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boy me / girl me: james franco im interview mit seinem weiblichen ich

Der Schauspieler, Filmemacher, Schriftsteller, Lehrer und Mann James Franco unterhält sich mit der Schauspielerin, Filmemacherin, Schriftstellerin, Lehrerin und Frau James Franco.

von James Franco
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29 September 2015, 12:05pm

Boy James: Hi. Du bist Girl James.
Girl James: Ja.

BJ: Du existierst nur auf dem Papier.
GJ: Das ist wahr. Aber das ist das Tolle daran, wenn man Objekte erschafft. Du kannst erschaffen, was du willst, sein was du willst. Junge, Mädchen, Alien, Killer, Liebhaber, Mutter, Bruder, Hund, Hase, Löwe, ein Stück Scheiße.

BJ: Stimmt, Kunst ist eine Performance, genau wie das Leben.
GJ: Jetzt fängst du schon wieder mit deiner Schauspielerscheiße an und behauptest, das Leben sei eine Performance und nichts Konkretes.

BJ: Na ja, ich glaube, dass es so ist. Zumindest ist es performativ, wer wir sind.
GJ: Natürlich glaubst du das, du bist ein weißer Mann, der in Amerika lebt, aufgewachsen in einer der reichsten Städte des Landes, Palo Alto. Du bist mit Steve Jobs' Tochter zur Schule gegangen und deine Journalismus-Dozentin ist die Schwiegermutter von Sergey, dem Mitgründer von Google.

BJ: Worauf willst du hinaus, Miss James?
GJ: Darauf, dass du verdammt noch mal privilegiert bist. Du kannst das Leben als Performance sehen, weil du alles kontrollieren kannst. Deine größte Sorge in der Highschool war, wie beliebt du warst, oder ob das Mädchen, in das du verliebt warst, dich auch mochte.

BJ: Hat sie übrigens nicht.
GJ: Wie scheiße ist das denn, du warst zwei Jahre mit einem Mädchen zusammen. Willst du mir sagen, Jasmine war nicht das Mädchen, in das du verliebt warst?

BJ: Doch, doch, war sie. Aber es gab ein anderes Mädchen, das zu gut für mich war und von dem ich besessen war, aber sie hat heimlich einen Lehrer gedatet.
GJ: Da haben wir ja gleich noch einen Fall von einem Mann, der eine Frau ausnutzt.

BJ: Keine Sorge, er hat dafür gezahlt: Er musste ins Gefängnis.
GJ: OK, er hat Ärger gekriegt. Aber was ist mit all den Beziehungen, die dem Gesetz nach nicht illegal sind, aber die offensichtlich auf einem Machtgefälle beruhen?

BJ: Welche wären das denn?
GJ: Ich rede von der Besetzungscouch, Arschloch.

BJ: Ja?
GJ: Ja. Du weißt genau, dass du deine Stellung als berühmter Schauspieler ausnutzt, um Frauen kennenzulernen.

BJ: Hey, hey, hey! Bitte, es ist ja nicht so, als würde ich Leuten meinen Ruhm unter die Nase reiben, um Frauen kennenzulernen.
GJ: Das musst du nicht, denn der Ruhm und die ruhmsüchtige Welt, in der wir leben, erledigen das schon für dich. Ich bin mir sicher, die Frauen stehen auf Instagram Schlange, um dich kennenzulernen.

BJ: Und? Inwiefern ist das meine Schuld? Ich lese meine Privatnachrichten schon gar nicht mehr.
GJ: Ja, und wir wissen alle, warum ... weil junge Frauen auf dem Weg versuchen, dich kennenzulernen.

BJ: Yup. Es gibt keine Alterseinschränkung bei dem Versuch, mich zu kontaktieren. Aber ich kontaktiere sie nicht zurück.
GJ: Nicht mehr.

BJ: Pass auf, ich habe nie mit nur einer Person gesprochen, die offiziell minderjährig war.
GJ: OK, was auch immer, darum geht's mir ja nicht mal. Ich spreche von einem Machtungleichgewicht. Frauen bieten sich Männern in deiner Position an, weil sie hoffen, dass es ihnen beruflich oder gesellschaftlich etwas bringen wird.

