9 Frauen über Feminismus und Selbstbestimmung

Was bedeutet es überhaupt, eine Frau zu sein, und wieso bedeutet es das? Wer entscheidet darüber, was eine Frau ist? Wenn sich eine Frau von einer anderen Frau unterscheidet, was ist dann das verbindende Element?

von Sarah Sophie Flicker
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01 Dezember 2015, 5:15pm

Meredith Graves, 28, Musikerin, Autorin, Labelgründerin

Wie definierst du Feminismus? Mein Feminismus ändert sich mit jedem neuen Gedanken oder einer neuen Erfahrung. Ich beginne dann immer darüber nachzudenken, wie Gender mit Formen der Unterdrückung zusammenhängt. Kann Musik beim Kampf um Gleichstellung helfen? Das kann sie nicht, solange die Musikindustrie zu 99 Prozent aus Männern besteht, die Männersachen für andere Männer machen. Ich freue mich aber über die entstehenden Nischen, in denen nicht-männliche Personen diese Lücke füllen und Communitys aufbauen. Dort helfen sie sich gegenseitig und lernen von einander, teilen ihre Erfahrungen, geben sich Halt und sorgen für männerfreie Narrative. Meine Traumantwort auf die Frage wäre: Prominente und privilegierte Musiker, die ein Monopol auf Sichtbarkeit haben und immer Gehör finden, sollten ihren Status nutzen, um globale Fragen bezüglich Gender und Sexualität zu diskutieren. Wenn diese Herren ihre Macht nutzen würden, um etwas Wichtiges damit anzufangen, wäre das schon mal ein guter Anfang. Wie wichtig ist die Verschmelzung von Kunst und Aktivismus? Für die meisten von uns ist das unvermeidbar. Solange die Künste, darunter auch Musik, eine Domäne von heterosexuellen Cis-Männern bleiben, ist jedes Kunstwerk von Leuten, die davon abweichen, eine Form von Aktivismus. Man muss nicht übermäßig politisch sein oder schreiend auf der Bühne umherlaufen, wie ich es tue. Man kann auch leise und verträumte Musik machen, oder ein stummes Performance-Piece aufführen oder darauf bestehen, dass man in flüchtigen Räumen existiert, das ist alles extrem radikale Kunst. Die bloße Existenz ist eine Form von Aktivismus.

Jemima Kirke, 30, Künstlerin

Wie definierst du Feminismus? Feminismus ist der Glaube an die Gleichheit der Geschlechter und das Bewusstsein, dass das biologische Geschlecht einen nicht an einen bestimmten Verhaltenskodex bindet. Diese Regeln haben sich in vielerlei Hinsicht seit den Fünfzigern nicht verändert, sie haben keine andere Funktion, außer die Gesellschaft und das Patriarchat am Leben zu erhalten. Aber der heutige Feminismus muss die Auswirkungen von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts auf in Zusammenhang mit anderen Faktoren wie der ethnischen Herkunft oder der ökonomischen Lage sehen. Wie stehst du zur aktuellen Debatte über Familienplanung und reproduktive Rechte? Manchmal fühlt es sich so an, als ob die Leute den Slogan "Our bodies, our right to choose" interpretieren als "Ich möchte ficken können, wann und wen ich möchte, gleichzeitig total unverantwortlich sein und nichts mit den Konsequenzen zu tun haben." Nein. Die Wahl zu haben, heißt, das Recht zu haben, über sich und den eigenen Körper zu entscheiden. Die Wahl zu haben, heißt, in der Nähe eine Beratungsstelle zu haben, Zugang zu gynäkologischen Untersuchungen, Krebsuntersuchungen, Verhütung, Sexualaufklärung und sichere und zu legalen Abtreibungsmöglichkeiten zu haben. Dass Gesetze unsere Körper, unsere Kinder und unsere Familien einer Gefahr aussetzen, ist alarmierend. Wieso sprichst du öffentlich über deine Abtreibung? Eine enge Freundin von mir wurde böse, als ich in ihrer Gegenwart gegenüber einer anderen Person ihre Abtreibung erwähnte. Das überraschte mich, weil ich es nicht wirklich verstand. Das soll nicht heißen, dass meine Handlungen OK waren. Ich habe mich nur gefragt, wieso wir über einige persönliche Erfahrungen ganz normal reden können, über Abtreibung aber nicht. Ich will damit erreichen, dass dieses Schamgefühl verschwindet, wenn wir über Schwangerschaftsabbrüche sprechen. Was erhoffst du dir für die Generation deiner Tochter in Bezug auf reproduktive Rechte und Familienplanung? Ich erhoffe mir durch reproduktive Rechte, dass eine Bewegung für die wahre sexuelle Befreiung der Frauen zustande kommt. Dass dadurch die Scham abgebaut wird und unsere Gesellschaft aufhört, Frauen zu sagen, wie sie Sex haben sollen. Die Gesellschaft und damit einhergehende Fremdbestimmung über unsere Körper sind bewusst so gestaltet, dass wir kleiner, machtloser und unfreier sind.

