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Anna Wintour ist Fashion’s gute Fee

Falls du dich auch schon immer gefragt hast, wie eine Dankesrede von Anna Wintour aussieht, brauchst du nur noch bis heute Abend zu warten. Der britische Modeverband British Fashion Council (BFC) verleiht ihr heute ihm Rahmen der British Fashion...

von Anders Christian Madsen
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01 Dezember 2014, 1:52pm

Die Pressemitteilung erinnert daran, dass Anna Wintour Trägerin des britischen OBE-Ordens ist, was quasi dem letzten Schritt vor dem Ritterschlag gleichkommt. Es ist die Ehrung der englischen Queen für außerordentliche Verdienste. Vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis Wintour den Titel „Dame" (weibliches Pendant zu „Sir") im Impressum der amerikanischen Vogue führen darf. Es ist natürlich die Position als Chefredakteurin, die Anna Wintour zur mächtigsten Person in der Modewelt gemacht hat. Der BFC ehrt Wintour nicht nur für ihre Verdienste als Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, die sie seit 1988 redaktionell führt und am Puls der Zeit hält, sondern aufgrund einer Reihe weiterer Verdienste.

Sie ist Philanthropin und sammelt fleißig Spenden. Sie entwickelte die CFDA-Vogue-Initiative mit, bei der an die 20 Millionen US-Dollar für die Aids-Forschung zusammenkamen. Daneben ist sie eine der Mitorganisatoren für die jährliche Benefiz-Gala zu Gunsten der Kostümabteilung des New Yorker Metropolitan Museum of Art. Sie hat frühzeitig den Einfluss von Stars erkannt hat; einer der Grundpfeiler ihres Erfolges bei Vogue. Sie war die Erste, die Stars aufs Cover gebracht hat und deren Einfluss genutzt hat, um Mode an einen breiteren Markt zu kommunizieren und zu vermarkten, auch wenn es anfangs als geschmacklos angesehen wurde.

Anna Wintour war eine Pionierin, wenn es darum geht, hoch- und niedrigpreisige Modesegmente zusammenzubringen. Unter ihr wurden in Vogue Haute Couture, Prêt-à-porter und Casualwear bunt gemixt. Auf ihrem berühmt gewordenen ersten Vogue-Cover trug Michaela Bercu eine Christian-Lacroix-Jacke zusammen mit einer Guess-Jeans. Einmal sagte sie darüber: „Ich habe dieses Bild nur angesehen und den Epochenwechsel gespürt." The September Issue, die Doku die Wintour zum globalen Superstar gemacht hat, gibt einen Einblick in den redaktionellen Alltag und zeigt den Charakter, den man braucht, um eine Publikation wie Vogue zu führen.

In ihrer Rolle als Chefin wurde Wintour wie Madonna, Hillary Clinton und Martha Stewart von den Medien hingebungsvoll als kalte, böse Power-Frau dargestellt. „Ich bin nicht einschüchternd und ich kann Ihnen versichern, dass das die Leute, die mit mir täglich zusammenarbeiten, ebenfalls nicht über mich denken. Wenn ich als kalt oder schroff erscheine, dann liegt es einfach daran, dass ich nach dem Besten strebe." Wenn man sich jedoch die unzähligen jungen Designer ansieht, die Wintour gefördert und zu Millionären gemacht hat, dann gehört diese Beschreibung wohl gänzlich ins Reich der Mythen.

„Anna Wintour ist eine Inspiration. Ihre Hingabe und Leidenschaft für die Modebranche, ihre Arbeitsmoral und ihre unbeirrte Unterstützung von jungen Talenten sind wirklich einzigartig", kommentiert Designer Christopher Kane. „Ich verdanke Anna so viel, weil sie schon sehr früh an mich geglaubt hat. Ohne ihre loyale Unterstützung und Freundschaft über die letzten zehn Jahre wäre ich nicht da, wo ich heute bin." Der Grund, warum ihre Verdienste wirklich außergewöhnlich sind, ist der Umstand, dass sie immer mehr gemacht als sie eigentlich hätte tun müssen. Wintour war nicht einfach nur Moderedakteurin - und sah sich auch nicht so. Sie sah und sieht sich als eine Art gute Fee für die gesamte Modebranche und darüber hinaus

Credits


Text: Anders Christian Madsen
Foto: Anna Bauer
[The Winter Warm Up Issue, Nr. 316, Winter 2013]