BJ: OK, aber lass dir nichts vormachen, es gibt jede Menge mächtige Frauen, die ihre Macht ausnutzen, um mit Männern in niedrigeren Positionen herumzuspielen.
GJ: Ich bin mir sicher, es handelt sich zahlenmäßig um einen Bruchteil der Männer, die das tun, ganz einfach weil die Zahl der Frauen in Machtpositionen nur einen Bruchteil der Männer in solchen Positionen beträgt.

BJ: OK, ich gebe zu, ich finde es einfacher, mit Frauen zusammen zu sein, die keine berühmten Schauspielerinnen sind, ganz einfach weil mächtige Schauspielerinnen, wie alle Menschen mit Macht, angebetet werden wollen. Sie verlangen es, und ich kann diese Ehrerbietung langfristig nicht aufrechterhalten.
GJ: Genau, weil du angebetet werden willst.

BJ: OK, was auch immer. Vielleicht bin ich ziemlich anspruchsvoll.
GJ: Und ich glaube, ein großer Grund dafür ist, dass du das Gefühl hast, die Leute würden dir etwas schulden, nur weil du männlich bist.

BJ: Ich habe für alles, was ich habe, hart gearbeitet. Das kann niemand abstreiten. Und ich bin auch das Risiko eingegangen, mit 18 mein Studium an der UCLA abzubrechen, um auf die Schauspielschule zu gehen, während alle um mich herum sagten, ich solle es lassen.
GJ: Du hattest immer noch Eltern, die dir im Falle des Falles aus der Patsche geholfen hätten.

BJ: Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
GJ: Ach ja, die schlimmen Probleme eines weißen Jungen aus Palo Alto, dem Herzen des Reichtums des Silicon Valley.

BJ: Hey, das ist nicht fair. Es gibt tatsächlich sogar ein riesiges Selbstmordproblem an den Schulen in Palo Alto, also ist es offensichtlich kein Paradies. Hohe Erwartungen und der Leistungsduck in einer extrem wettbewerbsorientierten Welt sind für viele sehr vielversprechende junge Leute zu viel. In den letzten zehn Jahren hat es in Palo Alto etwa zehn Selbstmorde von Jugendlichen gegeben. Meist lassen sie sich von dem Zug erfassen, der an der Highschool vorbeifährt.
GJ: Ja, und diese Schüler und Schülerinnen, und ihre Angehörigen, tun mir sehr leid. Aber ich würde sagen, Jugendliche in Palo Alto haben es sehr viel besser als Jugendliche in anderen Städten. Die Highschools dort sind im jährlichen Ranking der öffentlichen Schulen immer unter den Top 100.

BJ: OK und worauf willst du hinaus? Dass privilegierte Jugendliche sich die Depressionen zu verkneifen haben?
GJ: Nein, alle Menschen haben ihre Probleme. Aber Privileg nährt Privileg. Ich will, dass andere Leute eine Chance kriegen. Wie die Ladys, zum Beispiel.

BJ: Eine weitere Tatsache ist, dass Jungs inzwischen akademisch von Mädchen übertroffen werden. In den Klassenzimmern verlieren wir mehr Jungs als Mädchen.
GJ: OK, vergiss doch jetzt mal die Schulen in Palo Alto! Ich sage doch nur, dass Jungs immer noch in allen Lebensbereichen Privilegien gegenüber Mädchen haben.

BJ: Ja, Männer verdienen mehr, kriegen mehr Jobs, Männer kontrollieren alles. Allgemein gesagt.
GJ: Und Frauen sind in der Geschäftswelt und der Unterhaltungsbranche definitiv extrem in der Unterzahl.

BJ: OK, da stimme ich dir zu.
GJ: Also. Deine kleine Philosophie mit dem Leben als Performance ist ja ganz niedlich, aber ich würde sagen, das trifft auf Jungs mehr zu als auf Mädchen. Jungs dürfen mehr performen als Mädchen.