Doreen St. Felix, 23, Autorin und Editor at Large bei Lenny

Wie definierst du Feminismus? Ich fühle mich bei dem Gedanken an eine universelle feministische Identität nicht sonderlich wohl. Für mich ist Feminismus ein Rahmen, der sich in kleinen Schritten oder auch dramatisch ändern kann, je nachdem wie andere Faktoren wie Verlangen, gesellschaftliche Stellung, Wohnort, Spiritualität, Geld und Ethnie sich dazu verhalten. Ich glaube, dass Feminismus konfrontativ ist, gleichzeitig kann er aber auch ein unglaublich flexibles Konzept sein. Es ist eine Lebenseinstellung, die meine Arbeit als Autorin, Redakteurin und Girl beeinflusst. Manchmal kommt es mir so vor, als ob Feminismus als diese höhere Bewusstseinsebene wahrgenommen wird; etwas in das wir hineinwachsen müssen, dabei ist er für einige eine natürliche Lebenseinstellung. Wie stehst du zur aktuellen Debatte über Familienplanung und reproduktive Rechte? Das Thema ist so komplex und dreht sich bisher vor allem ausschließlich um Abtreibungsrechte. Damit will ich nicht sagen, dass einige von uns nicht das Recht auf Selbstbestimmung verlieren. Aber es geht nicht nur um Abtreibung und das Thema geht nicht nur Leute mit Gebärmuttern etwas an. Für mich ist Polizeigewalt ein Zeichen einer Krise bei den reproduktiven Rechten. Wenn es das Recht gibt, Kinder zu haben, dann sollte das auch einschließen, dass das Überleben dieser Kinder sichergestellt ist. Afroamerikanische und Latino-Frauen haben ein umfassenderes Verständnis von reproduktiven Rechten, weil sie durch gesellschaftliche Strukturen erfahren mussten, was unbezahlbare ärztliche Versorgung, schlechte Wohnsituationen, Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz, und die Liste könnte weitergehen, für die Gesundheit bedeuten. Was für eine Rolle spielt Social Media innerhalb der Bewegung? Der größte Beitrag von Social Media ist die Sichtbarkeit. Plattformen mit User-generiertem Content wie Twitter, Facebook und bis zu einem gewissen Grad auch Instagram umgehen die Zensurstellen der Mainstreammedien und verbreiten Informationen so unbearbeitet wie möglich über das Internet und über Ländergrenzen hinweg. Es ist nur eine Strategie unter vielen, aber Social Media ergänzt die bisherigen Möglichkeiten, um gegen Falschinformationen und den Informationsmangel vorzugehen. Sandra Blands Tod und ihr Gesundheitszustand wären ohne Twitter nie bekannt geworden.

