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Scan ein, druck aus, zieh an: Die Zukunft der Mode ist 3D

In Zukunft wirst du die Möglichkeit haben, dein Partyoutfit zu Hause auszudrucken, dein T-Shirt wird dich umarmen können, deine Sachen werden sich selbst reinigen und Laufstegmodels werden nur noch Hologramme sein. Es sei denn, Sekunde … dass es das...

von Felicity Kinsella
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28 Oktober 2014, 1:04pm

Mitchell Sams

Vor einem Jahr gab es Gerüchte über einen Stoff namens Quantum Stealth, der einfallendes Licht um seinen Träger herumleiten könne, um abzubilden, was sich jeweils vor und hinter diesem befindet - ein echter Tarnmantel! Während die Modewelt noch keinen Blick auf dieses trügerisch-unglaubliche Material geworfen hat (aus den offensichtlichen Gründen?! Mal abgesehen davon, dass es von der US-Armee streng geheim gehalten wird), gibt es andere Wunder der Technik, die mit Höchstgeschwindigkeit entwickelt werden und dabei unsere Art, Kleidung zu sehen, zu entwerfen, herzustellen und zu kaufen, verändern. 

Models können auf dem Laufsteg durch ihre eigenen Hologramme laufen, T-Shirts können dich umarmen und Couture wird am Rechner entworfen und per 3D-Drucker ausgedruckt werden können - ganz ohne Nadel und Faden. CuteCircuit ist das Modehaus der Erfinder des HugShirts, Ryan Genz und Ex-Valentino-Designerin Francesca Rosella. Sie haben einen Freund am anderen Ende der Welt schön in den Arm nehmen so einfach gemacht wie SMS verschicken. Im Shirt befinden sich Sensoren, die die Stärke der Berührung, Körpertemperatur und den Herzschlag des Senders messen. Diese Daten können dann via on-the-fly überall auf der Welt hingesendet werden und das HugShirt drückt dich genau auf die Art und Weise, wie es dein Freund bei einer Umarmung getan hätte. Die Fragen, welche Francesca üblicherweise gestellt werden, sind: „Kannst du das waschen? Wie lädst du das auf? Ist es bequem?". „Ja, USB, ja. Es wurde vom Time-Magazin als eine der Erfindungen des Jahres ausgezeichnet, und das war es dann auch, was die Leute wirklich auf die Wearable-Technology-Revolution aufmerksam machte. Und dann der Galaxy MiniSkirt: Ich liebe es, ihn anzuziehen und die Reaktionen der Leute zu beobachten, die ihn in Action sehen. Ich wurde in Shoreditch regelrecht auf der Straße belagert letzte Woche!", sagt Francesca. 

CuteCircuit sind es auch, die hinter Katy Perrys romantischem Traumkleid auf der Met Gala 2010 stecken. Beim Posieren auf dem roten Teppich drückte sie an ihrem herzigen Ausschnitt auf einen Knopf und das Kleid begann mit mehr dreitausend kleinen LEDs zu leuchten, eine Vision von Zuckersüßheit und Licht, das noch einmal dreitausend Lichtblitze auslöste, als die Paparazzi am Teppich explodierten. The future is bright! „Alle Kleidungsstücke, die wir herstellen, sind direkt unseren Träumen entsprungen. Wir werden mitten in der Nacht wach, um sie dann gleich zu skizzieren, bevor wir auch nur ein Detail vergessen. Ein CuteCircuit-Stück beginnt immer mit dem Gedanken ‚Wäre es nicht unglaublich, wenn …', und dann versuchen wir einfach, es auf bedeutsame und wundervolle Art und Weise Wirklichkeit werden zu lassen."

