Diese kristallklaren Unterwasser-Fotografien zeigen die Magie nackter Körper

In "Underwaterworld" geht es Fotografin Kate Bellm vor allem um eines: Freiheit. Im Interview spricht sie mit uns über die Zensur in den sozialen Medien und warum sich ihre Aktfotografie von der ihrer männlichen Kollegen unterscheidet.

von Zio Baritaux; Fotos von Kate Bellm
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23 Januar 2018, 1:16pm

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

"Wild, jung und nackt", so beschreibt die aus London stammende Fotografin Kate Bellm ihre Arbeiten. Das perfekte Beispiel dafür ist ihre fortlaufende Fotoserie Underwaterworld. Dafür fotografiert sie junge Frauen in Deià – einer mallorquinischen Hafenstadt, die Kate mittlerweile ihr Zuhause nennt – und erkundet darin nicht nur Unterwasserlandschaften.


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Die Aufnahmen wirken wie eine Mischung aus The Virgin Suicides und Splash sowie Yayoi Kusamas Kunstinstallation Infinity Mirrored Room. Tatsächlich wurde sie aber durch ihren Alltag inspiriert: "Ich lebe auf einem Berg am Meer und arbeite mit dem, was ich umgibt wie Blumen, Wasser oder Steine." Wir wollten mehr über Kates Verhältnis zur Nacktheit und Natur erfahren.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Mich fasziniert Fotografie einfach. Schon als ich jünger war, wollte ich Bilderwelten kreieren. Ganz am Anfang habe ich meine Nachbarn und meine Freunde fotografiert. Wir haben zu Hause Sets im Stil von [David] La Chapelle nachgestellt, dafür habe ich die alte Kamera meines Vaters benutzt.

Welche Künstler oder Fotografen inspirieren dich?
Peter Beard, Helmut Newton, Ren Hang und Mike Brodie.

Wie bist du auf die Idee zu deiner Fotoserie Underwaterworld gekommen?
Das hat sich so entwickelt, als ich ans Meer gezogen bin. Hier gibt es nicht mehr so viele Models, die ich fotografieren kann. Also habe ich meine Kamera mit zum Schwimmen genommen und unter Wasser die Girls fotografiert, die eben da waren.

Wo hast du vorher gelebt? Und wo lebst du jetzt?
Ich habe vorher in London, Paris und Berlin gelebt. Jetzt lebe ich mit meinem mexikanischen Ehemann, ebenfalls Künstler, und unserem Sohn Sage auf Mallorca in Deiá in einem selbstgebauten Haus mitten in der Natur. Wir verbringen auch viel Zeit in Mexiko.

Wie fühlt es sich an, unter Wasser zu fotografieren?
Es war lustig und herausfordernd zugleich. Meistens schwimmen wir erst mal und finden dabei kleine Meereshöhlen oder Felsformationen, die schön aussehen und mit denen wir arbeiten wollen. Die Girls schwimmen dann tiefer und erkunden die Gegend. Das Projekt läuft jetzt schon ein paar Jahre. Es gibt Tage, da ist das Licht und die Wasserqualität einfach unglaublich zum Shooten. Aber es gibt dabei natürlich auch Tücken: Wir schwimmen mehrere Stunden und im Wasser gibt es Quallen. Die Wellen darf man auch nicht unterschätzen. Ich hatte keine genauen Erwartungen an die Aufnahmen, deswegen fühlen sie sich auch so natürlich an.

Warum wolltest du, dass sich die Bilder natürlich anfühlen?
Ich mag den Gegensatz zwischen den unnatürlichen Posen in meiner Modefotografie und den freien und natürlichen in meinen privaten Aufnahmen.

Warum arbeitest du viel mit nackten Körpern?
Weil ich sie liebe. Es gibt nichts Natürlicheres als einen nackten Körper. Und wenn man dann noch selbstbewusst ist, ist es auch super sexy.

Wie denkst du darüber, dass die sozialen Medien den weiblichen Körper zensieren?
Das macht für mich einfach keinen Sinn, weil es so viele andere Plattformen gibt, auf denen man seine Aufnahmen posten kann. Die Netzwerke sollten sich einfach selbst einen Gefallen tun und sich von dieser Verantwortung und Bürde der Zensur befreien.

Glaubst du, dass sich deine Aktfotografie von der deiner männlichen Kollegen unterscheidet
Ja, weil wir – das Model und ich ­– uns sehr wohl dabei fühlen. Es gibt keine Grauzonen, wir arbeiten als Team.

Was möchtest du, dass die Leute beim Betrachten deiner Fotografien denken? Freiheit? Eskapismus?
Ja! Springt so schnell wie möglich ins Wasser, taucht unter und fühlt die Natürlichkeit, die euch das Wasser gibt.

@katebellm

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