joost vandebrug setzt mit seinen fotos den verlorenen jungs bukarests ein denkmal

„Reisen ist, meiner Meinung nach, die beste Ausbildung.“

von i-D Staff
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16 Januar 2017, 12:10pm

Neues Jahr, frische Talente. In unserer Serie „New Genuary" stellen wir euch den ganzen Januar über neue Fotografietalente vor, von denen wir 2017 garantiert noch mehr hören werden. Die neue Generation fängt die Welt um sich herum nicht einfach nur ein, sondern interpretiert sie durch ihre eigenen Erfahrungen ganz neu. Jeder Fotograf erzählt durch seine eigenen Bilder auf einzigartige Art und Weise seine eigene Geschichte. Heute: der 33-jährige Fotograf Joost Vandebrug aus den Niederlanden.

Erzähle uns mehr über dich und wo du herkommst.
Ich bin im Norden Hollands, in Frysland, aufgewachsen. Der Ort war leider nicht groß genug, um eine Stadt zu sein, und nicht klein genug, um Dorf zu sein. Ich habe mir die Zeit mit Skateboarding vertrieben und außerdem habe ich in einer Punkband gespielt. Mit 18 habe ich meinen Führerschein gemacht und bin nach Amsterdam gezogen. Da habe ich als Assistent von Fotograf Erwin Olaf angefangen. 2010 bin ich mit meinem Ehemann nach London gezogen.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Mein Vater ist Fotograf und wir hatten zu Hause eine Dunkelkammer. Ich war der Haus- und Hoffotograf unserer Band, wenn wir Pressebilder und Albumcover brauchten. Damals habe ich auch entdeckt, dass man mit einem gefakten Presseausweis und einer beeindruckend aussehenden Kamera kostenlos auf Konzerte kommt und direkt vor der Bühne steht.

Was findest du so toll am Fotografieren?
Technisch hat sich das Medium sehr verändert. Ich habe es geliebt, mit meinem Vater in unserer Dunkelkammer interessante Techniken zu entdecken, wie das Lith-Verfahren, das Anton Corbjin verwendet hat. Wir mussten das Papier und die Chemikalien extra aus London importieren, das war aufregend. Ich habe mir dann später Photoshop und Digitaltechnik angeeignet. Natürlich finde ich es toll, dass ich die Geschichte des Mediums kenne, aber letztlich ist es das Erzählelement, weshalb ich Fotograf werden wollte und nicht so sehr das Medium oder die Techniken an sich.

Braucht man dafür deiner Meinung nach einen Abschluss, um sich eine Karriere als Fotograf aufzubauen?
Nein, ich habe mein Studium an der Kunsthochschule geschmissen und bin danach viel gereist. Reisen ist meiner Meinung nach, die beste Ausbildung.

Wer oder was inspiriert dich?
Reise ist immer gut, sich in der analogen Welt zu bewegen, ist gut.

Was ist dein bisheriges Karriere-Highlight?
Dass ich die Straßen von Bukarest und die Lost Boys kennenlernen durfte, war eine unglaubliche Erfahrung. Sie haben mir eine völlig neue Welt eröffnet. Zusammen mit dem Dust Magazine habe ich ein Buch über ihre Leben herausgebracht und nächstes Jahr werde ich die Dokumentation über das Leben von Nicu (einer der Lost Boys) veröffentlichen. Er hat auf der Straße zwischen seinem zwölften und achtzehnten  Lebensjahr gelebt. 

Credits


Fotos: Joost Vandebrug

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