BJ: Das Leben als Performance ist nur eine Art, Entscheidungen als Persönlichkeitsentscheidungen zu sehen. Jeden Morgen entscheidest du dich, was du anziehst, wie du dein Haar trägst, du wählst deine Freunde, du wählst mehr oder weniger deinen Beruf und wie hart du arbeitest. Das sind alles Dinge, die ein Schauspieler über seine Figur entscheidet, wenn er spielt, und es sind Dinge, die wir im Leben entscheiden. Wir erschaffen unsere „Figur".
GJ: Ja, ich sehe die Parallelen deutlich. Aber was du nicht bedenkst, sind der Druck und die Umstände, die den Individuen auferlegt werden, basierend auf ihrem Geburtsort, ihren Eltern. Basierend auf ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht. Basierend auf ihrer Gesundheit und der Zugänglichkeit medizinischer Versorgung. Du bist in der oberen Mittelschicht von Palo Alto großgeworden, als Sohn liberaler Eltern, die in Stanford und Harvard studiert haben. Es gab sehr wenig, das dir nicht zur Verfügung stand. Ja, du konntest sein, wer auch immer du sein wolltest, denn alle nötigen Werkzeuge waren in Reichweite.

BJ: Ich stimme dir vollkommen zu, dass ich in eine sehr vorteilhafte Lage geboren wurde. Nicht nur war Palo Alto aus materialistischer Sicht der perfekte Ort um aufzuwachsen, sondern ich hatte auch noch zwei liebevolle Eltern, die zusammengeblieben sind, bis mein Vater gestorben ist, und zwei liebevolle Brüder, mit denen ich sicher befreundet bleiben werde, bis wir sterben.
GJ: Na, da hast du's. Das trifft auf viele Menschen in diesem Land und im Rest der Welt nicht zu. Viele Leute werden in Umständen groß und leben in Umständen, die ihnen die Kontrolle über ihr Leben wegnehmen, egal wie sehr sie sich etwas anderes wünschen.

BJ: Ja, ich weiß. Aber das negiert nicht die Vorstellung, dass das Leben eine Performance ist. In einem Film, einem Buch oder einem Theaterstück existieren die Figuren nicht in Isolation. Sie werden von dem Druck in ihrer Umgebung geformt, genau wie wir im Leben auch. Dieser Druck und diese Umstände formen den Charakter. Wer deine Eltern sind, das bestimmt deine Gene: deine Hautfarbe, dein Geschlecht, deine Größe, dein Gewicht. Wo du aufwächst hat einen Einfluss auf deine Sicht der Welt (ob positiv oder negativ), deine Sprache. Deine soziale Schicht hat einen Einfluss darauf, wo du zur Schule gehst, was du isst, wo du schläfst.
GJ: Gut erkannt, Sherlock.

BJ: OK, aber nicht so voreilig, Watson. Was ich sagen will ist, dass alle diesem Druck und diesen äußeren Umständen unterworfen sind. Das sind gewissermaßen vorgegebene Parameter, die das Leben eines Individuums umfassen. Sie sind das Ergebnis eines kosmischen Zufalls—diese Person ist Aragorn der Waldläufer, diese Person ist ein Gefangener in Nordkorea, diese Person ist Carlos der Zwerg. Manche dieser Dinge befinden sich außerhalb unserer Kontrolle, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht geändert werden können. Eine Figur (genau wie ein echter Mensch) ist die Summe ihrer Handlungen und Gefühle, ihre Seele ist die Insektenpuppe, die durch das Winden und Streben dieser Dinge gegen die Außenwelt entsteht, und ihr Geist ist der Schmetterling, der daraus hervorbricht. Unsere Handlungen und Gefühle werden nicht vor einem leeren Hintergrund aufgeführt, sie gehen nicht aus Staub hervor. Es gibt ständig Reibung und/oder Flow mit unserer Umgebung.
GJ: Ja, wir sind beide mit bestimmten Eigenschaften erschaffen worden und haben dann die Freiheit erhalten, zu handeln und zu reagieren. Aber Adam durfte alle Tiere benennen und Eva wurde aus Adams Rippe erschaffen, als Gehilfin für ihn. Kein Wunder, dass sie den Apfel gegessen hat, sie hat gegen eine Welt rebelliert, in der alles zu ihrem Nachteil war. Sie war nur eine Requisite, die Adam glücklich machen sollte.

BJ: Da gebe ich dir vollkommen recht. Ihre Situation war echt scheiße.
GJ: Das bisschen Erkenntnis von dem Apfel war wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung, nachdem sie als Mensch zweiter Klasse zu dienen hatte.