Margaret Cho, 46, Comedian

Wie definierst du Feminismus? Der Glaube, dass Frauen dieselben Rechte haben und die Handlungen, die nötig sind, um diese Gleichstellung zu erreichen. Wie stehst du zur aktuellen Debatte über Familienplanung und reproduktive Rechte? Es sieht nicht gut aus. Die Pro-Leben-Bewegung verbreitet ständig nur Lügen und verrückte Propaganda. Wir werden immer noch nicht über die Möglichkeit, Gewebe abzusaugen, als einfachere und schmerzlosere Abtreibungsart aufgeklärt. Ich hatte eine und diese Methode kann zum frühzeitigen Schwangerschaftsabbruch ohne die Einnahme von Medikamenten angewandt werden. Frauen wird vorenthalten, dass es andere Optionen als chirurgische Eingriffe, die teuer und schmerzvoll sind, gibt. Was kann Humor in der Auseinandersetzung um mehr soziale Gerechtigkeit beitragen? Wir können für Aufmerksamkeit für ein Thema sorgen, wir können die Doppelmoral offenlegen, wir können es der Lächerlichkeit preisgeben und wir können für unsere Rechte eintreten. Was hast du von der Schwulencommunity über Aktivismus gelernt? Wir können die Welt verändern, indem wir stolz darauf sind, wer wir sind und für unsere Rechte kämpfen. Du hast über deine eigene Abtreibung gesprochen. Wie hat es deine Meinung über reproduktive Rechte beeinflusst? Es war schmerzvoller, als es hätte sein müssen. Ich brauchte jemanden, der mich nach Hause fährt. Ich stand unter hoher Medikation. Eine andere Schwangerschaft habe ich durch Menstrual Extraction abgebrochen. Es dauerte Sekunden. Es tat nicht weh. Ich brauchte keine Medikation. Wir tun nicht genug für die Verbreitung dieser Methode, Frauen wissen davon nichts. Wir müssen mehr Aufklärung darüber betreiben. Es muss nicht so schwierig sein.

Lea DeLaria, 57, Comedian, Schauspielerin und Musikerin

Wie definierst du Feminismus? Sich mit erhobenem Haupt gegen die kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Unterdrückung der Frau zu wehren. Wie stehst du zur aktuellen Debatte über Familienplanung und reproduktive Rechte? Die konservative christliche Rechte führt Krieg gegen Frauen, vor allem gegen Frauen aus ärmeren Verhältnissen und aus dem Arbeitermilieu. Wieso kämpfen die Rechten so unerbittlich gegen reproduktive Rechte? Konservative können Veränderungen nicht ertragen, besonders Veränderungen, die ihren Status gefährden, nicht. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau beseitigt die männlich religiöse Dominanz. Anders ausgedrückt: Sie sind am Arsch, wenn sie uns nicht mehr herumschubsen können. Werden lesbische Frauen bei der Debatte vernachlässigt? Was können wir dagegen tun? [Lacht] Als ob es tatsächlich möglich ist, Lesben aus irgendeiner politischen Diskussion herauszuhalten. Das Klischee der politisch korrekten, humorlosen Lesbe kommt nicht von ungefähr.

