das übergrößen-model tess holliday erobert die modelbranche

Wir trafen die Gründerin der Social-Media-Kampagne #EffYourBeautyStandards zum Interview.

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Aug. 11 2015, 11:20am

Tess Holliday (früher bekannt als Tess Munster) wurde im Süden der USA in Mississippi geboren und unterwarf sich nie den Mainstream-Schönheitsidealen. Tess dachte nie daran, in der Modelwelt großartig Karriere zu machen. Zumindest sagten ihr das die Mobber auf der Highschool. Sogar ihr eigener Vater sagte ihr, dass sie es nie als Model schaffen würde. Doch sie zeigte es allen und erschien in Nylon und People, wo sie es bis aufs Cover schaffte, war das Gesicht ihrer eigenen Make-up-Kampagne von Benefit und wurde von der italienischen Vogue zu einer der weltweit einflussreichsten Übergroßen-Models gekürt. Sie schrieb Modegeschichte als erstes Größe-54-Model, das bei einer großen Modelagentur einen Vertrag unterschrieb. Sie dient für Hundertausende als Inspirationsquelle (sie hat über 900.000 Follower auf Instagram), 2013 startete sie die Social-Media-Kampagne #EffYourBeautyStandards, eine Reaktion auf das Cybermobbing, dem sie ausgesetzt war. Die Kampagne hat seitdem an Dynamik gewonnen und ihr Appell nach positiver Körperwahrnehmung findet auf der ganzen Welt Unterstützer.

Es herrscht aber nicht nur eitel Sonnenschein. Zusätzlich zu den leider normal gewordenen ständigen Angriffen aus dem Internet wegen ihres Körperumfangs, kritisierte letzten Monat der britische Hypnosetherapeut Steve Miller, der den Spitznamen „Simon Cowell des Abnehmens" trägt, in der Daily Mail die füllige Schönheit dafür, dass sie die Verbreitung von Übergewicht fördere. Das ist genau die Art von Hass, gegen die Tess bereits ihr ganzes Leben kämpft. Natürlich wirbt sie nicht für die Verbreitung von Übergewicht, ganz im Gegensatz zum Rest der Welt, der uns ständig sagt, was wir essen sollen, was wir anziehen sollen, wie wir aussehen sollen und letztlich wer wir sein sollen. Tess gehört zu den Wenigen, die wollen, dass wir genau die sind, die wir schon sind. Dafür sollten wir ihr alle dankbar sein.

Wolltest du immer schon Model sein?
Nein. Ich wusste bis 15 nicht, dass es Übergrößen-Models gibt. Ich dachte, man muss Größe 32 haben und über 1,80 Meter groß sein! Sobald ich es dann wusste, wollte ich nichts Anderes werden! Davor wollte ich Modedesignerin, Make-up-Artist oder etwas anderes Künstlerisches machen.

Wie wurdest du entdeckt?
Ein Casting Director sah 2010 Fotos von mir im Internet und lud mich dann zu einem Casting ein, und ich dachte, dass es sich dabei um Betrug handelte. Ich ging zum Casting und zehn Monate später war ich das Gesicht einer landesweiten Werbekampagne für eine Fernsehsendung des amerikanischen Senders A&E. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt.

Was bedeutet Modeln für dich?
Für mich bedeutet Modeln, die Schönheitsideale einer Welt herauszufordern, die nur schwarz-weiße Kategorien kennt. Ich tue etwas, was ich liebe und bin ich selbst. Ich musste mich nie verstellen und das werde ich auch nie tun.

Wie denkst du über den Begriff „Plus Size"?
Es ist ein Wort, eine Beschreibung. Das war's.

Für was stehst du?
Vielfalt, Transparenz und Selbstliebe. Ich denke, dass es wichtig ist, für das einzustehen, was einem wichtig ist, um anderen zu helfen - gerade wenn du in der Öffentlichkeit stehst.

Was ist die Geschichte hinter #EffYourBeautyStandards?
Ich hatte es einfach satt, dass ich online gemobbt und das mir gesagt wurde, was ich aufgrund meines Umfangs tragen und wie ich aus dem Haus gehen soll. Mir wurde ständig gesagt, dass „fette Mädchen nicht ihre Arme, Bäuche und so weiter zeigen sollen". Und ich dachte mir nur: ‚Scheiß drauf!'. Ich wollte das tragen, was mir gefiel und meine Sexualität als Frau mit Übergroße in einer von Diäten besessenen Welt ausleben. Dann habe ich vier Fotos von mir auf Instagram gepostet und andere aufgefordert, auch ein Foto von sich mit dem Hashtag #effyourbeautystandards zu posten, wenn sie mir zustimmen. Mittlerweile haben wir fast eine Million Shares und es gibt fünf Mädchen aus der ganzen Welt, die mir dabei helfen und die unterschiedliche Perspektiven einbringen. Es gibt eine psychologische Beraterin, eine LGBT-Aktivistin und ein Paar, das erfolgreich seine Essstörung in den Griff bekam. Es hat mein Leben verändert. 

Welchen Ratschlag würdest du du jungen Mädchen geben, die nicht so selbstbewusst mit ihren Körpern umgehen können wie du?
Suche Leute, die dich unterstützen und lieben. Höre außerdem auf keinen, der dir sagt, was du mit deinem Körper machen sollst, denn dein Körper gehört nur dir. Lass dich von keinem schlecht behandeln, nur weil du nicht die traditionelle Definition von Schönheit erfüllst. Denn das ist ganz viel Müll. Du bist allein schon deswegen etwas Besonderes, weil du einfach nur du bist.

Woran arbeitest du ihm im Moment?
An so vielem! Mögliche Buch- und TV-Deals, eine Fashion-Kollaboration, Vorträge und am wichtigsten: die Erziehung meines Sohnes.

Was sind deine Träume und Hoffnungen für die Zukunft?
Dass mein Sohn in einer Welt aufwächst, die seine Einzigartigkeit feiert und er weiß, dass alles möglich ist, unabhängig von Körpermaßen, Geschlecht, Ethnie oder Fähigkeiten. Wir sind alle sehr komplex und schön, es gibt für jeden von uns Platz auf dieser Welt. Manchmal müssen einige eben den Anfang machen.

@tessholliday

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Credits


Text: Tish Weinstock