BJ: Ja, ich würde auch nicht in einem paradiesischen Garten leben wollen, selig und unwissend. Ich würde hinaus in die Welt wollen, um ein Teil von etwas zu sein. In gewisser Weise bin ich tatsächlich im Garten Eden geboren, oder zumindest so nah daran, wie es in dieser Welt geht. Wie du sagtest, wurde ich weiß und männlich in Palo Alto geboren. Ich hatte es ziemlich gut.
GJ: Also, warum willst du überhaupt mit einer weiblichen Version von dir selbst sprechen? Warum machst du nicht einfach männlich weiter? Bei dir passt doch alles. Du darfst alles machen, worauf du Lust hast, und das machst du auch. Du bist der Hochzeitsgast, der nicht nur ein Dessert, sondern alle Kuchen isst, einfach nur, weil du es kannst. Und es macht die Leute wütend.

BJ: OK. Ich weiß. Ich mache viel. Aber ich gebe auch zurück. Ich unterrichte an vier Schulen, zählt das nicht ein bisschen? Ich gebe jungen Regisseuren, Autoren und Schauspielern Chancen, ihre Träume zu erfüllen.
GJ: Und wie viele dieser Studenten an UCLA, USC, CalArts und deiner eigenen Schule Studio 4 sind Frauen? Wie viele haben eine andere Hautfarbe als weiß?

BJ: Also, ich arbeite nicht in der Zulassung, aber die Klassen sind schon ziemlich gemischt. Wenn die Verteilung der Filmstudenten und -studentinnen irgendwie repräsentativ dafür ist, wer in der nächsten Generation Filme drehen wird, dann gibt mir das Hoffnung für die Zukunft des Films.
GJ: Aber ich bin immer noch wütend. Weißt du warum?

BJ: Warum?
GJ: Weil du ein Mann bist.

BJ: Das ist alles? Weil ich ein Mann bin?
GJ: Ja. Ich habe es satt, gutaussehenden weißen Arschlöchern zuzusehen, wie sie auf der Leinwand ein Gesicht ziehen. Wen interessiert's? Du bist einer der privilegiertesten Menschen der Welt! Gib wenigstens ein paar anderen die Chance, ihre Sorgen in Filmen zu besprechen.

BJ: Hey, ich bin da auf deiner Seite. Bei mir geht's immer nur darum, anderen eine Chance zu geben. Ich habe Weiße-Jungs-Filme auch satt.
GJ: Ach ja? Ha. Du drehst doch nur Adaptionen von Faulkner und Steinbeck, die voll mit Weißen sind.

BJ: Das liegt daran, dass ich versuche, den Buchvorlagen treu zu bleiben. Die Bücher zeigen Menschen in einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort, und wenn ich dagegen gehen würde, dann wären die Projekte nicht mehr historisch korrekt. In manchen Fällen ist es in Ordnung, die Geschichte neu zu schreiben—der Mord an Hitler in Inglourious Basterds ist vielleicht eine Verbesserung der Geschichte, aber ich glaube nicht, dass so etwas der Sinn der Sache ist, wenn man einen großen Romanschriftsteller wie Faulkner adaptiert. Oder zumindest nicht beim ersten Mal. Vielleicht kann die nächste Version von As I Lay Dying auf Getting Mother's Body von Suzan Lori-Parks basieren.
GJ: Aber warum hast du überhaupt Faulkner als Quelle gewählt? Warum Steinbeck? Warum wählst du nicht ein Buch, das von etwas anderem handelt als von weißen Typen?

BJ: Du hast recht. Vielleicht habe ich stillschweigend angenommen, dass Themen über Frauen und andere Ethnien mir als Künstler nicht offenstehen. Dass ich, wenn ich mich zu weit von meiner eigenen Erfahrung und meiner etablierten Identität entfernen würde, kritisiert werden würde, weil ich anderen noch mehr Hochzeitsplätzchen wegesse.
GJ: Hochzeitskuchen, und ja, du würdest wahrscheinlich kritisiert werden. Aber wann hat dich das jemals aufgehalten?

BJ: Kritik hat mich noch nie aufgehalten.
GJ: Gut, dann rede nicht nur, sondern mach's auch. Gib Mädchen eine Chance. Gib anderen eine Chance. Als du Gia Coppola dein Buch Palo Alto gegeben hast, damit sie einen Film darüber dreht, ist das doch ziemlich gut geworden.