Hari Nef, 23, Schauspielerin und Model

Wie stehst du zur aktuellen Debatte über Familienplanung und reproduktive Rechte? Ich bin der Überzeugung, dass Leute, die Kinder gebären können, selbst darüber entscheiden können sollten, ob sie Kinder gebären wollen oder nicht. Jede soll das mit ihrem Körper machen dürfen, worauf sie Lust hat. In einem Diskurs, der sich um die Körper von fruchtbaren Cis-Frauen dreht, kann ich mein Transgender-Sein mit meinem Feminismus nur schwierig vereinbaren. Ich solidarisiere mich mit den Trans-Frauen, Trans-Männern und unfruchtbaren Cis-Frauen. Ich entschied mich dafür, meinen Körper mit Hormonen zu verändern, um eine offensichtliche Form von Frau-Sein zu verkörpern. Die Hormone sorgen dafür, dass ich sicher eine Straße in New York entlanglaufen kann, dass mich Leute mit den richtigen Pronomen ansprechen und sie ermöglichen es mir, dass ich mein Geld als Model verdienen kann. Eine Nebenwirkung der Hormone: Unfruchtbarkeit. Um einen weiblichen Körper zu erschaffen, musste ich mich selbst sterilisieren. Zu der damaligen Zeit hatte ich keine andere Wahl, aber ich frage mich, zu was mein Körper in einer perfekteren Welt alles in der Lage wäre. Wenn meine Gender-Identität von den Leuten in meiner Umgebung akzeptiert worden wäre - ohne Druck hinsichtlich eines medizinischen Eingriffs – hätte ich überhaupt Hormone nehmen müssen? Ähneln die Gründe, wieso Trans-Frauen unter Druck gesetzt werden, sich einem medizinischen Eingriff bei ihrer Geschlechtsangleichung zu unterziehen, womöglich den Gründen, wieso Frauen unter Druck gesetzt werden, keine Abtreibungen zu haben? Die Erfahrungen von Trans-Frauen und Cis-Frauen sind unterschiedlich, aber wir können gemeinsam gegen ein patriarchalisches Gesundheitssystem (oder Welt) kämpfen, die Unterdrückung als Verschreibung tarnt. Wie definierst du Feminismus? Ich wurde so erzogen, Feminismus in Verbindung mit einer zweigeschlechtlichen Dialektik zu sehen: 'Frauen sollten dieselben Rechte und Möglichkeiten haben wie Männer'. Heutzutage muss es beim Feminismus um das Geschlecht und die damit verbundenen unzähligen gesellschaftlichen Implikationen gehen. Was bedeutet es überhaupt, eine Frau zu sein, und wieso bedeutet es das? Wer entscheidet darüber, was eine Frau ist? Wenn sich eine Frau von einer anderen Frau unterscheidet, was ist dann das verbindende Element? Weiße Cis-Frauen haben eine institutionalisierte Geschichte als sogenannte Feministinnen, aber ihre Befreiung hat sich als dürftig, irrelevant und gewalttätig gegenüber Millionen anderer Frauen erwiesen. Wenn sich die Erfahrungen von Frau zu Frau so radikal unterscheiden, macht eine einzelne Definition von Feminismus dann überhaupt Sinn? Wie können Transgender mehr in die Debatte um reproduktive Rechte eingebunden werden? Fortpflanzung ist für viele Transgender ein Problem, da die Hormontherapien die Fortpflanzung beeinflussen. Mein Doktor warnte mich, dass die Testosteronblocker meine Fruchtbarkeit einschränken würde. Ich würde sie wiedererlangen, wenn ich die Hormone absetzen würde. Jedoch würde das regenerative Potenzial abnehmen, je länger ich sie abgesetzt habe. Er riet mir, dass ich mein Sperma vor dem Beginn der Hormontherapie einfrieren lassen soll. Aber ich war damals auf dem College und wusste nicht, ob ich mir das leisten konnte, weil es komplett privat bezahlt werden muss. Ich musste so schnell wie möglich mit der Hormonbehandlung anfangen, aus psychischen Gründen, also nahm ich die Hormone. Als ich ein paar Monate versuchte, mein Sperma einfrieren zu lassen, war ich schon unfruchtbar. Ich hoffe, dass reproduktive Dienste für Transgender, die geschlechtsangleichende Operationen vornehmen, einfacher zugänglich und bezahlbarer werden. Wenn ich einfachen Zugang zu solchen Spermadiensten gehabt hätte, dann hätte ich vielleicht irgendwann Kinder haben können. Hoffentlich wird die Technologie eines Tages soweit sein, dass ich doch Kinder haben kann. Mich von meinem Traum eigener, biologischer Kinder zu verabschieden, gehörte zu den schwierigsten Entscheidungen im Prozess der Angleichung.

