank", sagt er und spricht davon, wie falsch die kenianische Kultur und Geschichte in den Medien dargestellt wird.

Das hat Kamau dazu inspiriert, eine persönlichere Version seines Heimatlandes zu kreieren. Der Student der NYU inszeniert seine kenianische Familie und Freunde mit warmen, unscharfen Bildern und vermischt Mode- mit Dokumentarfotografie. "Durch den hohen Preis der Filme bin ich mit jedem Foto vorsichtiger und geduldiger. In Nairobi welche zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", so Kamau. Doch davon lässt sich der junge Fotograf nicht abschrecken und kämpft mit seinen Bildern darum, die Wahrnehmung von Kenia in der restlichen Welt zu verändern. "Es ist einfach frustrierend, wie viele Fotos von Kenia und seinen Einwohnern entstehen, die uns falsch darstellen."

@kamau

Foto: Ekua King

Ekua King
Ein schwarzer Fotograf zu sein, bedeutet nicht gleich, dass es in den eigenen Arbeiten zwangsläufig immer nur ums Schwarz-Sein gehen muss. Ekua Kings Fotografien widersetzten sich genau dieser Erwartungshaltung. Auch wenn oft schwarze Männer vor der Linse der jungen Fotografin stehen, liegt ihr Fokus auf der Lebensfreude ihrer Modelle. So spielen oberkörperfreie, junge Männer Fußball, essen bei McDonalds oder hängen auf dem Basketball-Platz ab. "Ich fotografiere nicht nur schwarze Männer", sagt Ekua, die jamaikanische Wurzeln hat. "Aber mit ihnen fühle ich mich am meisten durch meine Arbeiten verbunden. Ich finde es faszinierend, wie sich ein schwarzer Mann bewegt. Das Bild des schwarzen Mannes ist ein Thema, das mich seit meinem Abschlussprojekt an der Universität begleitet." Dadurch fühlen sich ihre Aufnahmen mehr analytisch als sexuell an.

@ekuaking

Foto: Myles S. Golden

Myles S. Golden
"Ich liebe, dass die Fotografie wie ein Index funktioniert", sagt Myles S. Golden. "Jedes Bild ist ein Zeitdokument und hat einen ganz bestimmten Flair. Wenn ich zurückblicke und mir Fotografien meiner Eltern und Großeltern anschaue, wird mir bewusst, wie viele Geschichten jede einzelne erzählt."

Der nichtbinäre Femme-Künstler erkundet durch seine konzeptionellen Selbstporträts, in welcher Verbindung Gender zum Schwarz-Sein steht. In seiner Serie A Dead Name That Learned How to Live geht es um den Kampf für die Befreiung der Schwarzen. Nacktheit wird bei Myles zum Mittel, um die Düsterheit zu illustrieren, die mit der Geschichte der Sklaverei verbunden ist. "Ich nutze hauptsächlich Schwarz-weiß-Film, weil der schwarze Körper in diesem Medium nicht übergangen werden kann", so Myles. "Er wurde in der Geschichte immer in den Schatten gestellt, ausgelöscht oder ganz besonders in den Vordergrund gerückt. Ich nutze diese Techniken in meinen Arbeiten, um zu zeigen, was Black History war und ist."

@mylessgolden

Foto: Miora Rajaonary

Miora Rajaonary
Miora kommt ursprünglich aus Madagaskar und hat mit dem Fotografieren angefangen, als sie nach Südafrika gezogen ist. Mit ihren Aufnahmen versucht sie, mehr über das Seelenleben ihrer Modelle zu erfahren – und auch ein bisschen mehr über sich selbst. In einem ihrer Projekte hat Miora die Punk-Szene in Soweto, eine Township in Johannesburg, dokumentiert. Auf den Bildern sind junge Südafrikaner zu sehen, die skateboarden, Make-up tragen und das Leben genießen. Zwar gehört die junge Fotografin selbst nicht dieser Punkszene an, trotzdem gibt es vieles, das sie an der Subkultur bewundert: "Ich kann mich mit ihnen identifizieren, weil sie nicht das machen, was man von jungen, schwarzen Männern erwartet. Sie machen sich eine Musik zu eigen, die mit Weißen assoziiert wird. Es war surreal und befreiend, so etwas gerade hier in Südafrika festzuhalten."

@miorarajaonary

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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