Iris van Herpen spring/summer 14

Es war nicht weit von dieser futuristischen Hunger-Games-Idee entfernt, die Lenny Kravitz in seiner Rolle des Stylisten für Katniss' Girl on Fire-Kleid hatte. Solche Kreationen sind wie aus einem Märchen: entworfen, um klug und interessant zu sein, und sie sind Innovationen der Mode, aber auch einmalig - Highlights eben. Das eigentliche Phänomen, das die Mode revolutioniert, scheint 3D-Drucken zu sein. Iris van Herpen ist eine 29-jährige holländische Designerin, die 3D-Druck benutzt, um Couture zu entwerfen, die bis ins kleinste Detail fantastisch, heliakisch und zu 100 Prozent symmetrisch ist. „Der große Vorteil des 3D-Druckens ist, dass es dabei keine Einschränkungen in Bzug auf Dreidimensionalität oder Komplexität gibt. Alles, was vorstellbar ist, ist möglich", sagt sie. Im Moment ist das Hauptproblem, das den 3D-Druck davon abhält, die Macht in der Modewelt zu übernehmen, dass die verwendeten Materialen nur feste Formen annehmen können. Das ist großartig für alles Dreidimensionale, doch wird es dir in naher Zukunft deshalb noch nicht möglich sein, zu Hause ein T-Shirt auszudrucken. „Weil ein Kleidungsstück normalerweise aus Stoff besteht, muss jede Form, jede Dreidimensionalität, die du hinzufügen willst, in den Nähten verändert werden. Also beginnst du zweidimensional (mit dem Stoff), woraufhin du es dann dreidimensional machen willst (damit der Körper gut hineinpasst). Dieser Übergang von 2D zu 3D bringt viele Schwierigkeiten mit sich. Beim 3D-Drucken beginnst du dreidimensional; das ist die absolute Freiheit. Ich kann so komplex und detailliert in alle drei Dimensionen gehen wie ich möchte, ohne Rücksicht auf irgendwelche Nähte nehmen zu müssen."

Wenn wir Stoff nicht drucken können, warum ist das alles dann nicht genauso ein Gimmick wie Katy Perrys erleuchtetes Ballkleid? Vielleicht ist das nur der Beginn des 3D-Drucks. Es passiert heute selten, dass du an eine Kunst- oder Gestaltungshochschule kommst, wo es keinen 3D-Drucker gibt, und wenn die kommenden Generationen sie benutzen, muss das schließlich irgendwo hinführen. Die Mission des London College of Fashion lautet „Fashion the Future", zieh der Zukunft etwas Neues an. Sie haben ihren eigenen 3D-Drucker - den Makerbot 3D. Mit einem 3D-Scanner können die Studierenden dort entweder ein Objekt oder sich selbst scannen, um ein digitales Mannequin herzustellen und gewissermaßen Kleidungsstücke zusammenzunähen, bevor sie sie an ihren personalisierten Mannequins drapieren, um so perfekt sitzende Kleidung herzustellen. „Die digitale Abteilung des LCF hat zwei 3D-Drucker: Der eine verwendet Gips, der andere einen Kunststoff, den man PLA nennt. Sie werden hauptsächlich von Studierenden der Masterprogramme Fashion Footwear und Fashion Artefact genutzt. Unsere Drucker sind gut dafür, Prototypen herzustellen. Wenn es dann darum geht, Endprodukte zu fertigen, die eine hochqualitatives Finish nötig machen, robust und tragbar sind, dann raten wir unseren Studenten, auf kommerzielle 3D-Druckereien zuzugehen", erklärt LCFs Gabriela Daniels, Technical Manager 3D and Science.