Sarah Sophie Flicker, 42, Aktivistin, Performerin und Autorin

Wie stehst du zur aktuellen Debatte über Familienplanung und reproduktive Rechte? Es fühlt sich so an, als ob wir wieder in die 50er zurückversetzt werden sollen. Rechte, die ich mein ganzes Leben genossen habe, sollen nun plötzlich wieder zur Debatte stehen? Oder dass meine Tochter nicht dieselben Rechte haben wird, die ich für selbstverständlich angesehen habe. Wie können junge Frauen bei der Debatte um reproduktive Rechte mitmachen? Es ist wichtig, dass junge Leute über Sexualität, sexuelle Gesundheit, Verhütung und Sex aufgeklärt werden. Wenn die nächste Generation aufgeklärter ist, kann sie bewusster mit dem Thema umgehen. Außerdem sollten die Jungs mit ins Boot geholt werden. Wieso ist das Thema reproduktive Rechte gerade für Mütter interessant? Wann, wie und ob wir Kinder haben, gehört alles zu den reproduktiven Rechten. Unsere Kinder ohne Angst vor Armut, Gewalt, Hunger oder Intoleranz großziehen zu können, gehört auch dazu. Die Fähigkeit, unsere Kinder großzuziehen und unsere Familien zu ernähren, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit gehört dazu. Je näher wir uns mit den meisten Problemen von Ungleichheit beschäftigen, desto mehr sehen wir, dass alles miteinander verbunden ist. Wenn Mütter gesellschaftlich wertgeschätzt werden, dann profitieren alle. Was möchtest du deinen Kindern über reproduktive Rechte und Gleichheit beibringen? Ich fürchte für meine Tochter, dass sie die Botschaften verinnerlichen wird: Dass sie keine Kontrolle über ihren eigenen Körper hat; dass ihr Körper zum Schlachtfeld politischer Auseinandersetzungen geworden ist und dass sie kein Recht hat, von einer selbstbestimmten Zukunft zu träumen. Ich befürchte, dass sie die Botschaft aufsaugen könnte, dass sie und ihre Arbeit, ihre Ideen weniger wert sind als die ihrer männlichen Kollegen. Ich fürchte, dass sie daraus schließt, dass ihre Sexualität nur dazu ist, um Kinder auf die Welt zu bringen. Für meine Söhne befürchte ich, dass dieses Klima ihre Privilegien verstärken wird, dass ihnen gleichzeitig aber ihr Recht auf Gefühle und Verletzlichkeit genommen wird; dass sie das Recht haben, die Körper von Frauen kontrollieren zu dürfen, und dass geteilte Erziehung uncool ist. Ich befürchte, dass mein Erziehungsideal – feministische Boys – von links wie rechts durchkreuzt wird.