BJ: Ja, weil ich großzügig war. Die Leute mögen es, wenn man großzügig ist. Sie war damals noch nicht einmal Filmemacherin, aber ich habe sie gebeten, es zu machen, weil ich an sie als Künstlerin geglaubt habe. Und weil ich die Sicht einer Frau auf das Material wollte. Das Buch ist sehr auf Männer fokussiert und Gia hat einen Haufen weibliche Figuren daraus gewonnen und sie in den Mittelpunkt des Films gestellt. Und das Projekt war dadurch ein besseres.
GJ: Dann lass mich dich fragen: Wenn du eine Frau sein könntest, würdest du dich dazu entscheiden?

BJ: Hier ist ein Gedicht, das ich darüber geschrieben habe:

Hello Woman

Hello woman, I'd like to be you.
Not because I don't enjoy my man
Body, my man strength, my man looks,
My man mind, but because I love yours

Even more. I love your woman body
I love your woman mind,
Your woman face that is delicate,
And even has a little downy hair.

I love the shapely soft parts,
I love the vagina lips, no cock,
I love the butt swoop, and the clean
Butthole in the middle.

I love the woman bond,
So much more than the man.
I love the woman desires,
The love, the strength, the connection

More. More, more, more.
The man is angry, the man
Is destructive, the man wants more.
The woman is more, the woman is all.

If I ever got high, it would be to be
The woman. If I ever did porn,
I'd want to be the woman.
I don't want to be the man in woman

I just want to be woman.
But I will never be woman.
I am man, trapped in man.
I have no escape from this body,

This mind, this upbringing.
My only escape is a poem,
Feel the curves
They are the liquid shape

Of my woman body.

GJ: Verstehe. Tja, mit dem Gedicht hast du dir von beiden Seiten die Rosinen rausgepickt: Du kannst Frauen loben, während du immer noch deinen Männerkörper hast.

BJ: Stimmt. Ich schätze, ich könnte mich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen und körperlich eine Frau werden. Aber in mancher Hinsicht ist das gar nicht nötig.
GJ: Wieso?

BJ: Weil wir in einer Zeit leben, in der das echte Leben und das virtuelle Leben gleichauf sind. Wir sind es so gewöhnt, Versionen unserer selbst zu erschaffen, hauptsächlich online und mithilfe von Kommunikationstechnologie, dass ich keine Probleme habe, mich mir als Frau vorzustellen und mich selbst als Frau zu sehen, selbst wenn mein Körper von einem Mediziner als männlich eingestuft werden würde.
GJ: Du meinst, dass wir heutzutage ohnehin so viel auf Selbstdefinition geben, anstatt uns von alten Kriterien sagen zu lassen, wer wir sind?

BJ: Ja.
GJ: Und meinst du nicht, dass da was Heuchlerisches dran ist, sich die ganzen positiven Aspekte des Frauseins zu nehmen und nichts von dem Schmerz? Beziehungsweise, bist du damit nicht doch wieder nichts weiter als ein typischer Mann? Du nimmst das Gute von anderen, während du sie klein hältst.

BJ: Aber was kann ich schon tun? Ich bin ein Mann! Wie kann ich helfen, wenn nicht, indem ich mich Frauenthemen annehme, in meinen Filmen mit Frauen zusammenarbeite, Frauen unterrichte und in den Filmen von Regisseurinnen mitspiele?
GJ: Du könntest deinen Schwanz abschneiden.

BJ: Meinen Schwanz abschneiden, hmmm ... Ja, ich schätze, das könnte ich. Aber würde das nicht einfach wie ein Publicity-Stunt wirken?
GJ: Schneid ihn dir ab und sag's niemandem.

BJ: Dann würde ich immer noch als Mann wahrgenommen werden.
GJ: Na ja, wer entscheidet denn? Du, oder das, was alle anderen denken?

BJ: Ich schätze, ich.
GJ: OK, dann schneid dir den Schwanz ab und bezeichne dich als Frau.

BJ: Vielleicht gibt es noch eine andere Lösung?
GJ: OK, Boy James, willst du zu meinem Girl Squad gehören?

BJ: Das will ich, Girl James. Aber was bedeutet das, Girl Squad?
GJ: Das bedeutet, dass wir in allem, was wir tun, Frauen unterstützen. Wir unterstützen Frauen um jeden Preis. Und zwar Frauen aller Arten, Klassen und Ethnien. Die Männer haben zu lange regiert. Es ist Zeit, dass Frauen an die Macht kommen. Und der Squad garantiert das.

BJ: OK, einverstanden. Girl Power!

Credits


Text: James Franco 

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