Bekleidungsgrößen sind momentan derart spezifisch, eine 8 hat eine Taille von ungefähr 63 cm und eine Hüfte von etwa 88 cm, eine 14 hat eine 78-cm-Taille und eine 103,5-cm-Hüfte, aber wir sind keine Schaufensterpuppen; viele von uns sind oben und unten anders gebaut, groß, klein, kurvig, alles durcheinander. Im März 2013 trug Dita von Teese das erste vollständig durch 3D-gedruckte Kleid, das gemacht wurde, um ihr, und nur ihr, perfekt zu passen. Also wie lange wird es dauern, bis wir alle Jeans, T-Shirts und Dessous haben, die unseren Körpern exakt passen? Ich meine, sich selbst zu scannen ist noch der einfache Teil. Von Victoria-Secrets-Engel Lindsay Ellingson zu i-Ds Associate Producer Declan Higgins - es ist nicht schwer, eine exakte digitale Kopie deiner selbst anzufertigen. „Du kannst einen 3D-Scan ganz einfach mit einem Xbox Kinect machen; du kannst dir dieses Plugin besorgen, das die Sensorendaten aufnimmt", sagte Declan (und es stimm). Aber Declan machte die Sache mit 3D von vorne bis hinten mit. Er wurde von einem Freund, der für Europac 3D arbeitet, gefragt, ob er eine exakte Kopie seiner selbst als Actionfigur haben wolle. „Da war ein 80 Riesen teurer, völlig irrer Scanner und es war ein bisschen wie ein Bügeleisen, dass Mutti benutzen würde, um eben Sachen zu bügeln, und der Typ meinte 'Stell dich auf das X' und ist dann mit diesem Bügeleisen über jeden Teil meines Körpers gefahren. Darin war ein Sensor, der irgendwie jeden Quadratzentimeter deines Körpers in einer anderen Art Pixel aufgenommen hat. Er hat das ganz schnell gemacht, als ob er mich ausmalen würde und es erschien alles vor mir auf einem Bildschirm, aber es war sehr grobpixelig. Und dann kam er näher und hat mich noch einmal langsam überzogen, was einen gründlicheren 3D-Scan ergeben hat, auch in Farbe. Es hat etwa fünf Minuten gedauert." Am Ende der Woche erreichte ein 30 cm großer Declan das Büro, angezogen in der blaueen Adidas-3-Streifen-Track-Jacket, die er an dem Tag getragen hatte.

Iris van Herpen spring/summer 14

„Ich glaube nicht, dass 3D-Druck, wie wir ihn heute kennen, die Zukunft der Mode ist, aber ich glaube definitiv, dass die alten Verfahren zum Bau jeder Kreation - sei es in der Architektur, im Design, der Kunst, der Mode - wo wir in der Regel zweidimensional beginnen, um etwas dann in die dritte Dimension zu modulieren, Geschichte sein werden. Die Entwicklung geht so schnell, Forschung und Musterentwicklung in 4D haben bereits begonnen. Also glaube ich zwar, dass 3D-Druck, wie wir es heute kennen in Zukunft nicht unser Weg sein wird, Kleidung herzustellen, aber die Essenz des 3D-Druckes - gleich mit 3D anzufangen und 2D zu überspringen - wird es sein, ja", erklärt Iris. Es mag noch in einem frühen Stadium befinden, aber 3D-Druck wird bereits dazu verwendet, um so ziemlich alles zu machen, von Waffen bis Pizza (der Foodini-3D-Drucker wird für doch sehr überschaubare 1.050 Euro zu haben sein — auch wenn er nur Essen mit breiiger Konsistenz drucken kann) und wenn du bedenkst, dass du jetzt deinen eigenen 3D-Drucker von Maplin kaufen kannst (der UP! Plus 2 3D-Drucker kostet nur 2.025! Euro und kann benutzt werden, um von der iPhone-Hülle bis zum Eierbecher fast alles herzustellen), wird es mit Sicherheit nicht lange dauern, bis wir auf 3D-Drucker kucken, wie wir heute auf Computer schauen, sprich, dass wir ohne nicht mehr sein können.

Ich bin mir sehr sicher, dass es nicht mehr so lange dauern wird, bis wir alle unsere Designs online kaufen werden, es wird eine App geben, um sie zu verändern, sodass sie uns perfekt passen und dann drucken wir sie einfach aus, mit dem 3D-Drucker, der neben uns auf dem Schreibtisch steht. „Ich denke, dass die Anwendungsmöglichkeiten dafür jetzt endlos sind, ich denke, dass wir etwa fünf Jahre davon entfernt sind, einen in jedem Haushalt vorzufinden. Ich glaube, dass du schon sehr bald deine Prada-Schuhe online kaufen und direkt von deren Webseite ausdrucken können wirst. Schon jetzt kannst du Kettenhemd-Geflechte drucken, also wird es nicht mehr lange dauern, bis Stoff druckbar sein wird. Es ist nicht zu weit hergeholt, zu glauben, dass wir in ein paar Jahren ganze Outfits herunterladen können werden", sagt der Bühnenbildner und Ausnahme-Künstler Gary Card voraus. 

Zusamengefasst: Es ist, wie es Iris gesagt hat. Alles Vorstellbare ist möglich.

Credits


Text: Felicity Kinsella
Fotos: Mitchell Sams

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