scream queens auf dem bildschirm

Happy Halloween! Wir werfen einen Blick zurück in die Geschichte des Horrorfilms und präsentieren euch die Frauen, die die 90 Minuten überlebt haben (es sind nicht viele).

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Okt. 31 2015, 5:35pm

Es ist nicht leicht, das heiße, junge Ding in einem Horrorfilm zu sein - besonders nicht als Frau. Das Genre hat nicht den besten Ruf, wenn es um Feminismus geht. Frauen, die Sex haben, werden auf brutalste Art und Weise bestraft und die Schlampe muss immer sterben. Seitdem Marion in Hitchcocks Psycho in der Dusche erstochen wurde, werden sexuell aktive Girls zum Opfer von Slut-Shaming. House of Wax ist nur das bekannteste und brutalste Beispiel. Die schöne und blonde Paris Hilton erst noch für ihren Freund und gibt ihm einen Blowjob, um dann in der nächsten Szene einen Pfahl durch ihren Schädel gebohrt zu bekommen. Aber es gibt Ausnahmen. Es gibt tolle Badass-Ladys, die die Gender-Konventionen überschreiten und die die Klischees von Teenie-Horrorstreifen widerlegen. Wir präsentieren euch die Scream Queens.

Die erste Scream Queen der Filmgeschichte ist die junge Jamie Lee Curtis im Horrorklassiker Halloween von John Carpenter aus dem Jahr 1978. Obwohl Psychokiller Mike Myers hinter ihr her ist, entkommt sie - das Final Girl ist geboren. Laut der Filmwissenschaftlerin Carol J. Clover vermeidet das Final Girl Laster wie Sex und Drogen, hat oft einen geschlechtsneutralen Namen und hat eine gemeinsame Geschichte mit dem Killer (Spoiler: Laurie entdeckt, dass Mike ihr älterer Bruder ist). Durch ihren Waffeneinsatz wird Laurie zum Mann, wodurch sich der männliche Zuschauer mit ihr als Final Girl identifizieren kann, aber gleichzeitig der Male Gaze entkommt.

In dem Kultklassiker aus den Siebzigern werden die beiden bekanntesten Stereotypen über Frauen in Horrorfilmen bedient. Zwar lehnt sich Carpenter mit der weiblichen Hauptrolle gegen Genre-Normen auf, aber trotzdem wird hier weibliche Sexualität als etwas Schlechtes dargestellt. Im Unterschied zu Laurie werden die Frauen, die Sex haben, umgebracht. Laurie wird für ihr enthaltsames Verhalten belohnt, während die Schlampen niedergemetzelt werden. Die Message, die dahintersteckt lautet: Weibliche Sexualität kann tödlich enden.

Die wohl bekannteste Überlebende ist Sidney Prescott aus den Scream-Filmen. Der Teenie-Slasher sorgte in den 90ern für eine Renaissance des Horrorgenres und vermied dabei die üblichen Klischees. „Du bist keine Jungfrau. Jetzt musst du sterben. Das sind die Regeln", sagt Stu zu Sidney im ersten Teil der Reihe. Sie überlebt nicht nur in allen vier Teilen, sondern Sidney Prescott ist der Gegenbeweis zur Theorie, dass Sex gleich Tod für Frauen in Horrorfilmen bedeutet. Außerdem wird sie nicht sexualisiert, sie trägt weder ein knappes Oberteil noch einen kurzen Rock. Sie hat sogar Sex mit ihrem Freund (Spoiler: Es stellt sich heraus, dass er der Killer hinter der berühmten Maske ist). Kurzer Hand knallt sie ihn ab und durchbricht so das Klischee, dass Schlampen sterben müssen.

Es sollten noch drei weitere Filme in dem Franchise folgen und mit jeder Fortsetzung gewinnt Sidney Prescott an Stärke. Nebenbei wird sie noch von mehreren maskierten Mördern in Atem gehalten. Am Ende wird aus dem Teenie eine Frau, die eine Telefonberatung für Frauen in Sorgen anbietet. Regisseur Wes Craven hat mit dieser Rolle das ultimative Horror-Pin-up-Girl geschaffen.

Dann gibt es noch Hayley Start aus Hard Candy. Ellen Page spielt das 14-jährige Schulmädchen, das im Internet den Fotografen Schrägstrich Sexualstraftäter Jeff kennenlernt. Nach ein paar anzüglicheren Nachrichten treffen sie sich auf einen Kaffee. Bei dem Gespräch erwähnt Hayley mehrmals ihr Alter und Jeff lädt sie trotzdem zu sich nach Hause ein. Konträr zur Slasher-Konvention, wonach die Opfer weiblich sind, wird der Mann hier zum Opfer. Jeff wird gefoltert, kastriert und bringt sich um, nachdem er gestanden hat, dass der bereits ein anderes Mädchen vergewaltigt und in den Mord eines anderen Mädchens verwickelt ist. „Wer zum Teufel bist du?", fragt Jeff Hayley. „Ich bin jedes Mädchen, das du jemals angeschaut, berührt, verletzt, verstört und umgebracht hast."

Jeff wirft ihr vor, dass sie ihn angemacht habe. Daraufhin stellt sie eines klar: „Das sagen die Pädophilen immer, Jeff. ‚Oh, sie war so sexy. Sie wollte es doch. Genau genommen ist sie zwar noch ein Mädchen, aber sie benimmt sich wie eine Frau.' Es ist so viel leichter, ein Kind verantwortlich zu machen, ist es nicht so? Nur weil ein Mädchen eine Frau imitieren kann, bedeutet das nicht, das sie bereit ist für das, was Frauen tun." Wäre Hayley nicht so taff, würde sie auch zu den Opfern gehören.

Ein weiteres, positives Beispiel ist der Horrorfilm It Follows. Maika Monrow spielt die hyperfeminine Jay Height, die am Anfang zwar Sex hat, aber die Geschichte wird aus Sicht der Schlampe erzählt. Jay wird von einer übernatürlichen, übertragbaren Geschlechtskrankheit verfolgt, die sie nur dann los wird, wenn sie die Krankheit durch Sex weiter überträgt. Regisseur David Robert Mitchell ist mit It Follows ein einzigartiger und fortschrittlicher Film geglückt, in dem eine sexuell frustrierte Gesellschaft der weiblichen Sexualität offen gegenüber steht. Am Ende besiegt die Heldin ihren Fluch.

Zwar sind diese Filme Beispiele dafür, wie man es anders machen kann. Aber trotzdem sind diese Charaktere alles andere als vielfältig. Wie der Großteil von Frauen in Hollywood, so sind doch alle Charaktere heterosexuell und weiß. Trotzdem sollten wir diese Dream-Girls als popkulturelles Zeichen der Hoffnung ansehen, denn nichtsdestotrotz sind diese Charakter in einem Genre, das Frauen nur als Opfer kennt, etwas Besonderes. Im echten Leben bedeutet Sex nicht gleich Tod und genauso wenig bedeutet Frau-Sein nicht gleich Opfer-Sein. Ein Hoch auf die Scream Queens.

Happy Halloween. 

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Credits


Text: Billie Brand