Sally Kohn, 38, TV-Kommentatorin und Kolumnistin

Wie definierst du Feminismus? Der Glaube, dass Frauen zu 100 Prozent gleich sind und dieselben Rechte, Möglichkeiten und Privilegien wie Männer haben sollten. Punkt. Keine Diskussion. Wer will das nicht? Wie stehst du zur aktuellen Debatte über Familienplanung und reproduktive Rechte? Das Selbstbestimmungsrecht ist untrennbar mit der wirtschaftlichen und kulturellen Freiheit von Frauen verbunden. Und weil das Gesundheitssystem und der Zugang zu reproduktiven Behandlungsmethoden für schlecht bezahlte Women of Color noch schwieriger ist, ist es auch ein Thema von Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe. Man darf die Angriffe auf reproduktive Rechte nicht getrennt oder unabhängig von rassistischen oder transphoben Angriffen oder von Fragen ökonomischer Fairness sehen. Reproduktive Rechte sind ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfes für mehr Freiheit, für uns, unsere Körper und unsere Leben. Wie kann die Debatte breiter werden? Wir müssen verstehen, dass die Angriffe auf den Zugang zu Abtreibungsmöglichkeiten und Verhütung nicht isoliert passieren, sondern mit der weißen Vorherrschaft und Frauenfeindlichkeit, mit Einschnitten in die Leistungen aus der Krankenversicherung für Arme und Immigranten und dem Backlash gegenüber er LGBT-Community verbunden ist. Unsere Bewegungen werden integrativer, wenn wir verstehen lernen, wie diese die Konflikte miteinander verbunden sind und die Probleme ein gemeinsames Übel haben. Steht Mutter-Sein im Konflikt damit, eine Aktivistin für reproduktive Rechte zu sein? Ich unterstützte es, weil ich eine Mutter bin. Ich habe eine Tochter. Ich möchte, dass sie ihren eigenen Körper respektiert und kontrollieren darf und nicht irgendwer anders, ob nun eine andere Person oder rechte Politiker. Wenn sie eines Tages eine Abtreibung durchführen lassen möchte, dann soll das ihre Entscheidung sein, nicht meine, nicht die von den Politikern in Washington oder von irgendwem anders. Ich kämpfe für das Recht auf Abtreibung und reproduktive Rechte, um die Entscheidung meiner Tochter zu schützen.

Tamika Mallory, 35, Präsidentin und Gründerin von Mallory Consulting

Wie definierst du Feminismus? Feminismus ist der Glaube, dass Frauen dieselben Rechte, ob politisch, gesellschaftlich oder ökonomisch, verdienen wie Männer. Feminismus wurde als diese Antimänner-Philosophie missverstanden, das ist nicht so. Feministisch zu sein, bedeutet pro-Frauen zu sein, zu glauben, dass eine Frauen für dieselbe Arbeit genauso viel verdienen soll wie ihre männlichen Kollegen, zu glauben, dass ein junges Mädchen alles sein kann und sie in ihren Überzeugungen zu bestärken, sich gender-basierten Verallgemeinerungen bezüglich des Verhaltens zu verweigern. Mein Feminismus ist intersektional. Wie können wir die Debatte über reproduktive Rechte um die Erfahrungen von Women of Color erweitern? Indem wir unsere Geschichten erzählen und den Einfluss von Rassismus auf die Gesundheit von Frauen deutlich machen. Ich meine damit den institutionellen und strukturellen Rassismus. Der Mangel an Einrichtungen in den Vierteln von Schwarzen von Latinos sorgt dafür, dass diese Frauen ein größeres Risiko eingehen, wenn sie medizinische Hilfe suchen. Vielleicht muss eine Frau aus diesem Viertel erst meilenweit fahren, um eine Einrichtung zu erreichen oder sie muss sich freinehmen, weil sie für Krankentag nicht bezahlt wird. Diese Bürde müssen wir identifizieren und abschaffen. Wir müssen diese Geschichten erzählen, Schlüsse daraus ziehen und für die Veränderung direkt bei denen sorgen, die die Macht haben. Wir müssen die Debatte bestimmen, laut und beharrlich. Was kann die Bewegung für die Unterstützung von alleinerziehenden Müttern tun? Alleinerziehende Mütter müssen sich um vieles kümmern. Durch unseren Alltag können wir uns nicht in verschiedenen Bewegungen über alle Maßen engagieren. Ich fordere alle Bewegungen auf, die sich mit unseren Problemen auseinandersetzen, dass sie Wege finden, wie sie uns einbinden können. Zwar können wir vielleicht nicht in der ersten Reihe stehen, aber das heißt nicht, dass wir uns nicht engagieren wollen, oder es sich dabei nun um den Klimawandel, Polizeigewalt, ökonomische Ungleichheit oder reproduktive Rechte handelt.

Credits


Fotos: Katie McCurdy, außer Hari Nef und Sarah Sophie Flicker von Kathy Lo